Sportliche Misere der Profikicker

Noch stehen die Fans hinter Werder

Bremen. Die Elf von Thomas Schaaf rutscht in der Tabelle immer weiter ab, auch die Stimmung unter den Fans leidet massiv. Tickets für die Spiele zu ergattern ist längst nicht mehr so schwer wie noch in der vergangenen Saison. Folgt auf die sportliche Misere die Abkehr der Fans?
27.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert
Noch stehen die Fans hinter Werder

Das Dach der Weserstadion-Tribüne muss wahrscheinlich länger geöffnet bleiben als geplant. "Die restliche Infrastruktur

Roland Scheitz

Bremen. Angebote im Internet: "4 Tickets Werder-Inter, Ostkurve, unter Normalpreis" und "Werder-St.Pauli für einen Kasten Bier". Wird aus dem sportlichen Aushängeschild ein Restposten? Im Auswärtsspiel bei Schalke 04 skandierten mitgereiste Bremer: "Außer Wiese könnt ihr alle gehen." Folgt der sportlichen Misere der Profikicker die Abkehr der Fans? So weit scheint es nicht zu sein: "Die Talfahrt wirft die Werder-Anhänger nicht um", sagt Fan-Beauftragter Dieter Zeiffer.

Immerhin wunderte sich mancher über die 78 Werder-Tickets, die auf dem "Marktplatz" von bremen.de gestern Mittag noch zu haben waren. Vor allem die Spiele gegen St.Pauli und Inter Mailand wurden angeboten, zum Teil wie Sauerbier, weit unter Preis. Bei bremen.de zeigt man sich allerdings nicht so überrascht und sieht das Internet-Ticketangebot im normalen Bereich. Das Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand sei vom sportlichen Gesichtspunkt nicht mehr so hoch anzusiedeln. Und dann drohen ja auch noch die progostizierten Temperaturen im Minusbereich...

Ein wenig frostig ist auch die Stimmung unter den Anhängern. "Froh sind wir nicht", gesteht Benjamin Ress vom Bremer Fan-Club "Furioso", "obwohl wir weiterhin hinter dem Team stehen". Ein wenig sauer seien sie, auch weil die höheren Eintrittspreise ja mit guten sportlichen Leistungen begründet wurden.

Die aber sehen viele nicht. "Manche laufen schon schlafmützig über den Platz", beklagt Hans-Jürgen Kleinwechter von den "Grün Weiß Shooters". Da komme bei ihm auch "ein bisschen Wut hoch", sagt er. Der Trainer gerät jedoch nicht ins Zwielicht: "Thomas Schaaf ist der Richtige", meint der Club-Boss.

Einverständnis auf Zeit?

Eine durchgängige Einschätzung in den Anhänger-Clubs, die auch Werders festangestellter Fan-Beauftragter Zeiffer teilt: "Der Werder-Fan vergisst nicht, was die sportliche Leitung in den letzten sieben Jahren alles geleistet hat." Den Zuschauern sei klar, nun als 12.Mann die Verletztenmisere ein wenig ausgleichen zu müssen. Zeiffer hat hier noch keine Zurückhaltung bei den Anhängern entdecken können. Nur: Wie weit reicht das Einverständnis mit den Spielern?

"Der Rückhalt für die Mannschaft ist noch da. Aber wie lange?", fragt etwa Thorben vom Bremer Fan-Club "Inferno". Hin- und hergerissen fühlten sich die 16 Club-Mitglieder. Das Spiel gegen Eintracht Frankfurt: So schlecht nicht. Aber dann das Match gegen Tottenham Hotspurs... Thorben steht hinter Werder, fordert aber auch: "Sie müssen kämpfen."

Den unbedingten Willen vermissen aber manche Anhänger, die hier und da ihren aktuell flügellahmen Himmelsstürmern Hunderte von Kilometern nachreisen. Auf Schalke gehörte Axel Stubbe von den "Green White Doublestars" zu denen, die nur Torhüter Tim Wiese Bundesligatauglichkeit attestierten - der Rest könne gehen, rief der enttäuschte Fan-Chor. "Da war kein Kampf zu sehen", klagt er, "ich weiß nicht, ob die Stimmung unter uns nicht kippt, sollte Werder nach den Spielen in Dortmund und Wolfsburg auf einem Abstiegsplatz landen."

Die Stimmung tendiert also gen Tiefpunkt, selbst in Heimspielen, wo die Werder-Anhänger wegen des Stadion-Umbaus (voraussichtlich) noch bis zum 10.Heimspiel mit ihren Dauerkarten in die Westkurve platziert werden. Über ihnen, im Oberrang, agieren die Fans der Gastmannschaften, die sich nicht immer zuvorkommend gegenüber den Zuschauern im Unterrang verhalten. "Da macht sich schon eine superschlechte Stimmung breit", beobachtet Stubbe.

Ganz klar: Besonders nach Niederlagen. Das bekommen auch die Wirte nahe dem Weserstadion zu spüren. "Die Stimmung ist ein bisschen gedrückt und die Fans trinken auch weniger", heißt es etwa im "Bistro-Rand-Weiß". Doch sie kommen trotzdem. Allerdings: "Wenn der Lieblingsverein verliert, macht man natürlich keine Party."

Werders Offizielle zeigen Verständnis für die Reaktionen der Zuschauer. Kommunikationsdirektor Tino Polster: "Sie reagieren auf das, was sie sehen." Wobei er sich zuversichtlich zeigt: "Die Fans haben ein feines Gespür, ob eine Mannschaft den Willen zum Sieg zeigt. Dann werden sie uns auch unterstützen." Diese Unterstützung hat er selbst im Spiel gegen Tottenham erlebt, das 0:3 verloren ging.

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