Polizei legt Lagebericht Sielwall vor Offener Drogenhandel geht zurück

Steintor·Ostertor. Im Kampf gegen den Drogenhandel im Viertel vermeldet die Polizei Erfolge: Der Heroinhandel sei in den vergangenen zwei Jahren "fast vollkommen" aus dem Bereich Sielwalleck verdrängt worden, heißt es in einem Lagebericht.
07.03.2010, 15:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Niels Kanning

Steintor·Ostertor. Den Kampf gegen den Drogenhandel im Viertel kann die Polizei zwar nicht gewinnen, sie meldet aber Erfolge: Der Heroinhandel sei in den vergangenen zwei Jahren 'fast vollkommen' aus dem Bereich Sielwalleck verdrängt worden, heißt es in einem Lagebericht, der jetzt der Deputation für Inneres vorliegt.

Laut Polizeibericht wird im Viertel jetzt vornehmlich mit Kokain und Cannabis gedealt, hauptsächlich im Bereich Fehrfeld. 5766 Personenkontrollen gab es 2009 in Zusammenhang mit dem Drogenhandel.

Kampf gegen offenen Drogenhandel verstärkt

Seit Mitte 2008 hat die Polizei den Kampf gegen den offenen Drogenhandel im Steintor- und Ostertorviertel intensiviert. Der Straßenhandel hatte bis zu diesem Zeitpunkt zwischen Ziegenmarkt und Weberstraße kontinuierlich zugenommen. Bis zu 30 schwarzafrikanische Dealer wurden beobachtet, die vor allem abends und nachts unterwegs waren.

Die Dealer transportierten Drogen in geringen Mengen im Mund. Sie nutzten die Nebenstraßen zwischen St.-Jürgen-Straße und Goetheplatz für die Übergaben und legten Drogenbunker in Vorgärten an.

'Das Verhalten der Dealer mit Androhung von Gewalt, Lärmbelästigungen zur Nachtzeit und auch die Randerscheinungen des unmittelbaren Drogenkonsums in den Nebenstraßen beeinträchtigten das Sicherheitsgefühl der Anwohner erheblich', heißt es im Lagebericht.

94 Festnahmen

Zur Bekämpfung des Straßendeals richtete die Polizei Bremen dann im Jahr 2008 eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) ein. Laut BAO-Bilanz gab es 2009 genau 1112 polizeiliche Maßnahmen (2008: 580, 2007: 102) gegen den Drogenhandel im Viertel. 94 Personen (2008: 126, 2007: 52) sind festgenommen worden, es gab 607 Strafanzeigen (2008: 817, 2007: 304) und 498 Ordnungswidrigkeitsanzeigen (2008: 557, 2007: 21). 28 Platzverweise (2008: 31, 2007: 37) sprachen die Beamten aus.

Den Zeitaufwand für die Bekämpfung des Drogenhandels gibt die BAO mit 12400 Stunden an, das sind 1815 Stunden mehr als in 2008 und über 10000 Stunden mehr als 2007.

In der Jahresbilanz steht außerdem, dass in 39 Fällen Dealer mit Cannabis erwischt wurden, 52 Mal stellten die Beamten Kokain sicher und einmal Heroin.

Fehrfeld nun "Handelszone"

Gehandelt wird schwerpunktmäßig im Fehrfeld. 'Ostertorsteinweg, Bauernstraße, Blumenstraße und Weberstraße werden nur noch vereinzelt zur Kontaktaufnahme und zum Handel aufgesucht', stellt die BAO fest.

Die Dealer nutzten Callshops, Wettbüros, Kioske und Imbisse im Bereich Vor dem Steintor als Rückzugsgebiet. Eine Auswertung des Lagebildes 'Straßendeal' weist für 2009 aus, dass die ausschließlich den Straßenhandel betreffenden Fallzahlen gegenüber dem Vorjahr gesunken sind.

Piepe neuer Brennpunkt

Der Heroinhandel sei zwar vom Sielwall verdrängt worden. In der Folge habe sich aber an der sogenannten Piepe in der Neustadt ein Brennpunkt entwickelt.

Der Kokainhandel werde von Schwarzafrikanern dominiert, die meist als Asylbewerber nach Bremen kämen und von denen viele unter 21 Jahre alt seien. Viele von ihnen seien in der Asylbewerberunterkunft Peenemünder Straße in Lesum untergebracht.

Wie die Polizei feststellt, hängt der Rückgang der Fallzahlen im Viertel insbesondere mit dem Anstieg 'konspirativer Verhaltensweisen der Täter' zusammen. Dadurch werde die Verfolgung der Drogenhändler zunehmend aufwendiger. Ein Zugriff sei oft nur nach langwierigen, personalintensiven Ermittlungen möglich sei.

Der Zivile Einsatzdienst der Polizei (ZED Mitte/West) erfasst seit Juni 2008 Informationen für langfristige Platzverweise gegen Drogenhändler. Voraussetzung dafür sei, dass die Tatverdächtigen in der Bahnhofsvorstadt oder im Viertel gedealt haben.

Relevant seien Strafanzeigen, dokumentierte Platzverweise und Aufenthaltsmeldungen. 96 Personen sind dort registriert.

Positive Resonanz der Bevölkerung

Nach Auskunft der Polizei stellen die im Viertel eingesetzten Polizeibeamten fest, dass die Bevölkerung die 'polizeilichen Maßnahmen wahrnimmt und überwiegend positiv bewertet'. Die Polizei will weiterhin verstärkt gegen den Drogenhandel vorgehen.

Vor dem Hintergrund, dass immer wieder minderjährige Schwarzafrikaner als Tatverdächtige beim Drogenhandel aufgefallen seien, ist eine behördenübergreifende Arbeitsgruppe unter der Federführung des Amtes für Soziale Dienste eingesetzt worden.

Das Ausländeramt erhalte bei Abgabe des Vorgangs an die Staatsanwaltschaft schriftlich Kenntnis, ebenso das Amt für Soziale Dienste (Abteilung Amtsvormundschaft).

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