Die Klönrunde des MTV Nautilus befasst sich mit dem Thema „Tiere an Bord“ auch unter ökologischen Aspekten Nicht bloß niedlich

Vegesack. Wer sich mit dem Thema „Tiere an Bord“ befasst, denkt zunächst an praktische Urlaubstipps der Art: Darf mein Hund mit auf die Fähre? Bei der Klönrunde des MTV Nautilus standen jüngst hingegen Fakten, Anekdoten und Legenden rund um allerlei „tierische Aufenthalte“ auf hoher See im Mittelpunkt. Thomas Rutka begrüßte im Nautilushaus neben Moderator Gerald Sammet auch die derzeit mit ihrem Schiff Noortje im Vegesacker Hafen liegende Rega Kerner.
06.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Bösch

Vegesack. Wer sich mit dem Thema „Tiere an Bord“ befasst, denkt zunächst an praktische Urlaubstipps der Art: Darf mein Hund mit auf die Fähre? Bei der Klönrunde des MTV Nautilus standen jüngst hingegen Fakten, Anekdoten und Legenden rund um allerlei „tierische Aufenthalte“ auf hoher See im Mittelpunkt. Thomas Rutka begrüßte im Nautilushaus neben Moderator Gerald Sammet auch die derzeit mit ihrem Schiff Noortje im Vegesacker Hafen liegende Rega Kerner. In ihrem Buch „Schiffsschwein Spekje“ beschreibt Kerner humorvoll ihre mehrjährigen Erlebnisse mit einem Minischwein an Bord eines Tankschiffs.

Lebende Tiere begleiteten von jeher Seefahrer und Marinesoldaten an Bord. Grundsätzlich, schilderte Gerald Sammet in seinem Überblick, könne man unterscheiden zwischen Tieren, die der Besatzung zur Verpflegung dienten, und Vierbeinern, die als Maskottchen auf hoher See weilten oder unverzichtbare Dienste erledigten. So habe James Cook bei seinen teils mehrjährigen Fahrten bis zu 20 Katzen an Bord gehabt, um der chronischen Ratten- und Mäuseplage Herr zu werden. Noch bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts war in der Schifffahrt eine bestimmte Anzahl von Katzen an Bord vorgeschrieben. Die ‚maritimen Miezen‘ hätten dabei sogar mitunter einen Dienstrang gehabt. Nicht selten hätten Katzen, die beim Landgang auf abgelegenen Inseln ausgesetzt wurden oder dort entflohen, aber auch die komplette örtliche Vogelpopulation ausgerottet.

Ein von Gerald Sammet herumgereichtes Bild des Bordhundes Sindbad zeigte den vierbeinigen „Petty Officer“, der an Bord eines US-Patrouillenboots der Royal Navy zwischen 1938 und 1949 eine gewisse Berühmtheit erlangte. Ein anderes Bild zeigte die Schiffskatze des Vollschiffs „Pommern“ beim selbstbewussten Erklimmen der Wanten. „Hoch ging es immer, runter nur mit der Drehleiter“, hatte der langjährige Redakteur von Radio Bremen in Erfahrung gebracht.

Die Schiffskatze des australischen Seglers „Matthew Flinders“ hätte den Spleen entwickelt, stets auf dem Eselshaupt, also dem Verbindungsteil zwischen Untermast und Stenge, zu sitzen. Am Ende habe die tollkühne Katze stets heruntergetragen werden müssen. Als sie nach eineinhalb Jahren auf See auf dem englischen Festland ein Zuhause fand, habe die „Meerkatze“ auch hier stets den höchsten Punkt auf dem Dachfirst eingenommen und versucht, durch die – ihr bislang unbekannten – Fensterscheiben des Landsitzes zu springen.

An Bord des 1942 versenkten britischen Flugzeugträgers „HMS Eagle“ hatte man es besonders gut mit der Schiffskatze gemeint. Segelmacher hatten dem Tier eine Hängematte gebastelt. Eine Fotografie zeigt die Katze majestätisch ruhend in der Schlafstätte. Auch an Bord der legendären „Bismarck“ soll ein Seemann eine Bordkatze an Bord geschmuggelt haben. Unüberschaubar ist die Anzahl von Anekdoten über Bordkatzen und -hunde, die auf Kriegs- oder Segelschiffen ihr Leben fristeten, nach Landgängen vorübergehend verschollen waren und nach Monaten oder Jahren wieder am Ort ihres Verschwindens auf der Schiffsbrücke standen. Norbert Lange-Kroning, Schatzmeister beim MTV Nautilus, wusste seinerseits von Elefantentransporten zu erzählen, bei denen die Dickhäuter seekrank wurden.

In Zeiten der klassischen Segelschifffahrt sei es üblich gewesen, Hühner und Schweine zur Schlachtung und Rinder zum Melken mitzuführen. Eigentümlich mutet die Geschichte der zu unfreiwilligem Ruhm gelangten Giraffe Zarafa an. Die 1827 auf der „Due Fratelli“ vom Nil herbeigeschaffte Giraffe verzückte seinerzeit ganz Frankreich. Die ursprünglich in Äthiopien eingefangene Giraffe gelangte nach 7000 Kilometern in Paris an und trat von dort aus ihren Siegeszug durch mehrere französische Städten an.

Zu Zehntausenden bestaunte man das langbeinige Tier im Jardin du Roi. Frauen trugen die Haare hochgetürmt ‚a la girafe“. Die Männer konterten mit Hüten und Krawatten im angesagten Fleckdesign. An Bord der „Due Fratelli“ hätten drei Kühe den schier unstillbaren Milchdurst der Giraffenkuh stillen müssen. „Die Leute sind mit den Tieren teilweise besser umgegangen als mit den Seeleuten“, lautete Sammets Fazit.

Wie sehr unfreiwillig mitgeführte Tiere zu einer Umwälzung der heimischen Flora und Fauna führen, zeige das Beispiel nach Amerika importierter Regenwürmer. „Als Amerika entdeckt wurde, gab es auf dem gesamten Kontinent überhaupt keine Regenwürmer. Die Europäer führten sie erst mit den Pflanzen ein. Dadurch haben Regenwürmer nach und nach den ganzen Boden der amerikanischen Wälder aufgelockert“, berichtete Gerald Sammet. Analog zu dieser Geschichte hätten sich auch die Pueblovölker in Amerika erst innerhalb von zwei oder drei Generationen in ein Reitervolk verwandelt, nachdem die Spanier die ersten Pferde mit auf den Kontinent gebracht hatten.

„Die sind mit den Tieren teils besser umgegangen als mit den Seeleuten.“ Moderator Gerald Sammet
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