Bremer Facebook-Gruppe will Kleidung spenden

Obdachlosenhilfe aus dem Internet

Bremen. Eine Facebook-Gruppe hat sich vorgenommen, Obdachlosen zu helfen. Die Mitglieder wollen selbst anpacken anstatt professionellen Helfern die Arbeit zu überlassen. Allerdings gestaltet sich das Projekt schwieriger als gedacht.
05.12.2012, 10:08
Lesedauer: 2 Min
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Von Paul Hellmich
Obdachlosenhilfe aus dem Internet

200 bis 300 Menschen leben in Bremen auf der Straße.

Koch

Bremen. Eine Bremer Facebook-Gruppe hat sich vorgenommen, Obdachlosen zu helfen. Die Mitglieder von „Bremen schnackt“ wollen selbst anpacken, anstatt professionellen Helfern die Arbeit zu überlassen. Allerdings gestaltet sich das Projekt schwieriger als gedacht.

Die Facebook-Gruppe „Bremen schnackt“ ist ihrer Eigenbeschreibung zufolge eine „Diskussionsplattform für alle Bremer, egal ob in Bremen geboren oder neu dazu gestoßen“. Die gut 1.600 Mitglieder schreiben Posts zu Lieblingsliedern, Internetwitzbildchen und Kneipentipps und diskutieren manchmal auch über Politik. Uwe Koch ist seit gut einem Jahr dabei. Er hat hat die Gruppe genutzt, um Kontakte in der Stadt zu knüpfen, als er nach Bremen zog.

Bis heute ist der 54-Jährige ein aktives Mitglied von "Bremen schnackt". Etwa 30 der Mitglieder kennt er inzwischen persönlich. „Das sind alles normale, lockere Leute, mit denen man auch gut einen Kaffee trinken gehen kann“, erzählt er.

Über die Diskussionen in der Gruppe kamen er und einige andere auf die Idee, Obdachlose in der Stadt zu unterstützen. Nur an eine wohltätige Organisation zu spenden, kam für Koch nicht in Frage. „Es ist so leicht gesagt, dass sich die Vereine um so etwas kümmern sollten. Das verleitet aber dazu, selbst wegzugucken“, sagt er. Es sei wichtig, selbst dabei zu sein. „Ich habe mich im vergangenen Jahr mit vielen Obdachlosen unterhalten – da muss echt etwas passieren“, sagt Katja Maack, Administratorin von „Bremen schnackt“.

Koch, Maack und ihre Facebook-Freunde wollen deshalb warme Kleidung und Schlafsäcke sammeln und verteilen. Für die Organisation haben sie eine neue Facebook-Gruppe unter dem Namen "Geben statt Nehmen" eingerichtet, die mittlerweile über 40 Mitglieder hat – deutlich mehr als die Gründer erwartet hatten. Koch kennt etwa die Hälfte persönlich. Am 7. Januar um 11.30 Uhr, so war es bisher es im Blog der Gruppe angekündigt, wollten sich die Mitglieder mit ihren Spenden an der Liebfrauenkirche in der Innenstadt treffen und sie gesammelt abgeben.

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Dort gibt es seit 2011 die „Winterkirche“, eine Aktion für Bedürftige bei der die Kirche im Januar zu einer Wärmestube und einem Gemeinschaftsraum wird. „Für die Winterkirche als Partner haben wir uns nur entschieden, weil andere Hilfsprojekte schon allein platzmäßig überfordert gewesen wären“, sagt Uwe Koch. Vielleicht bestehe ja auch die Möglichkeit, mit Obdachlosen ins Gespräch zu kommen, sagt Katja Maack.

Bei der Liebfrauenkirche sieht man die Pläne der Facebook-Gruppe jedoch skeptisch. Bedarf für Kleidungsspenden gäbe es bei einigen Gästen der Winterkirche möglicherweise, sagt Pastor Peter Oßenkop. Die Kirche habe aber keinen Raum um Sachen zu lagern. „Es wäre auch nicht gut, wenn die Gruppe mit 40 Personen hier vorbeikommt“, fügt Oßenkop hinzu. „Die Winterkirche ist für die Gäste gedacht.“

In den kommenden Tagen wird sich Uwe Koch mit Zia Gabriele Hüttinger von den Suppenengeln Kontakt aufnehmen. Hüttinger organisiert im Winter alle drei Wochen eine Kleiderkammer für Bedürftige. Auch mit Pastor Oßenkop will sich Koch noch einmal treffen. „In welcher Form die Aktion stattfinden wird wissen wir noch nicht“, sagt der Initiator der Aktion. „Klar ist nur, dass wir am 7. Januar etwas machen werden."

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