Onlinelehre mit Hindernissen

Studierende beklagen schlechte Internetverbindung in Bremer Wohnheimen

In Studentenwohnheimen sind die Kosten für den Internetzugang in der Pauschalmiete enthalten. Doch die Verbindungsqualität scheint nicht überall gleich gut zu sein, das berichten Studenten.
13.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helke Diers
Studierende beklagen schlechte Internetverbindung in Bremer Wohnheimen

Der Stand der Technik hängt auch vom Baujahr ab. Wer in der neuen „Holzbude“ Ellener Hof lebt, surft möglicherweise schneller als die Bewohner der älteren Wohnheime.

Christina Kuhaupt

Onlinelehre, Videokonferenzen und digitale Arbeitsaufträge – Internet wird für Studierende immer wichtiger. Die Hochschulen und die Universität hatten sich im Juni für das kommende Wintersemester auf ein sogenanntes hybrides Semester mit einer Mischung aus Online- und Präsenzlehre verständigt. Studierende sind deshalb auf funktionierendes Internet am häuslichen Schreibtisch angewiesen. In manchen Wohnheimen scheint die Internetversorgung allerdings nicht reibungslos zu laufen.

„Wir haben seit Ende Januar einen Anstieg in der Nutzung bemerkt, seitdem ging es kontinuierlich nach oben. Viele Sachen haben dann digital stattgefunden“, sagt Maurice Mäschig, Sprecher des Studierendenwerkes, über die ersten Monate der Corona-Pandemie. Das Studierendenwerk ist mit mehr als 2000 Plätzen in Bremen und Bremerhaven der größte Wohnheimanbieter Bremens.

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Der Internetzugang ist in der Pauschalmiete der Wohnheime enthalten. Die Studierenden in den Einzelapartments und Wohngemeinschaften schließen ihre Router meist selbst an und erzeugen ihr eigenes WLAN, erklärt Mäschig.

Die Qualität der Verbindung variiert

Einzelne Studenten berichten von Schwierigkeiten mit der Internetverbindung. Maxim Sell wohnt in einer Vier-Personen-Wohngemeinschaft in der Vorstraße und sagt: „Im Hinblick auf das Onlinesemester hat es Probleme gegeben. Ich bin regelmäßig aus Vorlesungen rausgeflogen und habe mich dann über mein mobiles Internet eingewählt“. Das sei ärgerlich, weil er so Teile der Vorlesung verpasse und das mobile Datenvolumen schneller aufbrauche. Der 21-jährige Julius Pinsker aus der Vorstraße dagegen findet die Anbindung „ganz hervorragend.“ Er berichtet, 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) zur Verfügung zu haben.

Maurice Mäschig vom Studierendenwerk Bremen sieht die Engstelle in den Wohnungen selbst. „So etwas passiert, wenn mehrere Leute in einer WG auf einen Router zugreifen. Der Flaschenhals ist in der Wohnung.“ Die Leitungskapazität sei den ganzen Tag über ausreichend, gerade für komprimierte Formate wie Videokonferenzen.

Mäschig sagt: „Wir als Vermieter bieten erst mal die Internetverbindung.“ Regelungen zur Nutzung und auch zum verwendeten Router müssten die Studierenden unter sich treffen. „Da müssen die Studierenden miteinander reden.“ Maxim Sell aus der Vorstraße erklärt allerdings, die Probleme bestünden ebenso, wenn er als Einziger in der Wohnung das Internet nutze.

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Der Studierendenvertreter Finn Schale kritisiert ein fehlendes einheitliches Konzept. „Jede WG hat einzelne Router, über den vier bis acht Studierende versuchen, sich an den Vorlesungen zu beteiligen. Da der von Amateuren aufgesetzt wird, ist das natürlich keine optimale Infrastruktur.“ Wenn mehrere Bewohner einer Wohnung größere Datensätze nutzten, käme es teilweise zu Engpässen. Schale hebt noch eine andere Herausforderung für die Studierenden hervor: Es fehlt an Ausweichmöglichkeiten jenseits des Wohnheimzimmers. „Weder die Räumlichkeiten, noch die Infrastruktur sind durchweg optimal für einen Homeoffice-Alltag.

Die Wände in Studiwohnheimen sind nicht dafür bekannt, dick zu sein.“ Durch Geräusche von Mitbewohnern und Nachbarn sowie Baumaßnahmen werde der Lernalltag erschwert. Die Möglichkeit in Bibliotheken oder andere Lernräume auszuweichen, sei „natürlich nicht mehr gegeben“, sagt das Asta-Vorstandsmitglied mit Bezug auf die Corona-Pandemie.

Download großer Dateien kaum möglich

Das Studierendenwerk hat mit Blick auf die digitale Zukunft begonnen, die technischen Voraussetzungen in den zwölf Wohnanlagen aufzurüsten. Dort gäbe es „nicht immer den neusten technologische Stand“, sagt Mäschig. Das entspricht auch den Erfahrungen von Adrian Bergen, der ein Einzelapartment im Wohnheim Spittaler Straße bewohnt. Er sagt, nur eine Leitung mit einer Bandbreite von zehn MBit/s nutzen zu können. „Das ist in unseren Augen noch sehr rückständig. Wenn man große Dateien runterladen will, dauert das sehr lange. Manchmal muss man einen ganzen Tag warten.“

Außerdem setze die Internetverbindung gelegentlich sogar ganz aus. „Wenn nebenbei ein Download läuft, kann man nicht vernünftig an Konferenzen teilnehmen“, findet er. In der „Umsetzungsstrategie Digitalisierung“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur werden Anschlüsse mit unter 30 MBit/s als „weiße Flecken“ bezeichnet.

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Mäschig vom Studierendenwerk erklärt die unterschiedlichen technischen Voraussetzungen der Wohnheime. Manche Anlagen seien schon mit der schnelleren Glasfasertechnologie ausgestattet, für andere seien Bauanträge gestellt worden. Außerdem berichtet er von Verbesserungen, die momentan und in den nächsten Monaten an verschiedenen Anlagen vorgenommen werden würden. „Wir wollen die Geschwindigkeiten und Kapazitäten erhöhen“, so Mäschig. Gerade liefen Baumaßnahmen in den uninahen Anlagen Vorstraße und Spittaler Straße, weitere Standorte kämen über den Sommer hinzu.

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