Lange Warteschlangen im Bremer Stadtamt Opposition fordert sofortige Verbesserungen

Bremen. Im Stadtamt und dem Bürger-ServiceCenter fehlt derzeit rund die Hälfte des Personals. Das führt nach wie vor zu langen Wartezeiten für die Kunden. Die Bremer Opposition kritisiert das Innenressort und fordert sofortige Verbesserungen.
20.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mona Stephan

Bremen. Im Stadtamt und dem Bürger-ServiceCenter fehlt derzeit rund die Hälfte des Personals. Das führt nach wie vor zu langen Wartezeiten für die Kunden. Die Bremer Opposition kritisiert das Innenressort und fordert, sofortige Verbesserungen.

„Es ist unverständlich, warum das Innenressort nicht handelt. Man muss jetzt die Öffnungszeiten verlängern, Abendöffnungen anbieten und zusätzliches Personal aus anderen Behörden einsetzen“, kommentiert Claudia Bernhard, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bremer Linken, die unveränderten Warteschlangen beim Stadtamt. Wilhelm Hinners, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, erwartet von Innensenator Ulrich Mäurer eine vorausschauende Personalplanung. "Das Stadtamt muss in die Lage versetzt werden, auch auf krankheitsbedingte Engpässe flexibel reagieren zu können".

"Kommen Sie morgen früh um 6.15 Uhr wieder", heißt es beim Stadtamt. Einen Reisepass gibt es hier heute nicht mehr. Der Bremer muss also gar nicht erst lange warten, sondern wird direkt wieder nach Hause geschickt. Eine Strategie des Stadtamts, um den Kundenströmen gerecht zu werden. Vergangene Woche hatte Leiterin Marita Wessel-Niepel eigentlich Entspannung für die Kunden angekündigt.

Im Stadtamt und dem Bürger-ServiceCenter fehlt derzeit rund die Hälfte des Personals. Bis zu sechs Stunden Wartezeit müssen die Bremer aufbringen, weil die Angestellten krank oder im Urlaub sind. Die kommissarische Stadtamtsleiterin Marita Wessel-Niepel versprach in der vergangenen Woche eine schnelle Behebung durch zusätzliche Mitarbeiter. Am Dienstag hieß es: Die Wartezeiten seien immer noch zu lang, aber würden aber insgesamt kürzer. Vier zusätzliche Kräfte wurden im Service Center eingesetzt, eine weitere Kraft wurde auf Dauer eingestellt, die Arbeitszeit einer Angestellten aufgestockt. "Mehr können wir nicht tun", sagt Wessel-Niepel.

Dienstagvormittag 11 Uhr, das Service-Center in der Stresemannstraße ist voll. Am Eingang sitzt ein Beamter auf einem Stuhl und winkt ab: "Heute wird das nichts mehr. Kommen Sie morgen wieder. Wenn Sie um 6.15 Uhr in der Früh kommen - dann haben Sie vielleicht eine Chance." Eine neue Methode, um den Besuchern gerecht zu werden, die das Stadtamt seit Anfang des Jahres praktiziert. Sie heißt: Kunden nach Hause schicken. "Irgendwann müssen wir den Kundenstrom stoppen. Unsere Mitarbeiter können dem Ansturm nicht mehr gerecht werden", sagt Wessel-Niepel. Man schaue, wie viele Kunden da sind und wie viele Mitarbeiter zur Verfügung stehen - irgendwann sei Schluss. Ein Mitarbeiter könne in einer Stunde rund vier Kunden bedienen.

Silke Trost ist "stinksauer", wie sie sagt. Die alleinerziehende Mutter stand bereits letzte Woche zwei Mal vor dem gleichen Problem: Im Servicecenter und im Bürgercenter Mitte konnte man ihr Anliegen am Nachmittag nicht mehr bearbeiten. Silke Trost ist berufstätig. Sie kommt Montagnachmittag wieder. Auch da die gleiche Situation. Dabei braucht die 40-Jährige doch so dringend eine Meldebescheinigung. Ohne Meldebescheinigung keine Kontoeröffnung, kein Telefonvertrag, und ohne Ummeldung kann die Agentur für Arbeit nichts für ihren Sohn tun. Dabei, so sagt es Stadtamtsleiterin Marita Wessel-Niepel, gebe es für Notfälle einige offene Termin. "Die Frau sagte, dass es ihr sehr leid täte, aber dass man derzeit nichts für mich tun könnte", sagt Silke Trost und ärgert sich: "In anderen Städten hatte ich nie ein Problem. Mir wurde jetzt ein Termin für den 10. August angeboten." Die Stadtamtsleiterin lenkt ein: "Das darf eigentlich nicht sein. Das ist entgegen der Weisungsgrundlage." Wer seine Notsituation schildert, müsse zeitig einen Termin bekommen. Und nicht erst in einigen Wochen. Man werde sich darum kümmern.

Jeder Bürger, der ein "normales" Anliegen habe, der muss aber warten. Einen Termin gebe es erst in vier Wochen wieder, so die Mitteilung für solche Fälle am Bürgerservice Mitte gestern. Man müsse immer lange warten, aber momentan sei es doch sehr lang, findet auch die Angestellte an der Information. Ob es sich lohne in die Stresemannstraße zu fahren, verneint sie: "In der Stresemannstraße ist die Situation noch schlechter. Da gibt es noch weniger Personal als hier." Marita Wessel-Pieper bestätigt: "In der Stresemannstraße arbeiten elf Kräfte, davon zwei Teilzeit." Im Bürgercenter Mitte seien es 44 Kollegen. "Ich hätte gerne so viel Personal zur Verfügung, wie ich bräuchte. Aber das habe ich nun mal nicht", sagt sie.

Auch Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bedauert, dass Kunden nach Hause geschickt werden: "Die aktuelle Situation ist trotz der bereits eingeleiteten Sofortmaßnahmen sowohl für die Kunden als auch für die Mitarbeiter des Bürgerservicebereiches unbefriedigend." Das unterstreiche die Bedeutung, die dem Referenzprojekt zur Qualitätsverbesserung im Stadtamt zukomme, "das ich mit der Senatorin für Finanzen und der Leiterin des Stadtamtes verabredet habe", so der Senator. Langfristig soll also geprüft werden, wie die Ressourcen Technologie und Personal besser genutzt werden können. Im Stadtamt hofft man jetzt erstmal auf schnelle Entspannung. "Normalerweise lassen die Kundenströme in der zweiten Woche der Ferien nach", sagt Wessel-Niepel.

Immerhin: Die Technik funktioniere erstmals wieder reibungslos. "Seit Montag hatten wir keine Abstürze des Computersystems rund um die Beantragung des neuen Personalausweises", berichtet Wessel-Niepel.

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