Großbrand bei "Harms am Wall"

Öffentliche Fahndung mit Video

Die Polizei hat mittlerweile das Videomaterial ausgewertet, das der Geschäftsführer aus den Flammen des Traditionskaufhauses "Harms am Wall" gerettet hat. Darauf ist ein Mann mit auffälligem Gang zu sehen.
18.05.2015, 11:32
Lesedauer: 3 Min
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Öffentliche Fahndung mit Video
Von Frauke Fischer
Öffentliche Fahndung mit Video
Polizei Bremen

Sollte das Feuer einen vorangegangenen Raubüberfall vertuschen? War die Brandstiftung im Modehaus Harms Am Wall am 6. Mai also ein Mordversuch? Und: Wer war der Täter? Wer die richtigen Antworten geben kann, könnte damit zu Geld kommen. Insgesamt 15.000 Euro Belohnung haben Staatsanwaltschaft und Versicherer jetzt ausgelobt. Mit einer Öffentlichkeitsfahndung wendet sich die Polizei an Bremerinnen und Bremer, um des Rätsels Lösung näher zu kommen.

Das Filmmaterial aus der Videoüberwachung des abgebrannten Geschäftshauses soll helfen. Eine Sequenz zeigt einen Flur im Verwaltungstrakt des Modehauses. Durch eine zersplitterte Glastür im Hintergrund tritt eine offenbar männliche Gestalt in gebückter Haltung mit einem Zimmermannshammer in der rechten Hand. Der Kopf ist durch eine schwarze Maske verdeckt. Der Mann trägt eine dicke blaue Steppjacke mit schwarzen Applikationen an Schultern und Ärmeln. Auffällig, darauf weist eine Polizeisprecherin hin, ist der Gang des Tatverdächtigen. Mit nach außen gestellten Füßen geht er zügig durch den Flur, als ducke er sich vor der Kamera weg. Den Hammer in der behandschuhten Hand hält er seitlich ein wenig weggestreckt. Ist er auf dem Weg in die oberen Etagen, wo er den Eigentümer des Modeunternehmens, Hans Eulenbruch, überfallen wird?

>> Sehen Sie hier ein Video auf dem der mutmaßliche Täter zu sehen ist

Dieser hatte bekanntlich angegeben, in den Stunden vor dem Brand im Gebäude von zwei maskierten Tätern überfallen und eingesperrt worden zu sein. Er habe sich befreien und das Videomaterial sichern können, bevor er aus dem bereits brennenden Geschäftshaus flüchtete. Das Handy, so Eulenbruch, habe man ihm mit dem Portemonnaie zusammen abgenommen, er habe es aber nach dem Ausbruch gefunden.

Eine von 60 Spuren

Aufräumarbeiten bei "Harms am Wall".

Aufräumarbeiten bei "Harms am Wall".

Foto: Christina Kuhaupt

Eulenbruch übergab der Polizei die Videoaufzeichnungen, die nun den Grundstock für die öffentliche Fahndung bilden. „Wir brauchen jetzt die Bevölkerung“, betont Franka Haedke, Sprecherin der Polizei Bremen. So möchten die Ermittler wissen, ob jemand den Tatverdächtigen – noch ohne Maske und Handschuhe – zwischen 19 und 20 Uhr gesehen hat. Vielleicht nahe Harms, in der Bischofsnadel, am Herdentorsteinweg oder hinter Harms in der Ostertorswallstraße. Der Täter, so schätzt die Polizei, sei zwischen 1,70 und 1,85 Meter groß.

Die Suche nach ihm, so Haedke, sei indes nur eine von rund 60 Spuren, denen die 15 Ermittler der Mordkommission derzeit nachgehen. Abgesehen von der Videoaufzeichnung gebe es kein weiteres Bildmaterial. Hinweise auf einen zweiten oder gar mehrere Täter geben die Videoaufzeichnungen nicht her, so die Polizeisprecherin.

5000 Euro Belohnung hat die Staatsanwaltschaft für Hinweise ausgelobt, die zur Aufklärung der Tat und zur Ergreifung der Täter führen. Außerdem gibt es 10.000 Euro Belohnung von den beteiligten Versicherern. Informationen erbittet die Polizei an den Kriminaldauerdienst unter 362-3888 oder an jede Polizeidienststelle.

Der Eigentümer des Gebäudes, Marco Bremermann, sei weiterhin auf einer lange geplanten Reise in Afrika und schwer erreichbar, heißt es. Nächste Woche stünde er für Auskünfte zur Verfügung. Der bevollmächtigte Anwalt hat in Bremermanns Namen inzwischen Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Das teilt die Kanzlei mit.

„Der Hauseigentümer wird sicher als Zeuge vernommen werden“, sagt Silke Noltensmeier von der Staatsanwaltschaft. Nach den vorläufigen Erkenntnissen geht letztere bekanntlich von „gezielter Brandlegung“ aus. Nach Darstellung des Harms-Geschäftsführers hat es eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Hauseigentümer gegeben, die am Tag des Brandes zu einem für Eulenbruch günstigen Urteil geführt habe. Es ging demnach um die Frage, wer die Kosten für eine Sanierung tragen müsse. Bremermanns Anwalt wies indes auf etliche ungeklärte Fragen auch hinsichtlich des Mietverhältnisses hin. Es habe lediglich einen Hinweisbeschluss von Seiten des Gerichts gegeben.

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Ob wenigstens die schöne Fassade des über 100 Jahre alten Geschäftshauses gerettet werden kann, beschäftigt derzeit Denkmalpfleger, Baubehörde sowie Leserinnen und Leser unserer Zeitung. Das Gebäude der Architekten Richard Janssen und Viktor Meeussen steht nicht unter Denkmalschutz. Doch die seltenen Schmuckformen und die Fenstergliederung seien erhaltenswert, heißt es von der Baubehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege. Ob und wie man die Fassade erhalten könne, sei letztlich „eine Frage der wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen“, so Reinhard Viering von der Baubehörde. Dies solle im Gespräch mit dem Eigentümer geklärt werden. Wichtig sei die weitere Gebäudesicherung, die es erlaube, die Straßensperrung aufzuheben. Die Gehwege bis zum zerstörten Gebäude sind frei, die meisten Geschäfte entlang des Walls geöffnet, doch viele potenzielle Kunden hält offenbar die Straßensperrung vom Wall-Bummel ab. Die rußgeschwärzte Fassade und der Brandgeruch ziehen unterdessen immer noch Schaulustige an. Im Bereich des gesperrten Straßenabschnitts sind weiterhin Mitarbeiter von Bau- und Brandsicherungsfirmen aktiv.

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