Fenster zur Wissenschaft im Spicarium: Zuhörer lassen sich von Jacobs-Professor Adalbert Wilhelm über „Big Data“ informieren Online-Händler probieren das Tante-Emma-Prinzip

Vegesack. „Auf Schatzsuche im Datenmeer“– die Wissenschaftler der Jacobs University haben sich fest vorgenommen, ihr „Fenster zur Wissenschaft“ im Spicarium im alten Hafenspeicher angemessen maritim zu betiteln. Und so spricht der Statistikprofessor Adalbert Wilhelm während des Grundkursus zum Datenmeer schnell davon, wie stürmisch, wechselhaft und unberechenbar es auch bei „Big Data“ (große, komplexe Datenmengen) zugeht.
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Von Volker Kölling

„Auf Schatzsuche im Datenmeer“ – die Wissenschaftler der Jacobs University haben sich fest vorgenommen, ihr „Fenster zur Wissenschaft“ im Spicarium im alten Hafenspeicher angemessen maritim zu betiteln. Und so spricht der Statistikprofessor Adalbert Wilhelm während des Grundkursus zum Datenmeer schnell davon, wie stürmisch, wechselhaft und unberechenbar es auch bei „Big Data“ (große, komplexe Datenmengen) zugeht.

Dabei wird schnell klar, dass es kaum noch einen Bereich des öffentlichen und privaten Lebens gibt, in dem Dritte nicht eifrig Daten sammeln und sie auch einsetzen. Zuerst einmal lernen die 25 Zuhörer in dem 45-Minuten-Kursus zum Datenmeer aber wichtige Grundbegriffe: Die „Velocity“, die Datengeschwindigkeit, ist ein wichtiger Parameter laut Adalbert Wilhelm. „Und wir erleben außerdem, dass sich in immer kürzeren Zeitintervallen mit potenzierender Geschwindigkeit auch die Aufnahmekapazitäten von analogen Speichermedien und digitalen wie in Clouds erhöht.“

Dann sei da die „Variety“, die Vielfalt von Daten: „Schon eine Telefongesellschaft kann heute eine große Bandbreite an Informationen auswerten. Das reicht vom Ort der Anrufe und dem Bewegungsprofil bis dahin, wie viel ein Nutzer telefoniert oder was er sich die Telekommunikation kosten lässt.“ Verknüpfe man das noch etwa mit einem Facebook-Account lasse sich das Spektrum an verwertbaren Daten noch sehr viel weiter ausdehnen.

Dem entsprechend musste sich der Jacobsprofessor dann der Nachfrage stellen, warum er bei seinem Wissen überhaupt bei Facebook mitmache? „Ich habe meine Seite eingerichtet, um seinerzeit meine Kinder besser kontrollieren zu können. Aber die haben mich dann schnell entfreundet. Jetzt schreibe ich weit entfernten Bekannten mal zum Geburtstag, ohne die Seite groß zu pflegen,“ so der Professor, der in Augsburg Mathematik studiert hat.

Ohnehin geht es nach seiner Analyse um die Qualität von Daten, die „Datenwahrhaftigkeit“: Da sind die Daten von Banken, von Medien- und Kommunikationsdiensten, denen Wilhelm ein hohes Nutzungspotenzial zugesteht. Anders sieht es bei Statistiken im Bildungsbereich aus: Die würden selten aktualisiert und seien eher schlicht. Zudem sei das Datenvolumen im Bildungsbereich sehr niedrig.

Big Data kann also in wichtigen Bildungsfragen kaum helfen, dafür sorgt es im Bereich des elektronischen Handels laut Wilhelm dafür, das wieder die klassischen Eigenschaften des Tante-Emma-Ladens zur Maxime werden: „Da wusste die Verkäuferin, dass sie Herrn Meier nur mit Kaffee Hag koffeinfrei kommen durfte. Und genau das versuchen Amazon und die anderen Onlinehandelsplattformen auch.“ Da bekomme man ganz schnell die Leseempfehlung, welche anderen Bücher jemand gelesen habe, der auch das Buch XY gekauft habe.

Im Supermarkt sind Dinge wie die Warenkorbanalyse heute ebenfalls an der Tagesordnung. Der Professor: „Dinge wie die Payback-Karte haben sie nur, damit die Firmen mehr über ihre Kunden erfahren.“ Gebe es überwiegend Käufer von Brot und Butter, sei davon auszugehen, das dies Einfluss auf den Aufbau eines Ladens habe. Wilhelm machte auch klar, dass Big Data Dinge auch im Sinne der Konsumenten verbessern hilft – etwa durch besseren Service. „Und der Grippevorhersagedienst Google Flu Trends ist binnen kürzester Zeit erfolgreicher als alle Untersuchungen der Pharmaindustrie über Jahrzehnte.“

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