Tristan Sartorius aus Schwachhausen war als Freiwilliger ein Jahr in Tansania / Jetzt will er andere ermutigen

Nilpferde grasten neben dem Zelt

Die deutschen Nachbarländer haben ihn nicht gelockt: Tristan Sartorius ist nach dem Abitur mehr als 7000 Kilometer weit weg in den ostafrikanischen Staat Tansania gezogen. Dort lebte und arbeitete er über ein Jahr lang und brachte Schülern den Umgang mit dem Computer bei. Jetzt will er andere junge Leute für einen Auslandsaufenthalt in Afrika interessieren und ihnen Mut machen.
31.10.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste

Die deutschen Nachbarländer haben ihn nicht gelockt: Tristan Sartorius ist nach dem Abitur mehr als 7000 Kilometer weit weg in den ostafrikanischen Staat Tansania gezogen. Dort lebte und arbeitete er über ein Jahr lang und brachte Schülern den Umgang mit dem Computer bei. Jetzt will er andere junge Leute für einen Auslandsaufenthalt in Afrika interessieren und ihnen Mut machen.

Von Sandy Bradtke

Bremen. Tristan Sartorius ist zurück in Bremen - und er macht sich Sorgen um den Fortbestand des Computerunterrichts. Denn es fehlen Freiwillige, um die Kurse fortzuführen, die auch er gegeben hat. Mit dem Abitur in der Tasche suchte Tristan Sartorius gezielt im Internet nach Möglichkeiten, um seinen Zivildienst zu leisten. "Die typischen Zivildienst-Sachen haben mich nicht so angesprochen", erzählt er.

Als er sich über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst "Weltwärts" informierte, wurde der 20-Jährige schließlich fündig. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bietet jungen Menschen mit Interesse an ehrenamtlicher Arbeit in Entwicklungsländern einen Pool von Entsendeorganisationen an.

Tristan Sartorius entschied sich für den Verein Amani Kinderdorf, der sieben Freiwilligenstellen in Tansania anbietet. Neben dem Computerunterricht an zwei tansanischen Schulen können Freiwillige auch im Kinderdorf Kilolo oder als Mathematik-, Naturwissenschafts-, Englisch-, oder Nachhilfelehrer in einer Oberschule arbeiten.

"Schon immer wollte ich nach Afrika", sagt Sartorius: "Als ich dann dort ankam, war ich einfach überwältigt." Zusammen mit einem Freiwilligen aus Baden-Württemberg richtete der damals 19-Jährige einen Computerraum mit 24 Rechnern in der Pandahill Secondary School in dem Dorf Songwe in der Nähe von Mbeya ein. Mbeya ist eine der zehn größten Städte Tansanias im Westen des Landes. Dort gaben die jungen Männer Schülern der Oberstufe Computerunterricht. Unterrichtssprache war Englisch. "Die Schüler waren unheimlich motiviert", berichtet der Abiturient. Nach dem Unterricht seien viele zu ihm gekommen und hätten sich bedankt.

Herzliche Aufnahme in Songwe

In dem Dorf, in dem Tristan Sartorius mit seinem Kollegen gewohnt und gearbeitet hat, leben etwa 3000 bis 4000 Einwohner. Sartorius hat die Menschen dort als sehr offen und herzlich erlebt: "Ich habe mich dort sehr gut aufgenommen gefühlt". Geholfen habe ihm sicherlich auch, dass ihm und anderen Freiwilligen die Landessprache Kisuaheli vor der Abreise in einem der Vorbereitungsseminare seiner Entsendeorganisation vermittelt wurde, sagt Sartorius: "Das ist einfach traumhaft. Alle aus dem Dorf haben mich gegrüßt und gefragt, wie es mir geht, als sie wussten, dass ich die Sprache spreche."

Die älteren Männer des Dorfes spielen draußen oft Bao, ein komplexes afrikanisches Brettspiel. Als Sartorius durch Songwe spazierte, wurde er von den Männern eingeladen mitzuspielen. Als er wieder zurück nach Deutschland ging, schenkten ihm die Nachbarn aus Songwe ein eigenes Bao-Spiel. Auch seine Schülerinnen und Schüler gaben ihm viele landestypische Mitbringsel mit. Sie schenkten ihm Wein und Ketten und organisierten sogar eine Abschiedsfeier, die sie selbst finanzierten. In Songwe hungere zwar keiner, aber die Menschen seien arm, sagt Sartorius: "Das ist dann einfach beeindruckend, wie die Menschen das Wenige, was sie haben, bereitwillig teilen." Als Tourist hätte er diese Erfahrungen niemals machen können, da ist sich Sartorius sicher. Erst durch das Leben in der Gemeinschaft seien diese Erlebnisse möglich geworden.

Lehrer seien in Tansania außerdem sehr angesehen: "Viele hatten großen Respekt davor, dass wir zu ihnen ins Dorf kommen, um ihren Kindern etwas beizubringen." Doch für das kommende Freiwilligenjahr fehlen dem Armani Kinderdorf noch Mitarbeiter. Die Bewerbungsfrist geht bis Mitte November. Für viele Stellen sei bislang jedoch noch keine einzige Bewerbung eingegangen, erzählt Sartorius. Seit Juli ist der Zivildienst ebenso wie der Grundwehrdienst abgeschafft - eine mögliche Erklärung für die geringe Bewerberzahl.

Ein Dorf sei künftig also nicht mit Lehrern besetzt, sagt Sartorius: "Die Computerräume verfallen jetzt, das ist einfach sehr schade." Dabei sei das Programm für junge Menschen, die sich engagieren wollen perfekt: "Man braucht keinen Euro selbst mitzubringen, bekommt 100 Euro Taschengeld und ein Gehalt". Auch die Unterkunft, die Verpflegung und die Reisekosten werden übernommen. Jedem Freiwilligen stehen außerdem 30 Tage Urlaub zu, die für eigene Reisen genutzt werden können. Tristan Sartorius verbindet "viele tolle Erinnerungen" mit seiner Reise durch Ostafrika während seiner Urlaubszeiten.

Mit einem Arbeitskollegen habe er an einem See gezeltet, erzählt der Abiturient. "Wir wussten nicht, dass die Nilpferde nachts zum Grasen dahin kommen", erinnert er sich. Während die großen Säugetiere gemütlich das Gras rund um das Zelt abzupften, taten die Camper in dieser Nacht kein Auge zu.

Angst um sein Leben hat der Bremer allerdings nie gehabt: "Wenn man sich entsprechend verhält, dann hat man eigentlich nichts zu befürchten", sagt er. Im Alltag habe er sich so sicher wie selten gefühlt. Auch mit Gewalt und Kriminalität habe er keine Erfahrungen gemacht.

Was seinen Berufswunsch angeht, hat er schon eine Vorstellung. Im November geht es für ihn erst einmal nach Australien. Dort wird er ein einjähriges Praktikum bei einem internationalen Transportunternehmen absolvieren. "Ich wollte mich nicht gleich in ein Studium stürzen, weil mir klar war, dass sich meine Ansichten durch die lange Zeit in Afrika ändern können", sagt Sartorius. Nach seinem Tansaniaaufenthalt weiß der 20-Jährige nun aber, dass er in die Richtung Internationales Management oder Business Administration gehen möchte: "Ich kann mir sehr gut vorstellen, später in einem afrikanischen Land für eine nichtstaatliche Organisation, die ein vernünftiges Projekt macht, zu arbeiten."

Informationen über den Freiwilligendienst in Tansania finden sich im Internet unter www.amani-kinderdorf.de. Informationen zum Freiwilligenprogramm "Weltwärts" unter www.weltwaerts.de. Für Fragen rund um seinen Aufenthalt steht auch Tristan Sartorius selbst zur Verfügung: Telefon 0172/5274131, E-Mail tristansartorius@gmx.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+