Verfahren zur Bebauungsplanänderung für Projekt „ÜberEck“ läuft Noch viele Vorbehalte bei den Anwohnern

Die Anwohner befürchten die „Verschattung“ ihrer Häuser und Wohnungen, Parkplatzmangel, Probleme mit zu viel Abwasser und womöglich soziale Spannungen – bei den Menschen im Quartier sind die Bedenken im Zusammenhang mit dem Gewoba-Bauvorhaben „ÜberEck“ an der Arndtstraße groß. Nun hat der Bauausschuss des Waller Beirats zu dem Vorhaben Position bezogen: Prinzipiell begrüßt er das Projekt – wenn alle Bedenken zufriedenstellend gelöst werden.
08.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Die Anwohner befürchten die „Verschattung“ ihrer Häuser und Wohnungen, Parkplatzmangel, Probleme mit zu viel Abwasser und womöglich soziale Spannungen – bei den Menschen im Quartier sind die Bedenken im Zusammenhang mit dem Gewoba-Bauvorhaben „ÜberEck“ an der Arndtstraße groß. Nun hat der Bauausschuss des Waller Beirats zu dem Vorhaben Position bezogen: Prinzipiell begrüßt er das Projekt – wenn alle Bedenken zufriedenstellend gelöst werden.

Gut 50 Anwohner aus dem Westend waren ins Ortsamt gekommen und die Stimmung spürbar angespannt: Während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses im Waller Beirat ging es um das an der Arndtstraße 2 bis 6 geplante Neubauvorhaben „ÜberEck“, das seit Anfang Februar immer konkreter wird. Damals war das Verfahren zur Bebauungsplanänderung eröffnet worden. In einem beschleunigten Verfahren soll nun das Baurecht geändert und damit der Weg für die Realisierung des Projekts geebnet werden.

Die Gewoba will zwischen den drei 50er-Jahre-Wohnblocks an der Arndtstraße drei je zwölf Meter hohe Neubauten errichten und außerdem die bestehenden Gebäude um je ein zusätzliches Stockwerk erweitern. Auf diese Weise könnten 33 unterschiedlich große Wohnungen neu entstehen – 18 davon als sozial geförderter Wohnraum.

Bei den Anwohnern im Quartier sorgt das aus dem Architekturwettbewerb „Ungewöhnlich Wohnen“ im Jahr 2011 hervorgegangene Vorhaben für wenig Begeisterung: Die Bewohner der Blocks an der Arndtstraße leben ohnehin schon dicht an dicht und bekämen durch die Neubauten mehr Nachbarn und weniger Grün. Die Anwohner der Zwingli-, Calvin- und Lutherstraße vis-à-vis hingegen fürchten, dass ihre Häuser „verschattet“ werden. Außerdem handele es sich bei den Freiflächen zwischen den Blocks um wichtige Frischluftschneisen für die dahinter liegende Siedlung, unterstreichen sie. „Die kann man doch nicht einfach wegradieren“, meinte ein Anwohner. Und eine Bewohnerin der Zwinglistraße führte aus: „Nachts strömt von dort frische Luft in die Siedlung. Wenn Sie uns diese Klötze davorsetzen, dann halten wir das nicht aus! Bremen sollte stolz darauf sein, dass hier in der Stunde null ein so fortschrittliches Konzept erdacht wurde.“

Denn die 1952 erbaute Siedlung war die erste größere neue Siedlungseinheit im zerstörten Bremer Westen und hat dem „Architekturführer Bremen“ des Bremer Zentrums für Baukultur zufolge eine besondere Geschichte: „Nachdem der Wiederaufbau des Bremer Westens nur zögernd in Gang kam, bewarb sich die Stadt um eine Teilnahme am ECA-Entwicklungsprogramm (ECA = Economic Cooperation Administration) für die Bebauung eines Teilbereichs des Bremer Westens. Fünfzehn Städte wurden ausgewählt, darunter Bremen.“

Ja, es gibt Veränderungen durch die Neubauten, dabei werden aber die geltenden DIN-Normen eingehalten: So lassen sich die Ergebnisse der „Verschattungsanalyse“ zusammenfassen, die Johann Christian Plagemann von der Gewoba vorstellte. Seine Argumentation, dass alle vorgeschriebenen Abstände eingehalten würden und somit ausreichend Licht und Luft garantiert seien, war für die Anwohner dabei allerdings kaum zufriedenstellend.

Sie führten noch weitere Argumente gegen das Bauvorhaben an. So kommt es zum Beispiel seit vielen Jahren bei Starkregen regelmäßig zu Problemen bei den tiefer gelegenen Häusern in der Siedlung. Die Versiegelung zusätzlicher Flächen, so die Befürchtung, könnte dies verschlimmern. Die Gewoba wolle das Kanalnetz entlasten, indem die Neubauten Gründächer bekämen und Gehwege mit sandgebundener Decke und Rasengittersteinen angelegt würden, hielt dem Plagemann entgegen. Auch zum Thema Parkplätze – schon jetzt gibt es nach Ansicht der Anwohner deutlich zu wenig Parkmöglichkeiten – hat die Gewoba sich Gedanken gemacht und will hier durch neu angeordnete Parkplätze, Car-Sharing-Angebote und Fördermaßnahmen zum öffentlichen Personennahverkehr Abhilfe schaffen.

Blocks liegen alle im Dunkeln

Den Menschen in der Wohnanlage und in den Häusern der Nachbarstraßen brennen etliche Fragen auf den Nägeln, wie sich in dieser Sitzung erneut zeigte. „Ich wundere mich über die Idee, hier Blocks zu bauen, die von allen Seiten im Dunkeln liegen. Das finde ich schade, vor allem auch im Sinne der neuen Bewohner“, meinte etwa eine Anwohnerin aus der Calvinstraße. Und ein Bewohner der Arndtstraße merkte an: „Die ganze Planung ist zu protzig. Wenn das alles etwas kleiner wäre, dann würde es meiner Einschätzung nach weniger Stress geben.“

Die Gewoba wünscht sich die Zustimmung des Stadtteilbeirates Walle zu der Baumaßnahme – die gibt es aber nur, beschlossen nun bei Enthaltung der Linkspartei alle anderen Fraktionen, wenn die Gewoba zusage, dass die von Anwohnern und Beirat geäußerten Bedenken aufgenommen und zufriedenstellend gelöst würden. „Ich bin ganz zuversichtlich, dass eine Reihe von Fragen positiv beantwortet werden wird“, so Ausschusssprecher Wolfgang Golinski (SPD) nach der Sitzung. Er gehe davon aus, dass die Aufstockung der bestehenden Altbauten vom Tisch sei und die Höhe der Neubauten auf vier Etagen begrenzt würde, sodass alles in die Landschaft passe. Ein weiterer zentraler Punkt sei das Abwasserproblem. Dazu brauche man eine offizielle Auskunft von Hansewasser, so Golinski.

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