Ehemaliger Seenotkreuzer aus Vegesack Orange und Weiß für die „Bremen“

In wenigen Wochen soll der Seenotkreuzer „Bremen“ wieder beinahe so aussehen wie 1953. Jetzt wurde das Schiff vom Vegesacker Museumshaven zur Bootswerft Winkler in Burglesum verholt.
15.06.2014, 19:00
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Orange und Weiß für die „Bremen“
Von Patricia Brandt

In wenigen Wochen soll der Seenotkreuzer „Bremen“ wieder beinahe so aussehen wie 1953. Jetzt wurde das Schiff vom Vegesacker Museumshaven zur Bootswerft Winkler in Burglesum verholt.

Die „Bremen“ kommt ins Trudeln. Mannshohe Wellen reißen den Rumpf des Seenotkreuzers in die Höhe, nur um sofort ihn wieder unter Wasser zu ziehen. Szenen aus einem alten 16-mm-Streifen in Schwarz-Weiß, den viele Schulen ihren Schülern zeigten: Wegen ihrer Stabilität galt die heute denkmalgeschützte „Bremen“ in den 1950er Jahren als das modernste Rettungsschiff der Welt, erläutert Ingenieur Kai Steffen.

Der Ingenieur rettete den Focke-Windkanal vor der endgültigen Zerstörung, bevor er die Initiative zur Rettung des ersten Seenotrettungskreuzers der Deutschen Gesellschaft zu Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) startete. Gemeinsam mit einer Handvoll Ehrenamtlicher arbeitet Steffen seit einem Jahr daran, aus der „Wal“ wieder die „Bremen“ zu machen (wir berichteten).

Das ab 1951 auf der Lürssen-Werft zum ersten Seenotkreuzer umgebaute Boot war eine Zeit lang als Schlepper auf der Weser eingesetzt und später als außergewöhnliche Motorjacht nach Hamburg verkauft worden. „Wir haben auf der Werft die Bugverstärkung abgebrannt“, berichtet Steffen von den ersten Arbeiten auf dem Dock. Mit einer Art größerer Bunsenbrenner hätten die Freiwilligen dem metallenen Anbau aus den 60er Jahren zugesetzt. Die Crew musste höllisch aufpassen: „Es ist ein sehr scharfes Schneidewerkzeug. Eine falsche Bewegung und du schneidest in den Rumpf“, erläutert Steffen. Es sei aber alles gut gegangen: Der Seenotretter hat jetzt wieder seine alte, schnittige Bugform.“ Auch ein Stück Reling wurde in den ersten Tagen bereits zurückgebaut und die Gräting, begehbare Gitterroste, abgebaut.

Der Umbau der „Bremen“ stellt sich auch finanziell als Mühsal dar. Die „Bremen“-Crew muss auf der Werft selbst mit anpacken, um Kosten zusparen. „Es stehen uns 30 000 Euro zur Verfügung – für einen Werfttermin ist das ein schlechter Witz“, sagt Steffen. Lürssen habe die Rückbaukosten auf rund 800 000 Euro geschätzt. Das Geld sei von Kultur-Mäzen Klaus Hübotter und der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz zusammengekommen. Eine von der Stiftung Wohnliche Stadt erhoffte Spende blieb hingegen laut Steffen gänzlich aus. Steffen überlegt, einen neuerlichen Antrag für kommendes Jahr zu stellen.

Mit dem Werftaufenthalt wird die Gruppe ihrem Ziel, die „Bremen“ bis zum 150-jährigen Jubiläum der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger 2015 wieder in den Originalzustrand zurückzuversetzen, ein gutes Stück näher kommen. Denn die Profis von Winkler werden das Schiff sandstrahlen und lackieren. „Wenn die ’Bremen’ in fünf bis sechs Wochen aus der Werft kommt, sollte sie schon sehr nach Seenotkreuzer aussehen“, sagt Steffen. Der Rumpf soll weiß erstrahlen, Deck und Turm ein kräftigen Orangeton bekommen. „Ein Bayer würde es für einen Seenotkreuzer halten.“

Kein Witz: Das Projekt der Ehrenamtlichen stößt bereits bundesweit auf Interesse. Kürzlich habe ein pensionierter Lehrer aus Münster 1000 Euro gespendet, der von dem Vorhaben erfahren hat, berichtet der Schiffsliebhaber Steffen. „Er hat als Kind ein Modell des Seenotkreuzers gebaut. Die ’Bremen’ galt damals als Wunderwerk der Technik.“

Das Geld des Mannes aus Münster sei für den Neubau eines originalgetreuen Mastes verwendet worden, der mittlerweile fast fertiggestellt ist. „Das teuerste bei der Sanierung ist nicht das Material, sondern der Arbeitslohn. Wir arbeiten umsonst, so haben wir 10 000 bis 20 000 Euro gespart“, sagt Steffen. Für weitere Detailarbeiten stehen der Crew laut Steffen rund 7500 Euro zur Verfügung. Zugesagt worden sei das Geld vom Beirat Vegesack und der Waldemar-Koch-Stiftung. So kann sich der Ingenieur vorstellen, das Perlonsprungnetz der „Bremen“ nachflechten zu lassen. Das Netz fing einst Schiffbrüchige auf, die von einer Bordwand springen mussten.

Die Mannschaft um Kai Steffen hat noch viel vor. Die Männer denken über eine Taufe ihres Lieblingskinds nach, damit aus der „Wal“ tatsächlich wieder die „Bremen“ wird. Und dann wollen sie sich noch um das flachgehende Tochterboot des Seenotkreuzers kümmern. „Wir wissen nicht, ob es das Tochterboot noch gibt“, sagt Steffen. Sollte es unauffindbar bleiben, will die Crew eines nachbauen.

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