Schulübergreifendes Filmprojekt über rechte Symbole

Nicht jeder Glatzkopf ist ein Neonazi

Bremen. Woran erkennt man Neonazis? An der Glatze oder an der Farbe ihrer Schnürsenkel? Dass das gar nicht so leicht zu beantworten ist, haben vier Jugendliche aus der Gesamtschule Mitte (GSM) und dem Gymnasium an der Hamburger Straße in einem medienpädagogischen Projekt festgestellt. Zusammen mit der Bremer Regisseurin Edina Medra haben sie den Film 'Vorsicht, Nazi' gedreht. Er wurde jetzt in der GSM gezeigt. Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen hatte dazu eingeladen.
01.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Bastienne Ehl

Bremen. Woran erkennt man Neonazis? An der Glatze oder an der Farbe ihrer Schnürsenkel? Dass das gar nicht so leicht zu beantworten ist, haben vier Jugendliche aus der Gesamtschule Mitte (GSM) und dem Gymnasium an der Hamburger Straße in einem medienpädagogischen Projekt festgestellt. Zusammen mit der Bremer Regisseurin Edina Medra haben sie den Film 'Vorsicht, Nazi' gedreht. Er wurde jetzt in der GSM gezeigt. Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen hatte dazu eingeladen.

Erste Szene: Ein Kunde betritt einen Secondhand-Laden, ein kahlgeschorener Typ, der Springerstiefel mit roten Schnürsenkeln trägt. Er durchkämmt die Kleiderständer und probiert eine Bomberjacke an. 'Solche Typen sollte man verklagen', murmelt der Verkäufer, als der Mann, ohne etwas zu kaufen, seinen Laden verlassen hat. 'Irritiert?' fragt Joel. Er trägt einen weißen Kittel und hat eine dicke Hornbrille auf der Nase. Er tritt mit seinem Assistenten Julian auf. Woran erkennt man Neonazis denn nun? An der Glatze? Joel klärt auf: 'Skin ist englisches Wort und bedeutet Haut. Aber ist jeder Skin auch ein Neonazi?'

'Nö, ich nicht', sagt der Kunde des Secondhand-Ladens aus der vorherigen Szene, der seinen Kopf durch die Tür steckt. Er hat sich mittlerweile einen Bart angeklebt. 'Die Skinheadbewegung begann Ende der 60er-Jahre. Aus Protest gegen die damals modischen Langhaarfrisuren haben sich Jugendliche in East London die Haare abrasiert. Ihr gemeinsames Interesse galt der schwarzen Musik", erklärt Joel. Das beste Beispiel kennen Fans von Punkrock und Ska: 'Schwarz auf Weiß', die Band aus Syke und Weyhe um Sänger Malte Prieser. Ihr Abschiedskonzert hat die Band im Oktober 2006 im Schlachthof gegeben. Am Sonnabend, 13. November, kommt sie noch einmal zusammen, um bei 'Aufmucken gegen rechts' in der Mehrzweckhalle in Kirchweyhe dabei zu sein.

Also: Nicht jeder Glatzkopf ist ein Neonazi und nicht jeder Neonazi ist ein Glatzkopf. Aber woran kann man sie denn dann erkennen? 'Naziskins tragen Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln, Punks tragen Springerstiefel mit roten Schnürsenkeln. Angeblich die ultimative Formel.'

Aber kann nicht auch der weiße Schnürsenkel im schwarzen Schuh für die Verständigung von Weißen und Schwarzen stehen, fragt sich Joel. 'Codes können schon mal durcheinandergehen und man muss ganz genau hinhören und hinsehen.' Und das gilt auch für Symbole, Farben und Zahlenkombinationen auf Kleidung. 'Nicht jeder, der Londsdale trägt und eine Glatze hat, ist ein Nazi', sagt Joel in der Diskussion.

Unterstützung wuchs

Die Idee für den Film hatte Heike Blanck vom Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt. Sozialpädagogin Sophie Schleinitz unterstützte das Team. 'Erst wollten wir nur einen dreiminütigen Film machen. Doch nach und nach ist das Projekt immer weiter gewachsen und wir bekamen immer mehr Unterstützung', sagt Regisseurin Edina Medra.

Um den knapp siebenminütigen Film zu machen, hat sich die Gruppe elfmal getroffen. Zusammen mit der Regisseurin haben Marie und Harle, beide aus der siebten Klasse der GSM, Joel und Julian aus der achten Klasse des Gymnasiums an der Hamburger Straße, das Drehbuch geschrieben. Gedreht haben sie an drei Tagen, einen Tag im Secondhand-Laden und zwei Tage in der Schule. Ganz einfach war es nicht. 'Der Laden, in dem wir gedreht haben, war sehr klein, da haben eigentlich nur fünf Leute Platz. Wir waren aber viel mehr', erzählt Marie. Was den Schülern denn am meisten am Filmprojekt gefallen habe, fragte Moderatorin Anja Stahmann, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. Sich mit dem Thema zu beschäftigen, habe ihm etwas gebracht, sagt Joel. 'Aber auch die technische Seite. Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Arbeit ist.'

Der Film brachte das Publikum zum Lachen, obwohl der Inhalt ernst ist. 'Damit sich auch die Leute angesprochen fühlen, die sich sonst nicht mit dem Thema beschäftigen', sagt Edina Medra.

Film 'Vorsicht, Nazi': bei www.youtube.com und in der Nacht der Jugend, Dienstag, 9. November, im Rathaus. Mehr Infos übers 'Aufmucken gegen rechts' am Sonnabend, 13. November, ab 18 Uhr in Weyhe, auch über die Anfahrt und die Vorverkaufsstellen auf www.aufmucken.com.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+