Die „Wallerie“ bringt im Einkaufszentrum echte Originale unter die Leute

Nur keine Angst vor der Kunst

Echte Kunst zwischen Supermarkt, Discounter und Drogerie? Delia Nordhaus und Ruth Degenhardt waren der Ansicht, dass dem Walle-Center genau so etwas gerade noch gefehlt hat. Vor zwei Monaten haben sich die beiden Künstlerinnen mit ihrer „Wallerie“ mitten im Einkaufszentrum eingenistet. Sie möchten damit zeigen, dass Kunst mitten ins Leben gehört. Und die Waller Galeristinnen freuen sich, dass ihre Kundschaft das offensichtlich ganz genau so sieht.
05.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten
Nur keine Angst vor der Kunst

Nur keine Angst: Die Künstlerinnen beißen nicht. Delia Nordhaus (links) und Ruth Degenhardt freuen sich darüber, dass ihre „Wallerie“ im Walle-Center bei der Kundschaft richtig gut angekommen ist.AVE·FOTO: ROLAND SCHEITZ

Roland Scheitz

Echte Kunst zwischen Supermarkt, Discounter und Drogerie? Delia Nordhaus und Ruth Degenhardt waren der Ansicht, dass dem Walle-Center genau so etwas gerade noch gefehlt hat. Vor zwei Monaten haben sich die beiden Künstlerinnen mit ihrer „Wallerie“ mitten im Einkaufszentrum eingenistet. Sie möchten damit zeigen, dass Kunst mitten ins Leben gehört. Und die Waller Galeristinnen freuen sich, dass ihre Kundschaft das offensichtlich ganz genau so sieht.

„Mutationen“ lautete das Motto, unter das Delia Nordhaus und Ruth Degenhardt den Tag der offenen Tür in ihrer Galerie im Walle-Center gestellt haben. Wer mochte, konnte sich fotografieren lassen und darf nun gespannt abwarten, was die beiden künstlerischen Individualistinnen mit den Fotos anstellen. Die Skulpturen und Bilder des Projekts sollen dann irgendwann in der Galerie ausgestellt werden. Doch offene Türen gibt es in der „Wallerie“ grundsätzlich. Denn den beiden Waller Künstlerinnen geht es vor allem darum, vielen Menschen den Zugang zur Kunst zu erleichtern.

Im Sortiment der „Wallerie“ sind ausschließlich Originale, die aber auch schon für ein überschaubares Budget erschwinglich sind. Die getöpferten Porträts von Ruth Degenhardt erzählen immer ganz eigene Geschichten: Zum Beispiel von der selbstzweiflerischen Carla, die so gerne perfekt wäre. In den ausdrucksstarken Figuren haben wohl schon einige Galeriebesucher sich oder andere wiedererkannt. Denn viele davon haben inzwischen neue Besitzer gefunden, erzählt Ruth Degenhardt. Delia Nordhaus hat mit ihren Werken die malerische Abteilung der Galerie bestückt. Darunter sind abstrakte Kompositionen, die skurrilen „Fagen“ oder auch der monumentale „Molenturm“, für den schon eine Handvoll ernsthafter Interessenten auf der Warteliste steht, wie seine Schöpferin berichtet.

Durch ihre künstlerischen Aktivitäten pflegt Delia Nordhaus bereits seit Jahren einen regen Kontakt zum Walle-Center, erzählt sie. Als sich dann die Möglichkeit ergab, das freistehende Ladengeschäft zu nutzen, musste sie nicht lange überlegen. Dafür sprach die exponierte Lage mit viel Raum und Licht. Und die Tatsache, dass sie mit ihrer Kollegin und Freundin Ruth Degenhardt eine Geschäftspartnerin mit einem ähnlichen Sinn für Kunst für das Projekt gewinnen konnte. Das Elitäre, Abgehobene sei ihre Sache nicht, betonen die beiden Galeristinnen. „Wir möchten Schwellenängste nehmen und zeigen: Kunst beißt nicht!“, sagt Delia Nordhaus.

Wann immer es zeitlich machbar ist, setzt sich Ruth Degenhardt vor der Tür an ihre Töpferscheibe und wird dann selbst zur Attraktion: „Die Menschen bleiben stehen und fragen, es entwickeln sich schöne Gespräche“, erzählt die Künstlerin. Und natürlich sehen es die beiden gerne, dass sich aus den Kunst- häufig auch Verkaufsgespräche entwickeln. „Wir möchten die Leute davon überzeugen, dass ein echtes Original in jeder Hinsicht mehr wert ist als eine Massenreproduktion aus dem Kaufhaus“, erklärt Delia Nordhaus. Und im Waller Einkaufszentrum liegen die beiden Galeristinnen damit offensichtlich genau richtig, erzählen sie. Denn die vergangenen Monate hätten bestätigt: Hier lassen sich tatsächlich richtig viele Kunstliebhaber finden.

Zusätzliche Aktivitäten geplant

Die „Wallerie“ im Walle-Center ist freitags und sonnabends zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Zusätzliche spontane Öffnungszeiten sind der Seite www.wallerie.de und der Facebook-Adresse der Wallerie zu entnehmen. Individuelle Termine können ebenfalls vereinbart werden. Neben dem ganz normalen Galeriealltag sind zusätzliche Aktivitäten geplant: Am Wochenende vom 4. bis zum 6. Oktober steht die „Wallerie“ im „Centrum der Kunst“, der großen Gruppenausstellung, für die Delia Nordhaus wieder viele Künstlerinnen und Künstler aus Bremen und der Region nach Walle holt.

Am Sonnabend, 19. Oktober, zeigt der Bildhauer Burkhard Tegeler seine „Plastikwelten“. Für Donnerstag, 31. Oktober, lädt die „Wallerie“ unter dem Motto „Kunst macht Angst“ ab 17 Uhr zur Halloween-Feier ein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+