Hochbunker in der Bremer Überseestadt Ortspolitik will Zucker-Bunker

Damit der Verein Zuckerwerk den Bunker an der Hans-Böckler-Straße kaufen und umbauen kann, muss der Bebauungsplan geändert werden. Dafür gab es nun grünes Licht von den Waller Ortspolitikern.
22.03.2018, 00:00
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Ortspolitik will Zucker-Bunker
Von Anne Gerling

Im November hatte mit einer Einwohnerversammlung das Verfahren zur Bebauungsplanänderung eines Grundstücks an der Ecke Hans-Böckler-Straße/Zweigstraße begonnen. In einem beschleunigten Verfahren soll der Bebauungsplan so aufgestellt werden, dass das Kreativ- und Partynetzwerk Zuckerwerk den dort gelegenen Hochbunker kulturell und gastronomisch nutzen kann. Bis zum 8. März lagen alle relevanten Unterlagen öffentlich aus. Nun sollte im Rahmen des Verfahrens der Waller Beirat als Träger öffentlicher Belange zur geplanten Bebauungsplanänderung Stellung nehmen.

Stadtplaner René Kotte aus dem Bauressort erklärte in der entsprechenden Sitzung des Fachausschusses „Überseestadt, Wirtschaft und Arbeit“ des Waller Beirats, worum es im Kern geht: Um in dem Bauwerk ein soziokulturelles Zentrum mit Klub betreiben zu können – eine Nutzung, die offiziell in den Bereich Vergnügungsstätten/Diskotheken fällt, – soll das Areal als Gewerbegebiet ausgewiesen und ein Teil ausgegliedert werden, in dem ein Discothekenbetrieb zulässig ist.

Mittlerweile ist im B-Plan-Entwurf festgelegt worden, wo der Eingang zum Gelände eingerichtet werden soll und dass unmittelbar vor dem Bunker ein eingeschossiges Gebäude errichtet werden kann – und zwar, ohne dass die Platane auf dem Grundstück dafür gefällt werden müsste. Damit nämlich Gäste später den Bunker verlassen können, ohne dann draußen vor dem Gebäude zu stehen, muss es einen Anbau geben, in dem geraucht und telefoniert werden kann.

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Reduzierung des Fußwegs für Fahrradbügel

Erwartet wird, dass viele Besucher den Zucker-Bunker später per Fahrrad ansteuern werden. Deshalb sollen dort möglichst viele Fahrradbügel aufgestellt werden. Auch dieser Aspekt wird bei der Änderung des Bebauungsplans berücksichtigt: Aus dem Bürgersteig, der an dieser Stelle sehr breit sei, solle für die Fahrradbügel ein Streifen „herausoperiert“ werden, so Kotte: „Damit würde der Fußweg dann auf 2,50 Meter reduziert.“

Eine weitere Thematik, die im Bebauungsplanverfahren abgearbeitet werden muss, ist die Frage nach den erforderlichen Pkw-Stellplätzen. Da es auf dem Gelände selbst nur Platz für zwei Parkplätze gibt, wird aktuell darüber nachgedacht, weitere Abstellmöglichkeiten bei der Zollkantine des Vereins Musikszene Bremen am Hansator vorzuhalten. Ein ganzes Bündel von Nachfragen, etwa zu Abstandsflächen oder angeblich bereits geplanten Dachpartys, kam von AfD-Vertreter Gerald Höns, an den sich Nachbarn aus dem Bunker-Umfeld gewandt haben. Diese hatten bereits zur Einwohnerversammlung im November einen Fachanwalt mitgebracht und würden das Vorhaben gerne verhindern. Laut Höns sind sie bereit, dagegen zu klagen.

Dachpartys seien bei der Behörde weder beantragt noch genehmigt worden, sagt dazu René Kotte. Da außerdem der Bunker nicht erhöht werde und keine Fenster bekomme, werde in diesem speziellen Fall das Abstandsrecht ausgehebelt, um die Immobilie – wie von der Stadt ausdrücklich gewünscht – wieder in eine Nutzung bringen und somit erhalten zu können.

Erneut empfahl Höns während der Aussprache, doch lieber den Bunker an der Lloydstraße als Zucker-Standort zu prüfen, den er für deutlich geeigneter halte. Ein Punkt, dem sich Kotte nun noch einmal in aller Ausführlichkeit widmete. Diesem anderen Bunker fehle das für die geplante Nutzung erforderliche zweite Treppenhaus und in dem Gebiet drumherum sei viel Dynamik, so der Stadtplaner: Dort laufen diverse Bauarbeiten. Auch stehe dieser Bunker relativ verlassen in dem Areal herum – ein Relikt aus einer Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als die Straßen dort noch komplett anders verliefen. Aus stadtplanerischer Sicht sei er deshalb kaum bedeutsam, während man den Bunker an der Hans-Böckler-Straße – auch bekannt als Diakonissen-Bunker – unbedingt erhalten wolle.

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Fachausschuss für Ansiedlung des Zuckerwerks

Tatsächlich gäbe es an der Lloydstraße zwar Stellplätze für Personenwagen, doch das vom Verein Zuckerwerk geplante Raumkonzept würde aufgrund der Deckenhöhe nicht dort hinpassen. Unterm Strich wäre der erforderliche Umbau eine Viertel Million teurer als der des Bunkers an der Hans-Böckler-Straße – und die Fläche dabei deutlich kleiner. Darüber hinaus hätten Gespräche mit den Nachbarn gezeigt, dass man auch dort eine Ansiedelung des Zuckerwerks ablehne. Die Stadt werde aus all diesen Gründen diese Standortalternative nicht weiter verfolgen.

Schon vor einem Jahr hatte der Waller Beirat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den Verein Zuckerwerk in seinen Bemühungen, um den Bunkerkauf zu unterstützen. Der Großteil der Waller Ortspolitiker steht weiterhin zu dieser Entscheidung: Der Fachausschuss hat die Planung nun mehrheitlich befürwortet, wobei sich die CDU-Fraktion enthielt. „Wir hatten ursprünglich zugestimmt, weil wir Künstler erwartet haben. Dass da ein Discothekenbetrieb kommt, war so nicht absehbar“, begründete dies Fraktionssprecher Franz Roskosch.

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