Oberneulander Schüler treffen Schlagzeuger aus New York / Musikfest will Jugendliche zur Perkussion verlocken Ohren spitzen jenseits der Charts

Überseestadt. Die Veranstaltungsreihe "Open Up" hat sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen für Musik jenseits der Charts zu begeistern. Zum zweiten Mal bietet das Musikfest dazu Konzerte und besondere Begegnungen in Bremen und dem Nordwesten an. Schüler des Schulzentrums Rockwinkel in Oberneuland konnten jetzt nicht nur das Konzert des Schlagzeugquartetts "So Percussion" aus New York hautnah miterleben, sondern trafen die Musiker auch vor dem Auftritt.
15.09.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sandy Bradtke

Überseestadt. Die Veranstaltungsreihe "Open Up" hat sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen für Musik jenseits der Charts zu begeistern. Zum zweiten Mal bietet das Musikfest dazu Konzerte und besondere Begegnungen in Bremen und dem Nordwesten an. Schüler des Schulzentrums Rockwinkel in Oberneuland konnten jetzt nicht nur das Konzert des Schlagzeugquartetts "So Percussion" aus New York hautnah miterleben, sondern trafen die Musiker auch vor dem Auftritt.

Gebannt schauen 19 Schüler auf die vier Männer, die sich in der Mitte des Auditoriums der Hochschule für Künste aufgestellt haben. In der linken Hand halten die Musiker je ein flaches, dunkles Klangholz - auch Claves genannt - und in der Rechten einen Trommelschlegel. Damit schlägt jeder der vier einen anderen Takt auf das Holz. Ihre Blicke sind auf den Boden gerichtet, sie wirken sehr konzentriert. Allmählich entwickelt sich der Rhythmus und baut sich zu einem Klangerlebnis auf.

Das Stück "Music for pieces of wood" des US-amerikanischen Komponisten Steve Reich wird ausschließlich auf Claves geschlagen. Nachdem die Töne verstummt sind, fragt Adam Sliwinski vom Schlagzeugquartett in die Runde: "Wer kann mir sagen, wer von uns mit dem Trommeln angefangen hat und wie es dann weiterging?" Die 14-jährige Jelka aus Oberneuland meldet sich und kann ziemlich genau erklären, wie sich die Rhythmen verschoben und die Takte überlappt haben.

Die Neuntklässlerin spielt seit ihrem siebten Lebensjahr Schlagzeug und trommelt außerdem in der Schul-AG "Drumline", in der Schüler verschiedener Jahre spielen. Die AG wird seit etwa einem halben Jahr am Schulzentrum Rockwinkel angeboten. Zum Treffen mit "So Percussion" sind Schüler von "Drumline" und aus der Orchesterklasse 6m gekommen.

Zeigen, was die Musikwelt bietet

"Das Schöne an dieser Veranstaltung ist, dass die Kinder einerseits vor dem Konzert einen Blick hinter die Kulissen werfen können", sagt Sabine Fahrenholz, die das Projekt "Open up" beim Musikfest betreut. Zum anderen sollen sich junge Generationen für neue und vielleicht auch wenig bekannte Genres öffnen: "Wir wollen zeigen, was die Musikwelt noch zu bieten hat."

Das 22. Musikfest, das durch die Musikalische Gesellschaft, Freunde und Förderer unterstützt wird, präsentiert noch bis Mitte September ein Programm, das von Sinfonik und Oper über sakrale Meisterwerke und Kammermusik bis zu Jazz, Weltmusik und Perkussion reicht. Das Projekt "Open up" bietet Schülern dabei neben dem Besuch des Konzerts bei reduzierten Eintrittspreisen auch besondere Erlebnisse wie Begegnungen mit den Künstlern, Einführungsveranstaltungen oder Generalprobenbesuche.

Adam Sliwinski, Josh Quillen, Eric Beach und Jason Treuting gründeten "So Percussion" bereits während ihres Studiums an der Yale School of Music in Connecticut. Die Formation besteht jetzt schon seit zehn Jahren. "Wir mögen sehr die klassische Musik aus der Vergangenheit, wie von Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven", erzählt Sliwinski. Leider hätten diese Komponisten nichts für Perkussionsinstrumente geschrieben - deshalb spielen die Trommler Stücke von Komponisten der Schlagzeugliteratur.

Mit verschiedenen Komponisten wie David Lang, Paul Lansky oder Fred Firth arbeiten die Musiker sehr eng zusammen. Das sei "sehr aufregend", erzählt Sliwinski. Die Gruppe komponiert jedoch auch eigene Stücke. "Wir versuchen, einen interessanten Klang zu konstruieren", sagt Josh Quillen. "Dabei verwenden wir normale Instrumente, aber zum Beispiel auch Dosen" Perkussionsmusik, also das Spielen aller Schlag- und Effektinstrumente, fasziniere die Ensemblemitglieder sehr: "Perkussion ist weltweit populär, es ist die urtümlichste Form des Musizierens" erklärt Quillen.

Die Schüler interessierte nicht nur die Musik: Sie wollten auch wissen, was die vier Perkussionisten in ihrer Freizeit tun. "Eigentlich haben wir unser Hobby zum Beruf gemacht, das ist unser großes Glück", antwortet Quillen. Durch das viele Reisen und regelmäßige Bandproben bleibe allerdings wenig Zeit für andere Hobbys.

Bevor sich das Quartett von "So Percussion" verabschiedet, zeigen die Musiker den Schülern noch, wie ganz ohne Instrumente ein Rhythmus erzeugt werden kann: Dazu teilen sie den Sitzkreis in zwei Teile und klatschen der einen Hälfte mit den Händen eine rhythmische Folge vor. Zeitlich versetzt steigt dann der Rest der Gruppe ein. Die Klatsch-Wechsel des Kanons begreifen zwar nicht alle auf Anhieb, der Rhythmus ist trotzdem deutlich zu erkennen. Viele Schüler stampfen sogar mit den Füßen mit.

Der elfjährige Moritz und sein Klassenkamerad Marvin, die beide in Oberneuland leben, fanden diese Übung ganz schön schwer. "Ich habe das leider nicht hinbekommen und dann irgendwie geklatscht", verrät Marvin. Er sei aber davon überzeugt, dass das bei dem lauten Klatschen der anderen nicht aufgefallen sei. Jelka hatte anfangs Schwierigkeiten, hat sich dann aber rasch in den Rhythmus hineingefunden. "Ich bin richtig beeindruckt, dass wir als Menschen allein mit unseren Händen so einen Klang erzeugen können. Das hat sich richtig cool angehört", sagt sie.

Das Musikfest Bremen geht noch bis zum 17. September und findet in Bremen und dem gesamten Nordwesten an insgesamt 29 Spielstätten statt. Weitere Informationen unter www.musikfest-bremen.de

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