SPD-Anfrage zu angeblichen Verspätungen erstaunt das Innenressort Notärzte liegen meist im Plan

Vegesack. Müssen Patienten in Bremen-Nord im Bedarfsfall zu lang auf einen Notarzt warten? Eine Anfrage der SPD-Fraktion für die nächste Beiratssitzung legt diesen Verdacht nahe. Doch offizielle Stellen dementieren, und auch bei den Mitarbeitern Nordbremer Rettungsdienste hört man keine Klagen. Also viel Lärm um nichts?
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Notärzte liegen meist im Plan
Von Jürgen Theiner

Vegesack. Müssen Patienten in Bremen-Nord im Bedarfsfall zu lang auf einen Notarzt warten? Eine Anfrage der SPD-Fraktion für die nächste Beiratssitzung legt diesen Verdacht nahe. Doch offizielle Stellen dementieren, und auch bei den Mitarbeitern Nordbremer Rettungsdienste hört man keine Klagen. Also viel Lärm um nichts?

Auslöser der SPD-Anfrage war eine Bürgersprechstunde der Beiratssprecherin Heike Sprehe. Dabei beschwerten sich nach ihren Angaben zwei Vegesacker Bürger unabhängig voneinander über ein sehr spätes Eintreffen des Rettungsarztes nach der Alarmierung über den Notruf 112. In einem Fall sei erst nach 20 Minuten ein Intensivmediziner aus Osterholz-Scharmbeck eingetroffen, das andere Mal habe die Wartezeit gar 35 Minuten betragen. Erst dann sei der Notarzt per Hubschrauber aus dem Krankenhaus Links der Weser eingeschwebt - 'jeweils dringendst von den Rettungssanitätern erwartet', heißt es in der Anfrage der SPD, die nun vom Innensenator beantwortet werden soll. Den Sanitätern haben die Bürger laut Sprehe dagegen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Die Rettungsassistenten seien stets unverzüglich zur Stelle gewesen.

Beim Innensenator, der für die Organisation des städtischen Rettungswesens zuständig ist, kann man sich auf die Klagen aus Bremen-Nord keinen Reim machen. Nach Angaben der Behörde sind über das Stadtgebiet fünf Notarzt-Einsatzfahrzeuge (NEF) verteilt, außerdem ein sogenannter Intensivtransportwagen und zwei Hubschrauber, die allerdings nur tagsüber abheben können. Einer der NEFs steht am Klinikum Nord. Dort kann er blitzschnell mit einem Notarzt in Marsch gesetzt werden.

Wie in anderen Stadtteilen auch gebe es im Einsatzgeschehen allerdings 'Duplizitäten', so Behördensprecher Olaf Bull. Will sagen: Der Notarzt kann bereits anderweitig beschäftigt sein. Dann ist der Disponent in der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle gefordert. Er muss das nächste verfügbare NEF oder den Hubschrauber herbeibeordern. Für Bremen-Nord kann das heißen, dass der Notarzt aus dem Gröpelinger Diako-Krankenhaus oder aus Osterholz-Scharmbeck anfährt. Wenn es sich von der Örtlichkeit her anbietet, auch über die Fähre aus der Wesermarsch. Die Hilfeleistung über die Ländergrenzen hinweg ist übrigens keine Einbahnstraße. Bremer Notärzte sind gelegentlich auch im Umland im Einsatz.

Angepeilt ist laut Olaf Bull, dass ein Notarzt im Stadtgebiet in 95 Prozent der Fälle innerhalb von zehn Minuten seinen Einsatzort erreicht. Von einer Häufung starker Abweichungen, wie sie in der Beiratsanfrage der SPD angedeutet wird, ist in der Innenbehörde nichts bekannt. Das gilt auch für den kommunalen Krankenhausverbund Gesundheit Nord, dessen Kliniken den Großteil der Notärzte stellen. Sprecherin Karen Matiszick: 'Unserem Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin in Bremen-Nord ist über solche Probleme bisher nichts zu Ohren gekommen.'

Wenn es sie gäbe, müssten sie die Mitarbeiter der diversen Rettungsdienste wie etwa des Deutschen Roten Kreuzes am ehesten zu spüren bekommen. Sie sind in der Regel zuerst am Einsatzort und stabilisieren die Notfallpatienten, bis der Rettungsmediziner eintrifft und über das weitere Vorgehen entscheidet. Ein Sanitäter, der seit vielen Jahren auf dem Rettungswagen eines karitativen Trägers mitfährt, sagte gestern im Gespräch mit der NORDDEUTSCHEN, er habe während seiner ganzen beruflichen Laufbahn noch keine 35 Minuten auf einen Notarzt warten müssen. Bei Hubschraubereinsätzen könne man von zehn Minuten ausgehen, komme der Medziner aus Osterholz-Scharmbeck, verstreiche maximal eine Viertelstunde.

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