Norddeutsche Mission

Mit Sachverstand und ohne Tropenhelm

Heike Jakubeit, die neue Generalsekretärin der Norddeutschen Mission (NM) in Bremen, hat sich schon ein wenig umgesehen auf der Erde.
18.05.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hanni Steiner
Mit Sachverstand und ohne Tropenhelm

Seit einem guten halben Jahr leitet Pastorin Heike Jakubeit die Norddeutsche Mission in Bremen. Schwerpunkt der Tätigkeit ist der Austausch mit dem afrikanischen Kontinent, Jakubeit arbeitete selbst sechs Jahre lang in Pretoria.

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Bremen. Sie kennt als Pastorin die kleine Welt der Wesermarsch und die fernen Welten Südafrikas und Südamerikas: Heike Jakubeit, die neue Generalsekretärin der Norddeutschen Mission (NM) in Bremen, hat sich schon ein wenig umgesehen. Von Schwei und Schweiburg am südlichen Zipfel des Jadebusens über Sao Leopoldo und Salvador da Bahia in Brasilien bis nach Pretoria in Südafrika. Und: Sie trägt keinen Tropenhelm auf dem Kopf und auch nicht ständig die Bibel unter dem Arm: „Dieses Bild von Mission ist heute noch in den Köpfen – warum? Das muss sich endlich ändern!“ sagt sie entschieden.

Übersetzt man das aus dem Lateinischen stammende Wort Mission mit „Aufgabe“, dann kommt man der heutigen Arbeit der NM schon näher: Die von vier deutschen und zwei afrikanischen evangelischen Kirchen getragene NM sieht sich als Vermittlerin zwischen Nord und Süd. Sie hilft bei Projekten in Togo und Ghana und profitiert von den Erfahrungen und Ideen der afrikanischen Geschwister wie auch von deren ansteckender Spiritualität. Erfahrungen aus 183 Jahren Verbindung zu Ghana und Togo in Westafrika und ein heutiges kenntnisreiches Team im Haus an der Berckstraße in Horn – zwei von den beteiligten Kirchen finanzierte Vollzeit- und acht Halbtagsstellen – garantieren Sachverstand. Der wäre zum Beispiel auch hilfreich für Institutionen, die sich zurzeit mit der Rückgabe von Kunst- und Kultgegenständen aus Afrika befassen. „Uns betrifft das nicht, aber wir bringen uns gern in die Debatte ein zwecks Einschätzung von Gegenständen“, bietet Heike Jakubeit an.

Was hält die Weitgereiste von gelegentlichen Kurzreisen deutscher Politiker durch afrikanische Länder? Die 51jährige fragt diplomatisch zurück: „Was trägt das aus? Was für Eindrücke bekommen die Politiker? Und was ist Sinn der Sache?“ Und fügt hinzu, besonders umweltverträglich seien diese Reisen ganz bestimmt auch nicht. Klimagerechtigkeit und Fluchtursachen seien Themen, die hierzulande bearbeitet werden müssten, ebenso Genderfragen und das Problem der Gewalt gegen Frauen.

Auf die Frage, ob die Verhältnisse in Südafrika tatsächlich so schwierig seien wie immer wieder berichtet wird, bestätigt die Pastorin die schlechten Nachrichten aus jenem Staat, zu dessen neuer Existenz ein Nelson Mandela einst den Grund gelegt hatte: Es herrschen Gewalt und Korruption. Sechs Jahre habe sie als Pastorin einer schwarz-weißen evangelischen Gemeinde in der Innenstadt von Pretoria gearbeitet, berichtet Jakubeit. Man sei Angriffsziel für Anfeindungen und Ausschreitungen gewesen. Sich in Bremen auch abends frei bewegen zu können, sei nun ein wunderbares Privileg.

Geboren wurde Heike Jakubeit – der Nachname lässt ostpreußische Vorfahren erkennen – in Cloppenburg. Sie studierte Theologie in Berlin, Göttingen und Marburg, wo sie ökumenisch geprägt wurde, lernte Brasilien als Austauschstudentin kennen – und lebt nun seit einem guten halben Jahr in Bremen. Von 2009 bis 2013 war sie Vorsitzende des ehrenamtlichen Vorstands der NM – die Arbeit der Organisation ist ihr also bestens vertraut. Das Gremium setzt sich zusammen aus Delegierten der Oldenburgischen, der Lippischen, der Bremischen Evangelischen und der Reformierten Kirche sowie den evangelisch-presbyterianischen Kirchen von Togo und Ghana.

Seit der Entsendung der ersten Missionare aus Bremen nach Afrika ab 1836 haben sich das Selbstverständnis und die Arbeit der NM grundlegend geändert: Vom Missionseifer, den „armen Heiden das lieb Evangelium zu bringen“ (mit Tropenhelm auf dem Kopf und Bibel unter dem Arm) zu einer lebendigen Partnerschaft unter sechs evangelischen Kirchen. Es gibt einen regen Austausch von Süd nach Nord und umgekehrt, junge Leute aus Deutschland können über diese Brücke Afrika kennen lernen. Die NM, so die Pastorin, eröffne den Blick „auf das, was hinter dem Horizont liegt.“ Alle Hilfs-Projekte in den afrikanischen Partnerkirchen in Bereichen wie Schulen, Landwirtschaft, Gesundheit werden über Spenden finanziert.

Ein entscheidendes Thema sei weiterhin – wie auch schon für Jakubeits Vorgänger Hannes Menke - die Kommunikation nach außen, um die antiquierten Vorstellungen von Mission in der Öffentlichkeit endgültig auf den Müllhaufen zu befördern: „Die Kirchen waren zum Beispiel die ersten Nichtregierungsorganisationen, denn sie haben unabhängig von staatlichen Institutionen gearbeitet.“ Beim Thema Kommunikation ist die Musikliebhaberin auch privat engagiert: Das Internet und die neuen sozialen Medien faszinieren sie. Eine Facebook-Gruppe müsse her und sie werde unter die YouTuber gehen – als Rezo der Norddeutschen Mission? „Nein, das ganz bestimmt nicht!“

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