Vereine und Uni verhandeln zwei Monate später über Flächen / Amt soll ein Alternativgelände im Fokus haben Oeversberg-Gipfel ist vertagt

Vegesack. Eigentlich sollten in diesem Monat alle an einem Tisch zusammenkommen. Doch das Treffen zwischen der Jacobs University, die auf den Oeversberg in Grohn will, und den Vereinen, die ihn noch nutzen, ist verschoben worden.
10.08.2016, 00:00
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Oeversberg-Gipfel ist vertagt
Von Christian Weth

Vegesack. Eigentlich sollten in diesem Monat alle an einem Tisch zusammenkommen. Doch das Treffen zwischen der Jacobs University, die auf den Oeversberg in Grohn will, und den Vereinen, die ihn noch nutzen, ist verschoben worden. Aus August wird jetzt Oktober. Die Behörden stört der spätere Termin nicht. Sie argumentieren, dass nun alle Entscheider beim Gespräch dabei sein können und Zeit genug für eine Lösung ist. Jens Mühlner sieht das anders. Der Sportfunktionär und Initiator einer Protestpetition beklagt, dass weitere Monate ohne Ergebnis verstreichen und der Druck auf die ­Vereine wächst.

Dass der Termin verlegt wurde, hat Mühlner kürzlich per Post erfahren. Den Grund, sagt er, musste er beim Sportamt, das das Treffen zwischen Uni und Vereinen organisiert, allerdings erst erfragen: Der geschäftsführende Direktor der Jacobs University sowie der Staatsrat der Sportbehörde sollen mitreden, wenn es um die Zukunft des ­Oeversbergs und der Vereine geht. Nur hat Uni-Mann Michael Hülsmann nicht immer dann Zeit, wenn Ressort-Vertreter Jan Fries gerade kann.

Einerseits findet Mühlner es gut, dass wichtige Leute dabei sind, damit am Runden Tisch tatsächlich Entscheidungen getroffen werden können. Andererseits hält der BMX-Fachwart des Bremer Radsportverbands es aber für schlecht, dass noch einmal mehr als zwei Monate vergehen, ehe die Vereine erfahren, was aus ihnen wird, wenn sie weichen müssen. Beziehungsweise wohin. Die Jacobs University hat angekündigt, ab 2019 erst den östlichen, ab 2025 dann den westlichen Teil des Oeversbergs nutzen zu wollen.

Das Gelände an der Friedrich-Humbert-Straße gehört ihr. Es ist der Privatuni von der Wirtschaftsbehörde als Tauschfläche für ein Grundstück nördlich vom Campus angeboten worden, auf dem der Science Park entstehen sollte. Auch das Wirtschaftsressort wird deshalb bei dem Treffen dabei sein. Das kündigt jedenfalls Holger Bruns an, Sprecher von Senator Martin Günthner (SPD). Genauso wie Hilfe für die fünf Vereine – „wenn denn Hilfe überhaupt notwendig ist“. Der Oeversberg wird von rund 500 Tennis- und Fußballspielern sowie BMX-Fahrern genutzt.

Was die Uni, die sich bisher bedeckt gehalten hat, auf dem mehrere Hektar großen Gelände plant, weiß auch Bruns nach eigenem Bekunden nicht. Er geht aber davon aus, dass sie während der Gespräche im Oktober ihr Projekt im Detail vorstellen wird. Das kann Kristina Logemann von der Jacobs University jedoch nicht versprechen. Sie sagt, dass sich die Uni bis zum Treffen über ihr Vorhaben nicht äußern wird. Und beim Runden Tisch nur dann, wenn es sich ergeben sollte. Die Vereine bei der Suche nach einer Ersatzfläche unterstützen will auch sie.

Dabei ist das nicht ihre Sache, sondern die der Stadt, in diesem Fall der Sportbehörde. Die soll mittlerweile einen Schritt weiter sein als vor Wochen und ein Alternativgelände zumindest ausgeguckt haben. Bernd Schneider, Sprecher von Sportsenatorin Anja ­Stahmann (Grüne), will das nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Er sagt, dass die Situation für die Vereine diesmal nicht so hoffnungslos ist wie vor Jahren, als der ­Oeversberg schon einmal bebaut werden sollte und es kein Ersatzgrundstück für sie gab.

Jürgen Linke, Chef des Nordbremer Landessportbundes, hat eine Ahnung, um welches Grundstück es gehen könnte: um einen Teil des nahe gelegenen Areals der Norddeutschen Steingut AG. Ein anderes Gelände, meint er, fällt ihm als Alternative zum Oeversberg nicht ein. Linke hat bei den ersten Plänen für eine Bebauung der Sportanlage mit Politikern nach Ersatzflächen gesucht – und keine gefunden. Der Vorstand des Keramik- und Fliesenunternehmens weiß hingegen von keinem Vorstoß der Sportbehörde. Gespräche übers Grundstück gab es ihm zufolge bisher jedenfalls nicht.

Dass eine Lösung für die Uni und die Vereine gefunden wird, davon ist Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt fest überzeugt. Seinen Optimismus begründet er damit, dass die Jacobs University ihm „glaubhaft versichert“ hat, an einer einvernehmlichen Entscheidung interessiert zu sein. Dornstedt soll den Runden Tisch moderieren.

Die Vertreter der Vereine, Behörden und Uni treffen sich bei ihm im Ortsamt. Dass der Termin für den 22. August abgesagt wurde und stattdessen jetzt am 26. Oktober diskutiert werden soll, findet er nicht schlimm. Im Gegenteil: „Es ist doch ein entscheidender Vorteil, wenn jetzt alle zusammenkommen, die etwas zu sagen haben.“

So viel Euphorie wie Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt kann Radsportfunktionär Jens Mühlner nicht aufbringen. Er ist skeptisch, ob es beim Treffen wirklich eine Lösung geben kann, die für alle gleichermaßen gut ist. An eine gemeinsame Nutzung des Oeversbergs, wie sie manchen Politikern vorschwebt, mag Mühlner schon gar nicht glauben: „Wie soll das gehen, wenn die Interessen der Uni und der Vereine grundverschieden sind, wenn der eine Platz braucht und der andere im Weg ist?“

Die Zeit bis zum Runden Tisch will der BMX-Fachwart nutzen, um mehr Menschen auf die Situation der Sportler und Vereine vom Oeversberg hinzuweisen. Vor allem mehr Politiker. Mühlner meint, dass sich die Parteien in dieser Angelegenheit unterm Strich eher zurückgehalten als klar Position bezogen haben: „Der Vegesacker Beirat hat sich bislang geäußert und der Schönebecker SPD-Ortsverein – das war‘s im Grunde auch schon.“

Mit seiner Forderung, das Gelände in Grohn für den Sport zu erhalten, steht er nicht allein. Mühlners Internetpetition ist mittlerweile von 1135 Mitstreitern unterzeichnet worden. Hinzu kommen nach seiner Rechnung noch mal 300 Unterschriften, die er auf Papier gesammelt hat. Mühlner geht davon aus, dass die Zahl der Protestler nach den Sommerferien deutlich zulegen wird.

„Wie soll das gehen, wenn die Interessen grundverschieden sind?“ Jens Mühlner, Sportfunktionär
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