WaBeQ bietet kostenlose Sozialberatung an Offenes Ohr für die Nöte kleiner Leute

Sebaldsbrück. Unverständliche Briefe von der Behörde, Ärger mit Arbeitgebern und Schulden, die nicht zurückbezahlt werden können - es gibt viele Gründe, warum die Menschen zu Jürgen Wrona kommen. Seit über einem Jahr bietet er allen Hemelingern im Büro der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WaBeQ) Am Sacksdamm 35/37 kostenlos Hilfe bei (finanziellen) Problemen an.
07.04.2010, 11:50
Lesedauer: 2 Min
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Von Melanie Öhlenbach

Sebaldsbrück. Unverständliche Briefe von der Behörde, Ärger mit Arbeitgebern und Schulden, die nicht zurückbezahlt werden können - es gibt viele Gründe, warum die Menschen zu Jürgen Wrona kommen. Seit über einem Jahr bietet er allen Hemelingern im Büro der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WaBeQ) Am Sacksdamm 35/37 kostenlos Hilfe bei (finanziellen) Problemen an.

'Viele kommen erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen und der Leidensdruck zu groß geworden ist', sagt Jürgen Wrona. Der Sozialberater weiß, wovon er spricht. Nicht nur, weil er Sozialwissenschaften und Jura studiert hat und sich seit über zwei Jahrzehnten mit den Problemen der kleinen Leute befasst. 'Ich komme selbst auch aus einfachen Verhältnissen', sagt der 62-Jährige aus Bremen-Nord, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. So kann schnell eine Vertrauensebene zwischen ihm und seinen Klienten entstehen. 'Hier muss sich keiner verstellen', sagt er.

Niemand muss sich verstellen

Verstellen muss sich zwar niemand - aber vielleicht ein bisschen warten: Vier bis fünf Bewohner berät Wrona während seiner offenen Sprechstunde. Termine gibt es nicht - auch damit 'die Hemmschwelle so niedrig wie möglich ist'. Der Sozialberater behandelt alle Fälle vertraulich und unterliegt der Schweigepflicht. Zudem ist das Angebot kostenlos, da es vom Europäischen Sozialfonds über das Landesprogramm Lokales Kapital für Soziale Zwecke gefördert ist. Die Trägerschaft hat die WaBeQ übernommen.

Die Menschen aus dem Stadtteil kommen aber nicht nur zu Jürgen Wrona, weil sie das Amtsdeutsch der Behördenbriefe nicht verstehen. Auch bei Ärger mit Arbeitgebern oder Dienstleistern, nicht bezahlten Stromabrechnungen, kleineren Strafdelikten oder unbezahlbaren Schulden klopfen sie bei ihm an. Darüber hinaus helfe der Sozialberater auch bei der Suche nach dem Arbeitsplatz und ebne ihnen den Weg in die Beschäftigung, ergänzt Elke Janzon, Fachbereichsleiterin für Beschäftigung und Qualifizierung bei der WaBeQ.

Die Probleme hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht verändert, meint Jürgen Wrona. 'Das Elend ist immer das Gleiche', sagt er. Und die Verhaltensmuster meistens auch: 'Wenn die ersten Briefe ins Haus kommen, werden sie nicht mehr geöffnet. Erst werden sie in die Schublade und dann der Kopf in den Sand gesteckt - in der Hoffnung, dass der Kelch vorüber geht.'

Doch dies geschieht meist nicht von alleine. Jürgen Wrona erledigt für seine Kunden die notwendigen Telefonate, verfasst Briefe oder ebnet ihnen den Weg zu anderen Beratungsstellen. Auch wenn er die Nöte der Hilfesuchenden oft nachfühlen kann, versteht sich Wrona vor allem als Mittler zwischen den Parteien 'Ich sehe nicht nur die Rolle der Ratsuchenden', betont er. Vor allem für kleine Gläubiger, die ihr Geld wiederhaben wollen, hat er Verständnis. 'Schließlich haben sie auch eine Leistung erbracht.'

Das Schönste für Wrona ist jedoch, wenn er für seine Klienten das Problem aus der Welt schaffen konnte oder die Leute zu ihm kommen und um Rat fragen, bevor sie in einer misslichen Lage stecken. 'Das sind dann kleine Erfolgserlebnisse', sagt der Sozialberater, der hofft, dass auch in Zukunft weiterhin Mittel für seine Arbeit zur Verfügung stehen. 'Bedarf und den Zuspruch gibt es hier auf jeden Fall.'

Jürgen Wrona bietet seine Sozialberatung alle 14 Tage am Sacksdamm 35-37 an. Der nächste Termin ist am Donnerstag, 22. April, zwischen 9 und 12 Uhr.

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