Schon 2008 mehr Initiative gefordert Nur wenige Bremer Straßen nach Frauen benannt

Schon 2008 hat der Senat die Beiräte gebeten, Frauen verstärkt bei Namensgebungen von Straßen zu berücksichtigen. Zehn Jahre später zeigt sich: An der Umsetzung hapert es.
09.10.2018, 05:13
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Nur wenige Bremer Straßen nach Frauen benannt
Von Lisa-Maria Röhling

Insgesamt 5310 Straßen gibt es derzeit in Bremen. Doch während viele Straßenschilder die Namen von Bürgermeistern, umliegenden Gemeinden oder sogar Märchenfiguren tragen, sind die von Frauen rar: Etwas mehr als 80 Straßen sind nach weiblichen Persönlichkeiten benannt. Dabei hat der Bremer Senat bereits vor zehn Jahren eine Empfehlung an die Beiräte herausgegeben, dass künftig mehr Straßen den Namen von Frauen tragen sollen. Allerdings hapert es an der Umsetzung.

Das Vorschlagsrecht für Straßenbenennungen liegt bei den Beiräten, so sieht es das Ortsgesetz vor. Dass diese dabei Frauen verstärkt berücksichtigen sollen, geht auf einen Senatsbeschluss vom September 2008 zurück: Darin werden die Beiräte gebeten, künftig bei Straßenbenennungen „Frauennamen prioritär zu berücksichtigen“. Eine Maßgabe, die auch im aktuellen Kriterienkatalog für Straßenbenennungen, der den Beiräten vorliegt, zu finden ist: „Diese Vorgabe soll so lange gelten, bis in der Straßenbenennung in etwa Parität zwischen Männer- und Frauennamen herrscht“, heißt es dort.

Auch bei jüngsten Straßenbenennungen

Doch die Parität liegt in weiter Ferne: Von insgesamt 195 Straßenbenennungen zwischen 2008 und 2018 sind gerade mal 14 an Frauen angelehnt, 37 tragen Männernamen. Das geht aus einer Auflistung der Bremer Straßennamen des Statistischen Landesamtes hervor. Bei den jüngsten Straßenbenennungen im Herbst dieses Jahres ist das Verhältnis ähnlich: Von zwei Straßen in der Östlichen Vorstadt und vier weiteren in Blumenthal ist nur eine nach einer Frau benannt.

Lediglich der Merwa-El-Sherbini-Platz zwischen Humboldtstraße, Fehrfeld und Römerstraße bekommt mit der offiziellen Einweihung eine Sportlerin und Pharmazeutin als Patin. Sozial- und Frauensenatorin Anja Stahmann (Grüne) hat deswegen Anfang September in einem Schreiben an die Mitglieder der Beiräte, das dem WESER-KURIER vorliegt, noch einmal auf den Senatsbeschluss hingewiesen und darum gebeten, künftig wieder verstärkt Frauen für Straßennamen zu berücksichtigen.

Auf Anfrage des WESER-KURIER erklärte sie: „Wir müssen leider immer wieder erleben, wie Frauen aus dem öffentlichen Leben und aus der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt werden.“ Hin und wieder gebe es Wellen, in der alle Besserung gelobten, das ebbe aber schnell wieder ab. „Deshalb müssen wir Frauen uns hartnäckig in Erinnerung rufen und die Hälfte des Himmels einfordern. Und das fängt an bei den ganz banalen Dingen wie der Benennung von Straßen.“

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Steffen Eilers (Grüne), Beiratssprecher in der Östlichen Vorstadt, sagt, die Suche nach weiblichen Namenspatinnen sei bei jeder Straßenbenennung ein Thema. „Das ist uns wichtig.“ Doch die Personen müssten auch in das Gebiet passen. „Schließlich soll es auch eine Würdigung sein“, betont er. So sei es auch beim Merwa-El-Sherbini-Platz gewesen, da die Namensgeberin, die 2009 bei einem fremdenfeindlichen Anschlag in Dresden starb, in Bremen gewohnt hatte.

Dass in Blumenthal nun vier Straßen nach Männern benannt wurden, ist laut dem stellvertretenden Beiratssprecher Hans-Gerd Thormeier (CDU) eine Frage des Kontextes: Die Leo-Drabent-Weg wurde auf Forderung einer Bürgerinitiative nach dem Blumenthaler NS-Widerstandskämpfer benannt, die Karl-Lüneburg-Straße soll den ehemaligen Ortsamtsleiter würdigen. Trotzdem spreche nichts gegen die Straßenbenennung nach Frauen. Im Gegenteil: Der Jenny-Ries-Platz sei explizit nach einer Frau benannt worden, die am Bahnhof einst ein Kaufhaus betrieb.

Ideensammlung existiert bereits

Allerdings ist ein Verzicht auf eine weibliche Namensgeberin nicht mit der Auswahl eines Mannes gleichzusetzen: So hat sich der Beirat Neustadt zuletzt bei den Straßenbenennungen auf dem Stadtwerder intensiv mit Frauennamen für die Straßen auseinander gesetzt, sagt Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne). Dort habe es die Diskussion gegeben, das Gebiet entweder nach Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder nach Flurnamen auszuweisen.

Der Beirat entschied sich für die zweite Option, weil das besser zum Charakter des Gebietes gepasst habe, erklärt Mose. Da das Bauvorhaben in der Gartenstadt Werdersee voranschreitet, werden dort bald erste Straßennamen nötig sein. Dann, so Mose, werde der Beirat auch das Empfehlungsschreiben der Sozialsenatorin berücksichtigen. „Aber wir werden beide Geschlechter einbeziehen, das wird nicht dogmatisch.“

Eine Ideensammlung für mögliche Namensgeberinnen gibt es schon: Der Verein Bremer Frauenmuseum hat bereits 2016 eine systematische Liste mit Vorschlägen für die einzelnen Stadtteile herausgegeben. Allerdings, so die stellvertretende Vorsitzende Regina Contzen, habe bisher keines der Ortsämter bei Straßenbenennungen mit ihnen Kontakt aufgenommen.

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