Befürworter des Bewohnerparkens Für viele ein Gewinn an Lebensqualität

Es gibt sie und sie sind durchaus zahlreich: Die Anhänger des Bewohnerparkens in der Östlichen Vorstadt. Sie nehmen die neue Situation als Bereicherung ihrer Lebensqualität wahr. Ein Stimmungsbild.
04.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Für viele ein Gewinn an Lebensqualität
Von Sigrid Schuer

Seit Einführung des Bewohnerparkens in der Östlichen Vorstadt wird um jeden Parkplatz gerungen. Ob in Leserbriefen oder von den Usern im Netz, häufig wird eine drastische Verschlechterung der Lage beklagt. Nun ist für Dienstag, 9. Februar, um 19 Uhr, eine virtuelle, groß angelegte Sitzung des Beirates Östliche Vorstadt anberaumt worden, in die sich alle Interessierten einloggen können. Der Link wird rechtzeitig auf der Homepage des Ortsamtes unter www.ortsamtmitte.bremen.de veröffentlicht.

In der Beiratssitzung soll das kontrovers diskutierte Thema auch mit Behördenvertretern debattiert werden. Denn in der Östlichen Vorstadt gibt es auch eine zweite Fraktion, die dem Bewohnerparken durchaus viel abgewinnen kann. Ein Stimmungsbild:

Bernd Klingbeil-Jahr, leitender Pastor der Friedensgemeinde in der Humboldtstraße, kommt viel in seinem Viertel, der Östlichen Vorstadt, herum und natürlich auch mit vielen Menschen ins Gespräch. Sein Eindruck: „Ich kenne Hunderte, die erleichtert sind und die Situation als deutlich entspannt empfinden“, erzählt der Pastor.

Sunrise-Gebiet hat Befürworter

In den Jahren vor Umsetzung des Sunrise-Projektes habe er von vielen Menschen gehört, dass sie schlicht ihre Pläne aufgeben und wieder unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren mussten. „Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren etwa, die keine Chance hatten, auf den zugeparkten Gehwegen durchzukommen und denen es zu gefährlich war, auf die mit Kopfstein gepflasterte Fahrbahn auszuweichen“, berichtet er. Ähnlich sehe es bei Familien aus, die mit dem Kinderwagen den Fußweg passieren wollten.

Es müsse darum gehen, für alle Gruppen, die am Verkehr teilnehmen, mehr Gerechtigkeit herzustellen, sagt er. Straßen seien aber Teil des öffentlichen Raumes, in denen nicht das Recht des Stärkeren regieren könne. Es könne nicht angehen, dass die Schwächeren einfach an den Rand gedrängt werden würden. Und in diesem öffentlichen Straßenraum sei eine massive Entspannung und damit ein großer Gewinn an Lebensqualität zu spüren, das höre er auch von Menschen, die dort seit Jahrzehnten lebten.

Zudem sei das Fesenfeld mit seiner extrem engen Bebauung nicht gemacht für Kraftfahrzeuge, die zunehmend länger und breiter werden würden. Was er selbst wie auch seine Gemeindemitglieder wahrgenommen haben: Der Parksuchverkehr habe entscheidend abgenommen. Da wirke sich der neue, große Parkplatz mit rund 180 zusätzlichen Stellplätzen auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte positiv aus. Das wird allerdings von anderen Anwohnern wiederum bestritten.

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So moniert Astrid Hager-Guthrie, die zu Beginn des Jahres eine private Umfrage zum Thema Bewohnerparken gestartet hatte, dass der Parkplatz auf dem Gelände des Klinikums im Vergleich etwa zu den von der Brepark angebotenen Parkplätzen sehr teuer sei. Die monatliche Parkgebühr beträgt 75 Euro. „Die jährliche Parkgebühr ist für viele ein halbes Monatsgehalt“, betont sie. Astrid Hager-Guthrie moniert zudem, dass offenbar kein Anwohnertarif ausgehandelt worden sei. Zudem kritisiert sie, dass der Parkplatz zwar ausgeleuchtet, es allerdings rund um das Areal stockdunkel sei. So entstehe ein Angstraum für Frauen.

Innenressort: Illegales aufgesetztes Parken konnte unterbunden werden

Daniel de Olano wohnt in der Tresckowstraße und nimmt seine Nachbarn als äußerst entspannt wahr, wenn es um das Thema Bewohnerparken geht. „Unsere Straße ist durch den Parksuchverkehr hochbelastet gewesen. Seit Einführung des Bewohnerparkens sind 45 bis 50 Prozent aller Stellplätze weggefallen“, schildert er. Stress gebe es trotzdem nicht, auch nicht bei den Nachbarn, die ihr Auto vor der Tür geparkt hätten. „Es gibt keine mir bekannten Konflikte“, betont de Olano. Auch morgens um 11 Uhr sei die halbe Straße leer und es gebe auch noch freie Parkplätze. Zu Beginn der Phase des Bewohnerparkens habe es sogar noch zehn freie Garagenplätze gegeben. In das Haus, in dem er wohnt, seien jüngst neue Mieter eingezogen. Das sei alles problemlos gelaufen, ohne den sonst damit verbundenen Stressfaktor, wenn der Umzugswagen vor der Haustür halten wollte. Sein Fazit: Ein deutlicher Zuwachs an Lebensqualität. Denn die Postboten kämen mit ihren Wagen gut voran, genauso wie der Nachbar, der am Rollator ginge und sich freue, dass er nun an der Seite seiner Frau auf dem Bürgersteig gehen könne.

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Rose Gerdts-Schiffler stellt als Sprecherin des Innenressorts noch einmal folgenden Sachverhalt klar: „Mit der Einführung des Bewohnerparkens wurde durch das Umwelt- und Mobilitätsressort und das Amt für Straßen und Verkehr eindeutig für alle erkennbar markiert oder beschildert, wo geparkt werden darf und wo nicht. Das in einigen Straßen bislang vielfach übliche, aber trotzdem illegale Abstellen von Autos auf Gehwegen, das sogenannte aufgesetzte Parken, und in Kreuzungsbereichen konnte damit eindeutig unterbunden werden“. Gehwege würden freigehalten und für Menschen mit Beeinträchtigungen oder auch mit Kinderwagen wieder nutzbar. Gleichzeitig wäre so auch die Befahrbarkeit der Straßen unter anderem für die Müllabfuhr wieder sichergestellt worden. Dieses sei auch von Mitarbeitern der Müllabfuhr bestätigt worden. „Dasselbe gilt für Rettungsfahrzeuge. Die Neuordnung des Parkens hat zu einer wesentlichen Verbesserung hinsichtlich der Rettungswege beigetragen“, so das Fazit der Sprecherin. Nach den anfänglichen 14 Tagen der Eingewöhnung, in der die Verkehrsüberwacher des Ordnungsamtes 1648 Hinweiszettel verteilt hätten, seien anschließend regelmäßig Kontrollen durchgeführt worden. Seit Beginn des Projektes wurden 1979 gebührenpflichtige Verwarnungen erteilt und 74 Fahrzeuge abgeschleppt. Nunmehr sei das Gebiet in die Alltagsorganisation eingeflossen und werde, wie alle anderen Überwachungsbereiche auch, in regelmäßigen Abständen, aktuell noch täglich, überwacht.

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