Bio-Brotbox für Lüssumer Schüler Ökologisch - und lecker

"Bäh, Gemüse.“ Ali scheint der Inhalt seiner Bio-Brotbox nicht zu gefallen. Der Sechsjährige ist einer von 4000 Erstklässlern in Bremen, die an diesem Tag in den Genuss eines kostenlosen Bio-Frühstücks kommen.
22.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Doris Friedrichs

"Bäh, Gemüse.“ Ali scheint der Inhalt seiner Bio-Brotbox nicht zu gefallen. Der Sechsjährige ist einer von 4000 Erstklässlern in Bremen, die an diesem Tag in den Genuss eines kostenlosen Bio-Frühstücks kommen.

Obst und Gemüse, vegane Brotaufstriche, Bio-Brot, Früchtetee, Müsli und Milch, allesamt Lebensmittel aus ökologischem Landbau, bot sich den Abc-Schützen der Lüssumer Schule an diesem Morgen. Ihre gelben Bio-Brotboxen konnten sie selber an einem Frühstücksbüfett in ihren Klassen befüllen. Anschließend wurde gemeinschaftlich gefrühstückt. Der sechsjährige Azad schmierte sich sein Frühstücksbrot direkt am Büfett mit Erdbeermarmelade. Ein leckeres Brot, wie er befand.

Aufgrund der Kinderarmut kämen viele Schüler ohne oder nur mit unzureichendem Frühstück in die Schule, skizzierte Michael Thun, Leiter der Vernetzungsstelle für Schulverpflegung im Land Bremen, einen der Gründe für die Aktion. „Das wirkt sich auch auf die Konzentrationsfähigkeit der Kinder aus. Gute Ernährung und Lernfähigkeit stehen in einem wichtigen Zusammenhang.“ Bio-Landwirtschaft fördere zudem die Artenvielfalt und wirke dem Artensterben entgegen. Die gespendeten Produkte, so Thun, würden ausschließlich regional erzeugt.

Finanziert werde die gesamte Aktion ausschließlich aus Spendengeldern. „Alles passiert ehrenamtlich.“ 25 000 Euro, je zur Hälfte an Geld- und Sachspenden, sind in diesem Jahr für die Aktion zusammengekommen. 30 Sponsoren haben das Projekt „Biostadt Bremen“ unterstützt. Die Kinder sollten auch lernen, dass Fertiggerichte oftmals viel teurer seien, als selbst zu kochen. „Wenn man das zu Hause nicht lernt, dann müssen die Lehrer das in der Schule vermitteln“, erklärte Thun. In Bremen werden nach seinen Worten täglich 15 000 Essen ausgegeben. Hochgerechnet auf 200 Schultage im Jahr kämen da zehn Millionen Euro zusammen.

An Erstklässler verteilt werden die gelben Bio-Brotboxen in Bremen seit 2011. Bisher wurden die Boxen einen Tag vor Auslieferung von ehrenamtlichen Helfern mit den Lebensmitteln bestückt, an die Schulen weitergegeben und dort in den Klassen verteilt. Das bedeutete für die Sponsoren der ökologischen Lebensmittel, dass Aufstriche, Brot und weiteres portionsweise verpackt werden musste, was verhältnismäßig viel Verpackungsmüll verursachte. So wurde die Idee der Aktion dahingehend weiterentwickelt, dass die Erstklässler mit den Lehrerinnen und Lehrern ein Büfett mit den angelieferten Lebensmitteln in den Klassen aufbauen.

Die Reste des Büfetts konnten die Kinder in ihrer Box mit nach Hause nehmen. Die Box selbst wurde übrigens von Öko-Text mit „sehr gut“ bewertet. Ihr liegt eine Broschüre mit Hintergrundinformationen über ökologisch erzeugte Lebensmittel und Mitmachspiele für Grundschüler bei. Deutschlandweit erreichte das Bio-Brotbox-Netzwerk im vergangenen Jahr mit 190 000 Boxen etwa 27 Prozent der Erstklässler in Deutschland – und das ganz ohne Steuergelder.

In der Tami-Oelfken-Schule in Lüssum kamen 62 Kinder aus den dortigen drei Klassen – einer Regel- und zwei Inklusionsklassen – in den Genuss des leckeren Frühstücks. Leider kämen viele Kinder ohne Frühstück in den Unterricht, berichtete Heike Winkler, kommissarische Leiterin der Schule. Manche brächten auch merkwürdige Zusammenstellungen mit, beispielsweise Waffeln mit Fischstäbchen oder Bratwürste, die noch nicht gebraten seien. „Da kann man durchaus davon ausgehen, dass die Kinder sich das Frühstück selbst zusammengestellt haben.“

Zusammen gefrühstückt wird bereits um 9.15 Uhr an der Tami-Oelfken-Schule. Mittagessen gibt es für die Erst- und Zweitklässler um 12 Uhr, für die Dritt- und Viertklässler um 12.45 Uhr. „Viele Kinder lernen erst hier, wie mit Messer und Gabel gegessen wird“, erzählt Heike Winkler. „Die zunehmende Problematik ist, dass viele Eltern die Erziehung ihrer Kinder immer mehr der Gesellschaft überlassen.“

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