Weniger Ausfälle, längere Züge

Nordwestbahn verstärkt Züge zur Adventszeit

Nach viel Kritik will die Nordwestbahn in der anstehenden Adventszeit mit längeren Zügen und verstärkten Verbindungen für einen besseren Nahverkehr sorgen. Die Situation habe sich laut Unternehmen schon verbessert.
21.11.2019, 19:24
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Von Pascal Faltermann Aljoscha-Marcello Dohme
Nordwestbahn verstärkt Züge zur Adventszeit

Personalmangel sorgte in den vergangenen Monaten für Unmut und Ärger unter Pendlern.

Albrecht-Joachim Bahr

Die Nordwestbahn (NWB) will in der Adventszeit sowie zu Großereignissen im Dezember ihr Angebot deutlich verbessern. "Das geschieht entweder durch längere Züge, mehr Verbindungen oder auch durch Verstärkerbusse", sagt Unternehmenssprecher Steffen Högemann. Bereits zur Freimarktszeit habe man auf diese Verbesserungen gesetzt. An den Adventssonnabenden sollen laut Högemann die Verbindungen gestärkt und auch für das Bundesliga-Spiel des SV Werder Bremen gegen Mainz am Dienstag, 17. Dezember, sollen die Züge verlängert werden, um die Besucher ans Ziel zu bringen.

In den vergangenen Monaten hatte der Personalengpass bei der Nordwestbahn für Unmut und Ärger unter Pendlern gesorgt. Vor allem auf der Strecke in den Bremer Norden kam es immer wieder zu Störungen, Verspätungen und Zugausfällen. "Die Situation hat sich aber deutlich beruhigt, die Züge sind nicht mehr so überfüllt", sagt NWB-Sprecher Högemann zur aktuellen Lage auf der Strecke Verden-Vegesack.

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Nach und nach versuche das Unternehmen, das Problem des Fachkräfte- und Nachwuchsmangels anzugehen und zu lösen. Durch die Baustelle an der Lesumbrücke und die damit verbundenen Einschränkungen für Autofahrer sei übrigens kein signifikanter Zuwachs an Fahrgästen entstanden, berichtet Högemann.

Weniger Ausfälle

Ähnliches ist aus dem Bremer Verkehrsressort zu hören. Im Juni habe es noch rund vier Prozent Zugausfälle gegeben, im September und Oktober sei die Zahl der Ausfälle auf ein Prozent zurückgegangen, so Behördensprecher Jens Tittmann. Zwischen halb fünf und halb acht am Morgen seien alle NWB-Züge wieder mit zwei Triebwagen unterwegs. "Ich freue mich, dass die Nordwestbahn die Gespräche mit mir und dem Regionalausschuss Bremen-Nord ernst genommen hat", sagt Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Sie hoffe darauf, dass das Osnabrücker Unternehmen ab März wieder den kompletten Verkehrsauftrag erfüllen könne. Ein erneutes Gespräch mit NWB-Vertretern sei für Februar geplant.

Zugausfälle von und nach Bremen-Nord gehören nämlich noch immer zum Alltag. Allein am Montag sind zehn Verbindungen der Regio-S-Bahn-Linie 1 ausgefallen; am Dienstag entfielen sogar 19 Fahrten, wie die Nordwestbahn unter anderem über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

"Die Ursache der Zugausfälle ist nicht mehr durch zu wenige Mitarbeiter bedingt", bestätigt Robert Palm, Leiter der Regio-S-Bahn. "0,08 Prozent der Ausfälle im Oktober waren auf fehlendes Personal zurückzuführen. Personalbedingte Ausfälle haben wir faktisch gegen null reduziert." Nun seien Wetterphänomene und die Infrastruktur Grund für gestrichene Verbindungen. Für Schienen, Signale und Bahnübergänge ist allerdings nicht die Nordwestbahn zuständig, sondern die DB Netz AG. "Das Unternehmen muss uns einen funktionierenden Schienenweg zur Verfügung stellen. Deshalb sind wir auch im ständigen Austausch mit der Bahn", erklärt Palm.

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Neben der Infrastruktur ist dennoch auch der Mangel an Triebfahrzeugführern noch immer ein Thema für die Nordwestbahn. Wann das Unternehmen allerdings wieder genügend Personal hat, um längere Züge einzusetzen und den Takt am Sonnabend zu verdichten, kann Palm noch nicht sagen.

Die Abwerbewelle läuft

"Ich will nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Im November und Dezember läuft noch die Abwerbewelle", hat Palm dem Branchenbuschfunk entnommen. Deshalb könne er noch nicht absehen, ob weitere Triebfahrzeugführer von der Nordwestbahn zu Mitbewerbern wechseln. "Im Moment ist die Prognose aber gut. In letzter Zeit haben wir keine Abgänge mehr verzeichnet." Verkehrssenatorin Schaefer hat dennoch genaue Vorstellungen, ab wann die Nordwestbahn wieder ohne Einschränkungen unterwegs ist. "Mein Anspruch ist, dass spätestens ab dem zweiten Quartal 2020 der Vertrag wieder im vollen Umfang umgesetzt wird."

Die Nordwestbahn wird langfristig das komplette Regio-S-Bahn-Netz im Großraum Bremen betreiben. Anfang des Jahres hatte sich das private Eisenbahnverkehrsunternehmen in einer europaweiten Ausschreibung gegen die Deutsche Bahn AG durchgesetzt.

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