Fast 44.000 Euro

Öffentliche Schulden in Bremen pro Kopf am höchsten

Das Risiko, in die Armut abzurutschen, ist in Bremen im vergangenen Jahr schon wieder gestiegen. Experten glauben: Es wird noch schlimmer.
13.08.2020, 12:41
Lesedauer: 3 Min
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Öffentliche Schulden in Bremen pro Kopf am höchsten
Von Maurice Arndt
Öffentliche Schulden in Bremen pro Kopf am höchsten

Die öffentliche Verschuldung hat in Bremen 2019 stark zugenommen und der Stadtstaat verzeichnet die höchste je Einwohner unter allen Bundesländern.

picture alliance/Carmen Jaspersen/dpa

Die öffentliche Verschuldung hat in Bremen 2019 stark zugenommen und der Stadtstaat verzeichnet die höchste je Einwohner unter allen Bundesländern. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag Ende des Jahres bei 43.921 Euro - in Niedersachsen waren es 7279 Euro, auf ganz Deutschland gerechnet 22.857 Euro. In den vergangenen zehn Jahren ist die Armutsgefahr in allen westlichen Bundesländern gestiegen. Am stärksten betroffen: Bremen. Das geht aus neuen Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor. Im abgelaufenen Jahr 2019 lag der Anteil der von Armut bedrohten Menschen bei 24,9 Prozent – fast einem Viertel der Bevölkerung. 2009 lag die sogenannte Armutsgefährdungsquote in der Hansestadt bei 20,1 Prozent. Die Schuldensumme bei Banken oder Privatunternehmen war in Bremen innerhalb eines Jahres um 38,1 Prozent gewachsen: Von 21,7 Milliarden auf 30 Milliarden. In Niedersachsen war sie hingegen leicht rückläufig und sank von 58,7 Milliarden auf 58,2 Milliarden Euro.

In Bremen ist der Anteil der von Armut Gefährdeten demnach nicht nur am stärksten gestiegen. Die Quote ist im Bundesvergleich hier auch am höchsten. Sachsen-Anhalt (19,5 %) und Mecklenburg-Vorpommern (19,4 %) folgen bereits mit Abstand. Zudem sinkt die Quote in beiden Bundesländern seit 2009, wie auch in den weiteren neuen Bundesländern. Eine ähnlich starke Zunahme der Armutsgefahr wie in Bremen verzeichnete das Statistische Bundesamt in Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Dort stieg der Anteil um rund vier beziehungsweise drei Prozentpunkte. In Niedersachsen lag die Armutsgefährdungsquote 2019 bei 16 Prozent – und damit um einen Prozentpunkt über dem Vorjahres-Niveau. Die Zahlen gehen laut dem Bundesamt aus dem Mikrozensus hervor, also der jährlich durchgeführten Befragung von einem Prozent aller Haushalte in Deutschland.

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Quote unterliegt Schwankungen

Relativiert werden die Zahlen beim Blick auf die Werte der vergangenen zehn Jahre. Die Armutsgefährdung entwickele sich meist nicht kontinuierlich, heißt es dazu in der Mitteilung von Destatis. In Bremen etwa lag die Armutsgefährdungsquote bereits 2015 bei 24,8 Prozent – quasi identisch zum heutigen Wert. Zudem fiel die Quote in der Zwischenzeit unter anderem auf 22,6 Prozent im Jahr 2016. Vergleichbare Schwankungen seien bei anderen Bundesländern festzustellen, heißt es von der Statistikbehörde.

Die Schwelle, ab der man als armutsgefährdet gilt, ist nicht in jedem Bundesland gleich. Generell gelten Menschen als von Armut bedroht, wenn sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Bundesweit gilt man deshalb als arm, wenn man mit weniger als 1074 Euro auskommen muss. Anhand dieser Zahl wurden die Quoten für die einzelnen Bundesländer berechnet.

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Armutsschwelle bei 975 Euro

In Bremen liegt diese Schwelle für einen Einpersonenhaushalt bei 975 Euro, mit einem weiteren Kind unter 14 Jahren bei 1268 Euro. Zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren gelten als armutsgefährdet, wenn sie maximal 2048 Euro zur Verfügung haben. Das mittlere Einkommen in Bremen beträgt demnach 1626 Euro. Schaut man nur auf Bremen, liegt der Anteil der von Armut gefährdeten Personen deshalb bei 18,5 Prozent.

Besonders von Armut gefährdet sind in der Hansestadt Menschen unter 18 Jahren. Die Quote ist mit 31,5 Prozent die höchste aller Altersklassen und zudem so hoch wie noch nie seit 2005. Mit 10,6 Prozent liegt der Anteil von Armut gefährdeter Personen bei den über 65-Jährigen am niedrigsten. Mit 43,2 und 44,5 Prozent haben Alleinerziehende mit einem Kind und Familien mit drei Kindern ein größeres Armutsrisiko als alle anderen Familienmodelle.

Darüber hinaus sind Männer etwas stärker gefährdet als Frauen, Erwerbslose deutlich stärker als Erwerbstätige und Menschen ohne deutschen Pass stärker als jene mit deutschem Pass. Ob alle Haushalte, die unter die Einkommensarmutsgrenze fallen, tatsächlich arm sind, ist umstritten. So fällt darunter ein Großteil der Studenten. Auch führt die Berechnungsmethode dazu, dass die Zahl der „statistisch Armen“ wächst, wenn der Wohlstand einer Gesellschaft steigt.

Nach Bremen waren die Schulden je Einwohnerin und Einwohner in den anderen Stadtstaaten am höchsten: Hamburg hatte eine Pro-Kopf-Verschuldung von 18.279 Euro (2018: 18.734 Euro) und Berlin von 14.773 Euro (2018: 15.008 Euro). Unter den Flächenländern verzeichnete das Saarland mit 13.989 Euro (2018: 13.920 Euro) die höchste. Am niedrigsten war die Verschuldung pro Kopf in Sachsen mit mit 279 Euro (2018: 346 Euro). (mit dpa)

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