6. Dezember in Bremen Nikolauslaufen durch die Stadtteile

Bremen. Am Dienstag laufen sie wieder: Verkleidete Kinder ziehen an Nikolaus von Tür zu Tür und sagen Gedichte auf. Nicht nur in der Bremer Innenstadt wird einiges los sein, auch die Bremer Stadtteile bereiten sich vor.
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Von Kaya Leimann

Bremen. Am Dienstag laufen sie wieder: Verkleidete Kinder ziehen an Nikolaus von Tür zu Tür und sagen Gedichte auf. Nicht nur in der Bremer Innenstadt wird einiges los sein, auch die Bremer Stadtteile bereiten sich vor.

In der Bremer Innenstadt sind es vor allem kleine Läden, in denen Kinder mit Süßigkeiten oder Obst rechnen dürfen. "Die Kids wissen ganz genau Bescheid und gehen gezielt zu ihrem Laden um die Ecke", sagt Wolfgang Brakhane vom Einzelhandelsverband Nordsee, und rechnet auch in diesem Jahr mit vielen Kindern. Obwohl sie fünf Wochen vorher schon an Halloween durch die Straßen liefen, ziehen sie auch am 6. Dezember los. Brakhane: "Kinder bekommen doch immer gerne etwas. In einer ganzen Gruppe loszuziehen ist sehr beliebt." Mit Mandarinen und Süßigkeiten stehen Geschäftsleute in den frühen Abendstunden bereit. Wer sich mit Gedichten oder Liedern besonders Mühe gebe, bekäme meistens noch ein Stückchen Schokolade mehr, weiß Brakhane.

Nikolauslaufen in den Stadtteilen

Doch nicht nur in der Innenstadt wappnen sich die Geschäfte. Auch kleinere Läden in verschiedenen Stadtteilen bereiten sich auf Nikoläuse und Engel vor. So zum Beispiel in Woltmershausen. Gegen 16 Uhr beginnt dort das Nikolauslaufen, an dem sich viele Betriebe der Interessen- und Werbegemeinschaft Woltmershausen-Rablinghausen (IWG) beteiligen. Neben Süßigkeiten für die Kleinen, gehen auch die Großen nicht leer aus: Die IWG bietet ab 15 Uhr Glühwein und Bratwurst an. In Findorff laden die Geschäfte ebenfalls auf einen Besuch ein. Bei einem Nikolausmarkt der Findorffer Geschäftsleute gibt es Glühwein, Crepes, Würste und Musik. Ab 16 Uhr ist der Nikolaus sogar persönlich zugegen. Auch dem Oberneunlander Karree stattet der Nikolaus einen Besuch ab. Außerdem planen einige Geschäftsleute für den Tag besondere Leckereien. So lohnt sich etwa ein Besuch beim Kinderbekleidungsgeschäft CoAllù, vor dem in einem Zelt Glühwein, Kinderpunsch, Waffeln und Crêpes angeboten werden. In Hastedt verteilt der Nikolaus in der Föhrenstraße und dem Schosterboorn kleine Geschenke. Als Gast des Tages ist außerdem Opernsänger Luis Olivares Sandoval eingeladen.

Für Brakhane ist das Nikolauslaufen sowohl in der Bremer Innenstadt, als auch in den Stadtteilen ein fester Bestandteil des Dezembers. "Das ist einfach eine schöne Tradition. Es verbindet die Geschäfte und sollte noch lange aufrechterhalten bleiben."

Die Tradition des 6. Dezembers

Gerade in Bremen ist das Nikolauslaufen sehr typisch. In Hamburg kennt man es nur noch vom Hörensagen. Die ältere Generation beklagt zwar den Untergang des alten Brauchs. Am Abend des sechsten Dezembers stehen dann aber meist doch ein paar kleine Kinder vor der Tür und sagen Gedichte auf.

Wer aber war Sankt Nikolaus? Seine Spur verliert sich in der Legende. Er soll im 4. Jahrhundert gelebt haben und ein Bischof von Myra in Kleinasien gewesen sein. Fest steht: Er wurde einer der beliebtesten christlichen Heiligen. Weil er als Patron der Schiffer und Kaufleute galt, trugen noch um die letzte Jahrtausendwende in Niedersachsen und Bremen 72 evangelische und 19 katholische Kirchen seinen Namen, darunter eine in Mahndorf und eine in Gröpelingen.

Schon im 19. Jahrhundert klopften Kinder am 6. Dezember an den Haustüren, um Leckereien zu bekommen. So ist überliefert, dass die Kinder alljährlich in Scharen von Haus zu Haus zogen. Sie stampften, um auf sich aufmerksam zu machen, mit Stöcken hart auf den Boden und hatten Säcke dabei, für die erhofften Gaben.

Aber „das erste wirklich friedensmäßige Nikolauslaufen“ fand nach dem zweiten Weltkrieg – laut WESER-KURIER – erst 1949 statt. Da waren „die Straßen in allen Stadtteilen voll singender Kinder. Ihre Kleidung war so bunt wie ihre Lieder“. In der Sögestraße erschien wegen einer besonderen Attraktion sogar „die Polizei und regelte notdürftig den Verkehr". Da schwang im Schaufenster eines Juweliergeschäfts ein als Nikolaus verkleideter Fünfjähriger die Rute und belud eine elektrische Eisenbahn mit Päckchen für die Kundschaft. Am Abend zuvor hatte im St.-Joseph-Stift ein Spielwarenhaus an „über 500 maskierte Kinder“ Geschenke verteilen lassen. Der Nikolaus vom Studentenhilfswerk nahm vor dem „schreienden Kinderhaufen“ allerdings bald Reißaus.

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