Verleihung am 15. November Neunter Bremer Friedenspreis geht an drei Frauen

Menschen aus aller Welt können sich für den internationalen Bremer Friedenspreis der Stiftung „Die Schwelle“ bewerben. In diesem Jahr geht der Preis an drei Frauen aus Nicaragua, Israel und Weißrussland.
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Neunter Bremer Friedenspreis geht an drei Frauen
Von Frauke Fischer

Es ist inzwischen der neunte internationale Bremer Friedenspreis, der am 15. November im Rathaus von der Stiftung Die Schwelle vergeben wird. Bewerben können sich dafür Menschen, Initiativen und Organisationen aus der ganzen Welt. Aus Nicaragua, Israel und Weißrussland kommen diesmal drei Frauen, die für ihre besonderen Leistungen um Frieden in ihren Heimatländern geehrt werden sollen.

20 Organisationen engagieren sich in Kommunal- und nationaler Politik

Die Schwelle hat die Politikwissenschaftlerin Olga Karatch aus Weißrussland für ihre Aktivität ausgewählt. Sie hat als 26-Jährige im Jahr 2005 das Netzwerk Nash Dom gegründet. Mittlerweile gehören 20 Organisationen dazu, die sich vor allem an der Basis, in der Kommunal- und nationalen Politik engagieren und dort Missstände aufdecken. Olga Karatch gilt als Gesicht und treibende Kraft des Netzwerks. Lebensbedingungen und politisches Engagement, der Einsatz für Freiheit und Meinungsfreiheit sind dafür aus Sicht der Aktiven besonders wichtig.

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In Nicaragua ist es Vilma Nuñez de Escorcia, die als Friedensbotschafterin im öffentlichen Leben immer noch aktiv ist. Nuñez de Escorcia, inzwischen 80 Jahre alt, kämpft seit den 1970er-Jahren für die Durchsetzung von Menschenrechten in Nicaragua. Unter anderem vertrat sie als Anwältin kostenfrei politische Gefangene vor Gericht und leitete die Nationale Menschenrechtskommission. Im Jahr 1990 gründete sie das regierungs- und parteiunabhängige Nicaraguanische Zentrum für Menschenrechte (Cenidh). Kerngedanke von Cenidh ist die Unteilbarkeit der Menschenrechte: Die politischen und bürgerlichen Menschenrechte gelten als genauso wichtig wie die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen, heißt es von Der Schwelle. „Der Erhalt des Bremer Friedenspreises gibt mir Mut zum Weitermachen“, sagt Nuñez de Escorcia. „Der Preis gibt uns das Gefühl, dass wir nicht allein sind, denn er verkörpert den unersetzlichen Wert der Solidarität, die von Bremen und ihren Menschen ausgeht und uns tief berührt.“

Unterstützung für Graswurzelbewegung

Gern arbeitet Die Schwelle auch später noch oder bereits vor der Preisvergabe mit den Initiativen in den verschiedenen Ländern zusammen, betonen die Vertreterinnen der Stiftung. „Es sind vor allem die sogenannten Graswurzelbewegungen, die wir unterstützen und ehren möchten“, sagen sie. Dass es diesmal drei Frauen sind, die geehrt werden, sei Zufall, sagt Geschäftsführerin Petra Thies. Die drei Frauen sind in diesem Jahr ausgewählt worden, weil sie für etwas stehen, was in unserer Welt immer wichtiger wird, heißt es zu den Preisgebern weiter. Aus insgesamt 87 Bewerbungen hat demnach eine Jury in diesem Jahr die Siegerinnen ermittelt. Dabei sei die Ehrung nicht an das Geschlecht gebunden.

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So waren in anderen Jahren seit Start des alle zwei Jahre vergebenen Preises im Jahr 2003 auch Männer unter jenen, die für ihre Friedensbemühungen in ihren Ländern ausgezeichnet wurden. Die Schwelle und die Jury nehmen dabei nach Angaben der Stiftungsvorsitzenden Anette Klasing gern Menschen und Aktivitäten in den Blick, die sich in ihrem direkten Umfeld an der Basis für bessere Lebensbedingungen und andere Voraussetzungen für Frieden einsetzen. Dafür werden sie nach Bremen ins Rathaus geladen. Dort sollen sie bei der Preisverleihung über ihr Tun berichten, zu Auseinandersetzung mit dem großen, aus Sicht der Einladenden zunehmend wichtigen Thema Frieden anregen, sagt Klasing weiter. Sie betont, dass sich alle Preisträgerinnen mutig gegen die eigene Regierungspolitik stellen, um Diskriminierungen, Gewalt und Nationalismus zu überwinden und Menschenrechte einzufordern. Die frühere Bürgermeisterin Karoline Linnert ist seit 2013 Schirmherrin. Sie hat ihre Aufgabe vom einstigen Bremer Bürgermeister Hans Koschnick übernommen und wird, so freuen sich die Stiftungssprecherinnen, weitermachen.

Aktionen in den Heimatländern

Der Preis der Spenderinnen und Spender für ermutigende Initiativen geht an Women Wage Peace aus Israel. Die unabhängige Graswurzelbewegung entstand laut Stiftung im Sommer 2014 und setze sich nicht nur für ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern ein, das für beide Seiten akzeptabel ist. „Sie will bei den Verhandlungen auch mitbestimmen. Mit rund 40.000 Mitgliedern und mehr als 100 Ortsgruppen gilt Women Wage Peace als größte Basisbewegung in Israel“, berichten die Bremerinnen. Unter anderem organisieren die Frauen Friedensmärsche, an denen Zehntausende Menschen teilnehmen, sie demonstrieren friedlich vor dem israelischen Parlament und schaffen Orte der Begegnung für Menschen aus Israel und Palästina, heißt es weiter. „Unsere Bewegung besteht aus normalen Frauen unterschiedlicher Herkunft, die daran verzweifelt sind, untätig darauf zu warten, dass die Regierung und die politischen Parteien den israelisch-palästinensischen Konflikt lösen. „Der Bremer Friedenspreis bedeutet für uns, dass unsere Bemühungen von der internationalen Gemeinschaft wahrgenommen, gewürdigt und unterstützt werden“, so die israelische Initiative.

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Wofür sie sich in ihren Heimatländern einsetzten, ist unterschiedlich. „Sie alle eint die Bedeutung, die sie dem Thema und der dafür notwendigen Maßnahmen in ihren Ländern beimessen. Was sie tun, hängt von den in Weißrussland, Nicaragua und Israel besonders wichtigen Aufgaben ab“, heißt es aus der Bremer Initiative. „Diese Frauen engagieren sich in ihren Heimatländern für andere, die Verbesserungen der Lebenssituationen und den Frieden“, so Klasen. Es geht demnach auch um Transparenz und Demokratie. „In Israel ist ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern wichtig“, sagt sie.

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Zur Sache: Preisverleihung und Vortrag

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Der mit 15.000 Euro dotierte Bremer Friedenspreis wird am Freitag, 15. November, um 18 Uhr in der Oberen Rathaushalle vergeben. Olga ­Karatch wird bereits am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr in der Freiwilligen-Agentur Bremen, Dammweg 18-20, einen Vortrag zum „Leben in einem autoritären Land“ und der Zivilgesellschaft dort halten. Im Anschluss gibt es eine Diskussion mit der Politikwissenschaftlerin aus Weißrussland. Der Morgen der Begegnung wird am Sonnabend, 16. November, um 10 Uhr in der Martin-Luther-Gemeinde, Neukirchstraße 86, veranstaltet. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.
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