Wilhelm-Olbers-Schule macht sich dafür stark und erhält eine besondere Auszeichnung Ohne Rassismus, aber mit Courage

An der Wilhelm-Olbers-Schule wollen Schülerschaft und Lehrkräfte Zivilcourage zeigen und sich dafür stark machen, dass gegen Rassismus und Diskriminierung angegangen wird. Fortan darf sie sich "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" nennen. Dieser Titel wurde in einem feierlichen Festakt den Verantwortlichen übergeben.
20.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Solveig Rixmann

An der Wilhelm-Olbers-Schule wollen Schülerschaft und Lehrkräfte Zivilcourage zeigen und sich dafür stark machen, dass gegen Rassismus und Diskriminierung angegangen wird. Fortan darf sie sich "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" nennen. Dieser Titel wurde in einem feierlichen Festakt den Verantwortlichen übergeben.

Hemelingen. Für die Wilhelm-Olbers-Schule ist es ein besonderer Tag. Zwei Jahre lang hat die Schülervertretung für den Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" gearbeitet. Die Schulaula ist bunt geschmückt mit Luftballons und Anti-Rassismus-Plakaten. Dort haben sich alle zu einem feierlichen Festakt versammelt.

Differenzierung hat viele Facetten: Islamfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Homophobie zum Beispiel. "Wir wollten der Differenzierung im Alltag, zumindest hier an dieser Schule, ein Ende setzen", sagt Schulsprecherin Anna-Lisa Nwagwu. Ein Musik-Act, die Darbietung der Trommelgruppe, das Theaterstück – das Programm des Festaktes handelte von Ausgrenzung und Toleranz.

Die Wilhelm-Olbers-Schule ist jetzt Teil des Netzwerkes "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage", das der Verein Aktion Courage 1995 ins Leben gerufen hat. Doch mit dem Titel ist die Arbeit nicht beendet, sondern geht eigentlich erst richtig los, "Das ist kein Pokal, den man alle paar Jahre mal abstaubt", erklärt Linda Blöchl von der Landeszentrale für politische Bildung, die als Vertretung der Landeskoordination Bremen bei der festlichen Titelübergabe dabei ist. Das Engagement solle sich wiederfinden in den Projekten, erinnert sie. Unter großem Applaus überreicht sie den Schulsprecherinnen Anna-Lisa Nwagwu und Alina Gebeyehu die Urkunde und schenkt der Schule einen Banner, mit dem sie zukünftig ihr Engagement zeigen kann.

Dass die Aufnahme in das Netzwerk und die Überreichung der Urkunde erst den Anfang bilden, wissen auch die Schulsprecherinnen ganz genau. "Wir haben uns ja dazu verpflichtet, jedes Jahr eine Veranstaltung zu organisieren", sagt die 18-jährige Alina Gebeyehu. Die Themen, die in der Wilhelm-Olbers-Schule angegangen werden, können ganz unterschiedlich sein. Welche Themen behandelt werden, darf die Schule selbst festlegen.

"Wir wollten etwas bewegen, da fanden wir das Projekt", erzählt Alina Gebeyehu, wie die Idee aufkam, dem Netzwerk beizutreten. Die Schülervertretung überzeugte erst ihre Lehrer von dem Vorhaben, anschließend warben sie bei der Schülerschaft für die Idee. Um die erforderlichen Unterschriften zusammenzubekommen, gingen sie in Kurse und Veranstaltungen. "Das war Arbeit, aber größtenteils wurden wir mit offenen Armen empfangen", erzählt Alina Gebeyehu. Drei Monate haben sie gesammelt, dann hatten sie die Unterschriften von 80 Prozent aller Beteiligten zusammen – zehn Prozent mehr, als notwendig gewesen wären.

"Um auch lange so eine Schule bleiben zu können, werden wir weiter daran arbeiten, mit unseren Paten Christian Weber und Anette Klasing", sagt Schulsprecherin Alina Gebeyehu. Die Schülervertreter wollten für das Projekt Paten aus der Region haben. "Leute, die Erfahrung haben", sagt die 16-Jährige Anna-Lisa Nwagwu. Menschen, bei denen sie sicher sein können, dass sie der Schule bei dem Projekt zur Seite stehen und sie nicht nur finanziell unterstützen. Anette Klasing von der Jugendbildungsstätte Lidice-Haus war nicht einfach zu überzeugen, berichten die Schulsprecherinnen. Nach einem intensiven Gespräch sagte sie aber doch zu. Im Lidice-Haus habe man lange darüber diskutiert, ob sie und das Lidice-Haus diese Aufgabe übernehmen können, erzählt Anette Klasing. "Ihr seid die erste Schule, in der wir das machen. Weil wir gerade im letzten Jahr viele Gruppen im Lidice-Haus zu Besuch hatten und es immer wieder Thema war", erklärt sie und dankt der Schule für das Vertrauen.

Patenschaft übernommen

Auch für Bürgerschaftspräsident Christian Weber ist die Patenschaft keine Aufgabe, die er leichtfertig angeht. "Dass ihr uns das angetragen habt, empfinde ich als eine Bürde. Wir müssen das dann auch leben", sagt er. Er wisse, wie der Stadtteil tickt. Man müsse gemeinsam das Leben gestalten. "Als ich zur Schule ging, da gab es diese bunte Vielfalt nicht", schildert er.

Deutschlandweit gehören dem Netzwerk momentan 1250 Schulen an. Im Land Bremen ist die Wilhelm-Olbers-Schule die 24. Bildungseinrichtung, die sich gegen Diskriminierung und für Zivilcourage und Toleranz einsetzt. Durch die fortwährende Diskussion über Rassismus, Diskriminierung oder Gewalt und die regelmäßigen Projekte zu diesen Themen sollen sich alle an der Schule verantwortlich fühlen und einen respektvollen Umgang miteinander pflegen. Dass an der Wilhelm-Olbers-Schule ein toleranter Umgang, ein respektvolles Miteinander und Achtung voreinander vorhanden sind, glaubt auch Schulleiterin Petra Perplies-Voet: "Schule ohne Rassismus bedeutet, dass Menschen befunden haben, dass an dieser Schule mit der Vielfältigkeit gut umgegangen wird."

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