Niere statt Milz entfernt

Bremer erhält Schmerzensgeld von 90.000 Euro

Im Fall des Bremers, dem eine Niere statt der Milz entfernt wurde, haben die Parteien - die Familie und die Gesundheit Nord - den Vergleich angenommen. Der 21-Jährige erhält ein Schmerzensgeld von 90.000 Euro.
19.11.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Bremer erhält Schmerzensgeld von 90.000 Euro
Von Sabine Doll
Bremer erhält Schmerzensgeld von 90.000 Euro

Kerim Ucar (Mitte) mit seinem Vater Selcuk und Mutter Durna Ucar vor dem Landgericht Bremen, wo vor drei Wochen der Gütetermin stattfand.

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Etwas mehr als drei Jahre, nachdem Kerim Ucar im Klinikum Mitte statt der Milz eine gesunde Niere entfernt wurde, ist die juristische Auseinandersetzung um die fatale Operation beendet. Der 21-Jährige erhält 90.000 Euro Schmerzensgeld. Auch zukünftige Schäden, die aus der Entfernung der Niere entstehen könnten, werden von dem Klinikverbund Gesundheit Nord beziehungsweise der Versicherung ersetzt. Die Parteien haben den Vergleich, der bei einem Gütetermin vor drei Wochen im Landgericht ausgehandelt wurde, angenommen. Das bestätigen die Rechtsanwälte dem WESER-KURIER. Die Frist für den Widerruf ist jetzt abgelaufen.

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Aus Sicht des Rechtsanwalts der Familie Ucar, Hans-Berndt Ziegler aus Marburg, ist der Vergleich ein „gutes Ergebnis“: „Ein Zivilverfahren hätte sich voraussichtlich mehrere Jahre hingezogen. Und es ist fraglich, ob es dann zu diesem Ergebnis bei einem Gerichtsurteil gekommen wäre.“ Ziegler hatte zunächst ein Schmerzensgeld von 325.000 Euro verlangt; die Gegenseite, vertreten von Rechtsanwalt Ralph Meyer im Hagen, hatte 50.000 Euro angeboten. „Wir haben vor gut einer Woche mitgeteilt, dass wir den Vergleich annehmen“, so der Anwalt.

Die Operation fand am 5. Oktober 2017 statt. Der junge Bremer leidet an einer angeborenen Erkrankung, durch die die Milz vergrößert war. Der Vorfall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. In einem Sachverständigen-Gutachten war von einem „groben Behandlungsfehler“ die Rede. Richter Andreas Helberg hatte bei dem Gütetermin vor drei Wochen betont: „Es macht das Gericht fassungslos, dass solch ein Behandlungsfehler passieren konnte.“ Der Arzt, der den damals 17-Jährigen operierte, wurde bereits in einem Strafverfahren zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt.

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