Kulturfinanzierung Neumann: Bremen in der Pflicht

Vegesack. Im Kito hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit Kulturschaffenden über Förderungsmöglichkeiten gesprochen. Er betonte, dass der Bund manchmal einspringen könne, er vor allem aber das Land Bremen in der Pflicht sieht.
14.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Schlaht

Auf einer Veranstaltung im Kito hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit Kulturschaffenden aus der Region über Förderungsmöglichkeiten gesprochen. Immer wieder betont er, dass der Bund manchmal einspringen könne, er vor allem aber das Land Bremen in der Pflicht sieht.

Ja, er hat viel getan für Bremen. Für Bremens Kultur insbesondere. Das wird Bernd Neumann (CDU) auch nicht müde zu betonen an diesem Donnerstagabend im Vegesacker Kito. Seit 2005 ist Neumann Staatsminister für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin. Er hat eingeladen zur Veranstaltung „Im Bund mit der Kultur“, mit der er durch die Republik tingelt. Nun also Bremen-Nord. Der Saal ist voll, mehr als 90 Kulturschaffende und -interessierte sind gekommen. Jörg Kastendiek, der Landesvorsitzende der CDU, ist da und Bettina Hornhues, CDU- Direktkandidatin für die Bundestagswahl – auch wenn der Organisator und CDU-Abgeordnete Rainer Bensch betont, es handele sich keineswegs um eine Wahlkampfveranstaltung.

Neumann, selber in Bremen-Nord zu Hause, „am Wochenende zumindest“, kennt die Sorgen und Nöte der kulturellen Einrichtungen der Region und die Nordbremer kennen ihn. Eugenie Peschau-Runge etwa ist nur gekommen, weil sie Neumann hören möchte. Sie hat ihn „schon mal in Berlin besucht“, erzählt sie, „mit einer Gruppe“. Dass die Kultur im Mittelpunkt steht an diesem Abend, interessiert sie nur am Rande. Galeristin Birgit Waller kennt Neumann persönlich: „Der Noch-Kulturstaatsminister ist unser Nachbar.“ Er habe ihr viele Türen geöffnet, erzählt sie.

Georgios Tserkezidis hat Neumann schon auf diversen Veranstaltungen erlebt. Der Grohner ist gekommen, weil er sich dafür interessiert, was in der Kulturszene und was in Bremen passiert. Malte Prieser, Programmgeschäftsführer im Kulturbüro Bremen-Nord, preist im Vorfeld der Veranstaltung Neumanns große Verbundenheit mit der Region, „die uns Kulturschaffenden schon oft geholfen hat“. Gespannt sei er, wie sehr Neumann ins Detail gehe.

Etwas müde wirkt der 71-jährige Bernd Neumann in diesen Wochen des Wahlkampfs. Eine Veranstaltung jagt die nächste, am Nachmittag war er noch in Bremen im City 46, davor in Garbsen. Doch als er anfängt, von der kulturellen Vielfalt Deutschlands und dem kulturellen Erbe zu sprechen, wird er wacher, kommt er auf Touren. „Kultur, das ist die Grundlage der Identität unserer Gesellschaft.“ Kultur gebe es hierzulande nicht nur in den Städten, sagt Neumann. Auch deshalb sei Deutschland für viele Ausländer so attraktiv. „Das ist auch so in Bremen-Nord.“

Was er allerdings als Unding empfindet im Norden Bremens: „Wir haben hier keen Kino – das muss man sich mal vorstellen.“ Die Frage, ob sich Deutschland eine solch breite kulturelle Vielfalt überhaupt noch leisten könne, beantwortet der Staatsminister eindeutig mit „ja“.

Er habe seine Arbeit von Anfang an eher überparteilich angelegt, erläutert Neumann seinem Publikum im Kito, das er als „Perle im Szenarium von Bremen-Nord“ bezeichnet. In einem Punkt allerdings sei er parteiisch: Bremen habe er bei seinen Entscheidungen immer im Hinterkopf gehabt. „Auch Bremen-Nord.“

Dass der ehemalige CDU-Landesvorsitzende sich dafür einsetzt, die kulturellen Einrichtungen und Projekte des Landes zu fördern, wird immer wieder deutlich an diesem Abend. „Ohne Förderung geht es nicht.“ Neumann zählt Beispiele aus dem Bremer Norden auf, in die Mittel des Bundes geflossen sind oder noch fließen werden. Das Schulschiff (400000 Euro) nennt er, den U-Boot-Bunker Valentin (1,9 Millionen Euro) und die ehemalige Bremer Woll-Kämmerei (100000 Euro). Auch kleinere Projekte wie die Kirchenorgel der Sankt-Michael-Gemeinde in Grohn (165000 Euro) zählt er auf.

An einem Strang ziehen

„Lasst uns an einem Strang ziehen“, das sage er zu Politikern aller Fraktionen. Denn, so Neumann: „Die Kultur hat keine starke Lobby.“ Gerade einmal 1,9 Prozent des Gesamtetats machten die Ausgaben für Kultur aus. „Peanuts“ für den Staatsminister, der sein Büro bei Angela Merkel im Bundeskanzleramt hat. Einen Haushalt könne man durch Kürzungen im Kulturbereich nicht sanieren. „Wenn du was streichst, machst du viele kleine Initiativen kaputt.“ Gerade die kleineren Projekte sind es, für die sich Neumann gerne stark macht. Seine Einstellung zur Soziokultur habe sich durch seine Tätigkeit geändert, betont er. Er zeigt sich überzeugt: Mit soziokulturellen Projekten erreiche man auch bildungsferne Schichten und Menschen mit Migrationshintergrund.

Für die Kultur sind in Deutschland die Länder verantwortlich. Allerdings, so Neumann, rege sich im chronisch klammen Bremen kaum Widerstand, wenn der Bund sich an einem Projekt beteiligen wolle. „Verständlicherweise.“ Normalerweise müsse das Land genauso seinen Beitrag leisten wie der Bund. „In Bremen haben wir mehrfach Ausnahmen gemacht.“

Dafür bedanken sich Nordbremer – unter ihnen Claus Jäger, Vorsitzender des Schulschiffvereins – für die Förderung durch den Bund. Andere, wie Hans-Werner Liebig, der sich für das Gut Hohehorst engagiert, bemängeln, dass in ihre Häuser kein Cent geflossen sei. „Verteilt das Geld gerechter!“, fordert Harald Hittenbeck, Vorsitzender Vegesacker Heimatverein.

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