Bremen bekommt 2,4 Millionen Euro vom Bund

Neustadt soll zum Fahrradquartier werden

Die Hochschule und Akteure vor Ort haben sich dafür eingesetzt: In der Alten Neustadt sollen die Bedingungen für Radfahrer besser werden. Damit will man auch Pendler zum Umsteigen aufs Rad motivieren.
06.03.2017, 13:19
Lesedauer: 3 Min
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Neustadt soll zum Fahrradquartier werden
Von Sara Sundermann
Neustadt soll zum Fahrradquartier werden

Hier ist eine Gruppe Radler auf dem Weg in die Neustadt. Aufgenommen im September 2016.

Frank Thomas Koch

Die Hochschule und Akteure vor Ort haben sich dafür eingesetzt: In der Alten Neustadt sollen die Bedingungen für Radfahrer besser werden. Damit will man auch Pendler zum Umsteigen aufs Rad motivieren.

In der Neustadt entsteht nach den Worten von Verkehrssenator Joachim ­Lohse (Grüne) die erste Fahrradzone Deutschlands: Ein Bremer Förderantrag beim Bundesumweltministerium war erfolgreich. Alle Mittel, die Verkehrsbehörde und Hochschule gemeinsam beantragt hatten, wurden bewilligt. 2,4 Millionen Euro Fördermittel aus dem Klimaschutzfonds sollen nun in eine Umgestaltung des Gebiets Alte Neustadt rund um die Hochschule fließen.

„Bremen ist eine Fahrradstadt, und wir wollen die Bedingungen für den Radverkehr verbessern“, sagt Lohse. Derzeit wird jeder vierte Weg in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt. Bremen möchte den Anteil des Radverkehrs erhöhen und zugleich das Carsharing ausbauen.

Nun kann Bremen durch die Förderung des Bundes ein Projekt umsetzen, das sonst wohl nicht finanzierbar gewesen wäre: Bereits im Koalitionsvertrag hatte die rot-grüne Landesregierung angekündigt, ein sogenanntes Fahrradmodellquartier einzurichten, also ein Pilotprojekt für eine fahrradfreundliche Zone in der Stadt. Das bedeutet konkret: In dem Quartier Alte Neustadt sollen praktisch alle Straßen zu Fahrradstraßen werden.

In der Bremer Neustadt soll mit Fördermitteln aus dem Klimaschutzfonds ein richtiges Fahrradquartier entstehen.

In der Bremer Neustadt soll mit Fördermitteln aus dem Klimaschutzfonds ein richtiges Fahrradquartier entstehen.

Foto: WK

Radwege sollen ausgebaut werden

Es gilt dann Tempo 30 in den kleineren Seitenstraßen, und Fahrräder haben dort Vorrang gegenüber Autos. Bislang gibt es in den Nebenstraßen der Alten Neustadt viel Kopfsteinpflaster – künftig soll es auf diesen Straßen in der Mitte einen Asphaltstreifen für Radfahrer geben. Die Kleine Johannisstraße soll komplett saniert werden. Fahrradstraßen dürfen der Verkehrsbehörde zufolge nur dort eingerichtet werden, wo auch zuvor schon das Fahrrad das vorherrschende Verkehrsmittel ist oder dies durch die Umgestaltung zu erwarten ist.

Künftig soll es zudem für Radfahrer und Fußgänger einfacher werden, die Langemarckstraße auf Höhe der Hochschule zu überqueren. Bislang ist es dort nicht einfach, die Autospuren und das Gleisbett der Straßenbahnen zu kreuzen. Neue Übergänge für Radfahrer sollen auch an der Oster- und Westerstraße entstehen. Die Radwege rund um die Hochschule sollen an die sogenannten Premium-Radwege angeschlossen werden, die Bremen ausbauen will.

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Geplant sind zudem rund 620 zusätzliche Fahrradstellplätze in der Neustadt, Ladestationen für E-Bikes und ein Leihradsystem. Vor dem Altbau der Hochschule an der Langemarckstraße soll nach Londoner Vorbild ein Café mit Fahrrad-Werkstatt und Raum für Veranstaltungen entstehen, das Café Musette. Musette ist die Bezeichnung für die Proviantpäckchen der Rennradfahrer. Mit diesem neuen Gebäude will die Hochschule zugleich von der Hauptstraße aus sichtbarer werden und sich mehr zum Stadtteil öffnen.

Viele Veränderungen beziehen sich auf kleine Seitenstraßen

Wird durch das Fahrradquartier der Autoverkehr beeinträchtigt? Klar ist: Die meisten Veränderungen beziehen sich auf kleine Seitenstraßen. Die großen Durchgangsstraßen wie Langemarckstraße, Oster- und Westerstraße werden keine Fahrradstraßen. Nach Angaben von Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität bei der Verkehrsbehörde, sollen nur vereinzelt in Kreuzungsbereichen Parkplätze für Pkws und Haltestreifen für Taxis wegfallen.

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Das Projekt in der Neustadt wurde stark von der Hochschule vorangetrieben, die insgesamt rund 10.000 Studierende, Lehrende und Gäste anzieht und sich als Impulsgeberin für Klimaschutz und Stadtentwicklung versteht. Hochschulrektorin Karin Luckey will Pendler überzeugen, aufs Fahrradumzusteigen.

Studierende aus dem Umland, die bisher mit dem Auto anreisen, könnten zum Beispiel künftig die Leihräder nutzen. Davon versprechen sich die Unterstützer des Fahrradquartiers auch, dass weniger Parkplätze von Auswärtigen belegt werden.

Grüne feiern Finanzierung durch den Bund

Die Idee für ein Fahrradquartier stammt von den Grünen, die nun die Finanzierung durch den Bund feiern. „Die Neustadt hat einen wahnsinnigen Schub, aber in Sachen Radverkehr gab es hier Nachholbedarf“, sagt der grüne Landesvorsitzende Ralph Saxe. „Bislang gibt es im Stadtteil keine einzige Fahrradstraße.“

Der Beirat, die Wirtschaftsförderung Bremen, die Shakespeare Company, das Südbad und viele andere Akteure der Neustadt haben das Fahrradquartier unterstützt. Das Bremer Projekt hat sich im bundesweiten Wettbewerb gegenüber 180 anderen Projekten durchgesetzt.

Insgesamt 50 Projekte werden gefördert, das Bremer Fahrradquartier gehört zu den größten. 90 Prozent der Umbaukosten trägt der Bund, zehn Prozent zahlt Bremen. Der Umbau soll Anfang 2018 beginnen und muss nach den Fördervorgaben bis spätestens Juni 2019 beendet sein.

(Dieser Artikel wurde am 06.03.2017 um 18:26 Uhr aktualisiert)

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