Kongress auf der Werderinsel Offenes W-LAN für alle

Ein von den Grünen organisierter Kongress auf der Werderinsel bringt Politiker, Datenschützer und selbst organisierte Netzanbieter aus Bremen zusammen. Das Thema: WLAN-Netze im öffentlichen Raum.
14.02.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Offenes W-LAN für alle
Von Sara Sundermann

Ein von den Grünen organisierter Kongress auf der Werderinsel bringt Politiker, Datenschützer und selbst organisierte Netzanbieter aus Bremen zusammen. Das Thema: WLAN-Netze im öffentlichen Raum.

Nun rückt mit Blick auf diese politischen Ziele eine Gruppe in den Fokus, die sich schon länger unbezahlt und selbst organisiert für freie Netzzugänge einsetzt: die Freifunker. Ein von den Grünen organisierter Kongress auf der Werderinsel hat am Sonnabend Freifunker, Politiker und die Bremer Datenschutzbeauftragte zusammengebracht. Die Beteiligung war vergleichsweise gering, nur etwa 40 Interessierte kamen zusammen.

Doch das Thema WLAN-Netze im öffentlichen Raum dürfte in Zukunft noch viele in der Stadt beschäftigen, denn ein mobiler Zugang zu Informationen im Netz wird immer wichtiger – und das kostenlose Datenvolumen auf dem Handy ist bei vielen Nutzern schnell aufgebraucht. Dann drosseln die Anbieter die Surfgeschwindigkeit.

Etwa 400 Router in Bremen

Zu den Bremer Freifunkern gehören inzwischen rund 300 Leute, die sich mit dem Aufbau dezentraler kostenloser Netze in der Stadt beschäftigen. Es sind Informatikstudenten und Auszubildende, aber auch Familienväter. Frauen sind noch immer in der Minderheit. Derzeit gebe es etwa 400 Router in Bremen, die einen offenen Netzzugang ermöglichen, sagt Simon Stößer von der Freifunk-Initiative Bremen. Freifunker haben in der Stadt bereits Flüchtlingseinrichtungen mit WLAN versorgt oder die Breminale mit einem Hotspot. Zuletzt bauten sie in Walle als Teil eines Pilotprojekts mehr Knotenpunkte auf.

Das Prinzip, dass der Eigentümer des Routers für dessen Nutzung haftet, löst die Initiative bislang auf einem technischen Umweg: Der Zugang ins Netz laufe nicht direkt über die Rechner derjenigen, die ihr WLAN zur Verfügung stellen, sagt Stößer. Zwischengeschaltet sei zunächst ein Router der Freifunker: „Der Router der Privatleute ist nicht nachvollziehbar, Nutzer gehen immer über unseren Router ins Netz.“

Der 23-Jährige betont, dass es den Freifunkern nicht nur um offene WLAN-Netze gehe, sondern auch um Datensicherheit und Datensparsamkeit. Eine Facebook-Nachricht, die von der Neustadt nach Findorff gehen soll, werde derzeit über Server in den den USA geschickt. „Das muss nicht sein“, sagt Stößer. „Wir können lokale Netzwerke aufbauen.“

Es ist schwieriger, lokale Netzwerke zu überwachen als globale, sagt David Mohr, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Medien- und Netzpolitik bei den Grünen. Der Softwareentwickler hat den Kongress organisiert. „Die Stadt sollte lieber die Freifunker fördern als kommerzielles WLAN“, fordert Mohr. Außerdem würde durch selbst organisierte Netzwerke wie die der Freifunker die Aneignung von Wissen gefördert. „Leute, die sich zu Netzwerken zusammenschließen und damit beschäftigen, lernen dabei, wie das Internet funktioniert“, sagt Mohr. Eine Förderung der Freifunker durch die Stadt ist in Planung: In diesem und im kommenden Jahr sollen als Haushaltsposten jeweils 12 000 Euro an die Freifunker fließen. Das ist aus Bürgerschaftskreisen zu hören. Damit könnten beispielsweise weitere Router angeschafft werden. Bislang bauen die Freifunker ehrenamtlich und aus eigenen Mitteln offene Netze auf. Ein nächster Schritt – und Voraussetzung für die staatliche Förderung – ist nun, dass die Freifunker einen Verein gründen.

Was die lokalen Netzwerke derzeit schon leisten, erklärt Simon Stößer. Derzeit könnten Freifunker bereits über das lokale Bremer Netz der verbundenen Router per WLAN telefonieren. „Und falls zum Beispiel Wikipedia weltweit zusammenbricht, hätten wir in unserem lokalen Bremer Freifunk-Netz noch ein Wikipedia-Back-up, auf das wir zugreifen könnten.“

Von den Freifunkern gibt es viele Vorschläge: Gerne würden sie zum Beispiel im Bürger-Service-Center offenes WLAN etablieren. Dort gebe es bislang kein Netz für wartende Kunden. „Wenn daran Interesse besteht, würden wir uns sehr freuen.“ Auch Haltestellen könnten über Freifunk WLAN bekommen. Stößer wünscht sich auch die Möglichkeit, Richtfunkantennen auf hohen Gebäuden oder dem Fernsehturm aufzustellen – damit ließen sich Lücken im Netzwerk schließen.

Doch das scheint in der Praxis nicht einfach zu sein: Derzeit hätten private Anbieter häufig Exklusivverträge für solche Dachflächen, sagt Kai-Lena Wargalla, Landeschefin der Grünen. Sie befürwortet eine Förderung der Freifunker: „Es geht nicht nur um kostenloses Internet, sondern auch darum, dass Menschen aktiv werden und sich dezentral zusammenschließen.“

Das Prinzip Störerhaftung

Das gibt es so nur in Deutschland: Wer über seinen Router ein WLAN-Netz aufbaut, haftet dafür, was über dieses Netz gemacht wird – auch von Dritten. Lädt zum Beispiel jemand illegal Musik herunter, dann kann der Router-Eigentümer abgemahnt werden. Das nennt sich Störerhaftung. Derzeit wird um einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung gerungen. Diese will zwar WLAN-Zugänge im öffentlichen Raum fördern, dabei aber die Störerhaftung nur teilweise abschaffen. Nutzer sollen künftig Bedingungen zustimmen, bevor sie ins WLAN kommen.

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