Kita-Protest gegen größere Gruppen

„Nicht mit uns“

Bei der Personalversammlung der Beschäftigten von Kita Bremen hagelte es massive Kritik an den Plänen von Bildungssenatorin Claudia Bogedan, die Kindergruppen zu vergrößern.
12.05.2017, 17:03
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Von Lisa-Maria Röhling Sara Sundermann
„Nicht mit uns“

Zur Personalversammlung von Kita Bremen war das Pier 2 am Freitag voll besetzt.

Christina Kuhaupt

Bei der Personalversammlung der Beschäftigten von Kita Bremen hagelte es massive Kritik an den Plänen von Bildungssenatorin Claudia Bogedan, die Kindergruppen zu vergrößern.

Als Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) am Freitagmittag die Bühne im überfüllten Pier 2 verlässt, schallen ihr Buhrufe und Pfiffe entgegen. Auf der Personalversammlung erheben sich die Beschäftigten von Kita Bremen von ihren Plätzen und rufen: „Nicht mit uns.“ Die Veranstaltung dreht sich fast ausschließlich um die Pläne des Bildungsressorts, die Zahl der zu betreuenden Kinder in den Kitas von 20 auf 21 zu erhöhen.

Schon zu Beginn der Personalversammlung gab es massive Kritik an den Plänen der Bildungssenatorin. „Das ist eine Katastrophe“, sagte eine Erzieherin aus Arbergen zur geplanten Erhöhung. Dafür fehle Platz in den Kitas, denn schon das Inventar sei auf eine Gruppengröße von 20 Kindern ausgerichtet. Außerdem wäre mit einer Vergrößerung der Gruppen eine kindgerechte Betreuung schlichtweg nicht mehr gewährleistet. „Alle wollen Inklusion – was momentan in den Kindergärten stattfindet, ist manchmal nur Aufbewahrung und Beaufsichtigung“, sagte eine weitere Erzieherin. Die Wut war bei vielen besonders groß, weil sie von den Plänen des Ressorts aus der Zeitung erfahren hatten.

"Mit dem 21. Kind haben Sie den Krieg ausgerufen"

Viele Anwesende befürchten, dass die von der Bildungssenatorin als vorübergehend angekündigte Lösung zum Dauerzustand wird. Schon die eigentlich begrenzte Vergrößerung der Krippenplätze von acht auf zehn Kinder vor einigen Jahren sei bis heute der Normalfall, sagte der zweite Vorsitzende des Personalrats, Toren Christians. Außerdem, so Christians, werde es sicher nicht beim 21. Kind bleiben.

„Sie haben immer gesagt, das 21. Kind sei die Ultima Ratio“, richtete Grit Wetjen, Vorsitzende des Personalrats von Kita Bremen, das Wort an Claudia Bogedan. Da nun dieser Fall eingetreten sei, fasste sie die Pläne der Bildungssenatorin drastisch zusammen: „Mit dem 21. Kind haben Sie den Krieg ausgerufen“, erklärte sie und erntete dafür viel Applaus.

"Was hier geplant ist, ist ein No-Go"

„Die Beschäftigten haben deutlich gemacht, dass sie das 21. Kind in den Kita-Gruppen nicht kampflos hinnehmen werden. Was hier geplant ist, ist ein No-Go“, fasste Ingo Tebje, Gewerkschaftssekretär bei Verdi, zusammen. „Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass durch größere Gruppen das Problem beim Kita-Ausbau gelöst wird, denn die fehlenden Räume für zusätzliche Gruppen sind nur der eine Flaschenhals.“

Der zweite sei der Fachkräftemangel: „Und dieses Problem macht uns im Moment sogar noch mehr zu schaffen.“ Um Erzieherinnen anzulocken und zu halten, müsse Bremen die Bezahlung verbessern. Der zweitgrößte Träger von Kitas in Bremen – die Kirchen – zahle den Erzieherinnen mehr. Bürgermeister, Finanzsenatorin und Bildungssenatorin müssten nun gemeinsam benötigte Mittel für den Kita-Ausbau und die Aufwertung des Erzieherberufs bereitstellen.

„Ich kann nicht garantieren, dass wir zum 1. August unser Personal an Bord haben“, sagte Kita-Bremen-Geschäftsführer Wolfgang Bahlmann auf die Frage, wie die Gruppenvergrößerung beim aktuellen Fachkräftemangel umsetzbar sei. Aber er sei optimistisch, dass die Probleme lösbar seien.

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„Wir setzen weiter auf den Ausbau“, sagte Claudia Bogedan. Sie wies Vorwürfe zurück, wonach in den Plänen ihres Ressorts zur Gruppenvergrößung zugleich von einer Qualitätssteigerung die Rede sei: „Ich habe an keiner Stelle davon gesprochen, dass wir die Qualität durch dieses Papier steigern.“ Sie hoffe, dass die konstruktiven Gespräche zwischen ihrem Ressort und Kita Bremen auch in Zukunft fortgeführt werden könnten.

Bogedan musste sich allerdings massive Kritik gefallen lassen. So kündigte Kitaleiter Daniel Frömbgen an, bei einer Umsetzung der Pläne des Bildungsressorts werde er sich weigern, die zusätzlichen Kinder in seiner Kita aufzunehmen. „Ich bin es Leid, dass politische Versäumnisse auf dem Rücken der Erzieher und der Kinder ausgetragen werden“, sagte er. Andere schlossen sich an und sprachen von Kindeswohlgefährdung. Bogedan betonte, dass dringend Lösungen benötigt würden, konkrete Pläne nannte sie aber nicht. „Jetzt müssen wir zusammenrücken“, sagte die Senatorin.

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