Zweite Chance für eine Schmuddelecke Ortspolitiker wollen Koschnick-Haus retten

Dort, wo einst Hans Koschnick wohnte, präsentiert sich Gröpelingen heute nicht von seiner schönsten Seite. Nun gibt es Pläne, wie die Schmuddelecke aufgewertet werden kann.
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Von Anne Gerling

Dort, wo einst Hans Koschnick wohnte, präsentiert sich Gröpelingen heute nicht von seiner schönsten Seite. Nun gibt es Pläne, wie die Schmuddelecke aufgewertet werden kann.

Wer von der Straßenbahnhaltestelle an der Werftstraße in die Goosestraße hineinspaziert, dem präsentiert sich Gröpelingen nicht gerade von seiner schönsten Seite. Schon nach wenigen Metern drückt auf der linken Straßenseite ein verwahrlostes Reihenhaus ohne Fenster auf die Stimmung; vis-à-vis davon stechen an der Geeststraße gleich zwei Ruinen ins Auge: Nur mit viel Fantasie ist dem Haus Nummer 132 noch etwas zuzutrauen. Und das Gebäude Nummer 134, das offenbar um zwei Etagen aufgestockt werden sollte, gammelt halbfertig vor sich hin.

Das Eckgrundstück Goose- und Geeststraße links vom Umspannwerk sieht auch nicht einladender aus, trotz der wunderschönen Rotbuche. Am Fuße des Baumes ist just eine Brachfläche entstanden. Hier wurden Häuser abgerissen, in denen früher SWB-Mitarbeiter wohnten.

Öffentlicher Platz gewünscht

Die Grünen-Fraktion im Gröpelinger Beirat hat die Ecke schon länger im Blick und bereits vor zwei Jahren angeregt, hier einen öffentlichen Platz anzulegen. Angesichts der aktuellen Abrissarbeiten haben die Grünen diesen Gedanken nun erneut ins Spiel gebracht und auf der jüngsten Bauausschusssitzung einen entsprechenden Antrag zur Diskussion gestellt.

Dieser zielt darauf ab, mit Hilfe des Integrierten Entwicklungskonzeptes (IEK) die SWB-Fläche herzurichten und gleichzeitig die Eigentümer der drei Schrottimmobilien in die Pflicht zu nehmen. „Mit dem Rückbau der SWB-Häuser entsteht an dieser Ecke eine neue Freifläche, die die Chance bietet, das Eckgebiet insgesamt aufzuwerten und einladender zu gestalten. Zwingendermaßen muss bei solch einer Chance auch die gegenüberliegende Schrottimmobilie an der Geeststraße 134 angegangen werden. Es handelt sich dabei um ein Haus, in dem zu seiner Jugendzeit der ehemalige Bürgermeister Koschnick gewohnt hat. Die freiwerdende SWB-Fläche könnte auf diesen historischen Fakt Bezug nehmen“, regt Christina Vogelsang, Sachkundige Bürgerin der Grünen, an.

Ein Stück bremischer Geschichte

Günter Reichert von der Geschichtswerkstatt Gröpelingen erklärt, was es mit dem sogenannten Koschnick-Haus auf sich hat. Demnach waren die Eltern des späteren Bürgermeisters in dessen Geburtsjahr an der Geeststraße 134 gemeldet und Anfang der 1950er Jahre lebte Koschnick mit seiner Mutter in dem Haus, in dem von 1928 bis 1937 die Familie Boehme eine Bäckerei betrieb, die später von Familie Wennhold übernommen wurde. „Sie hatten ganz gut zu tun und schon einen Pkw, was damals noch eine seltene Sache war“, sagt Reichert. Vor einigen Jahren sei Hans Koschnick auf seine Kindheitserinnerungen an die Geeststraße angesprochen worden und soll daraufhin von dem herrlichen Duft der Backwaren geschwärmt haben, der dort damals in der Luft lag.

Eine alte Aufnahme aus der Sammlung der Geschichtswerkstatt zeigt den Chauffeur der Bäckerei Boehme vor dem Betrieb: „Darauf erkennt man noch, wie schön das Haus einmal war. Rechts war eine große Toreinfahrt, durch die Lieferfahrzeuge und auch Pferdekutschen hineinfahren konnten.“ Wer die Aufnahme von damals mit der Immobilie von heute vergleicht, dem blutet durchaus das Herz. Vogelsang sieht es pragmatisch: „Das Gebäude ist seit mehr als 20 Jahren nun in einem desolaten Zustand. Es gibt durchaus Möglichkeiten der Stadt, einzugreifen, wie zum Beispiel ein Instand­setzungsgebot zu erlassen. Das sind oft langwierige Prozesse, aber irgendwann muss man ja einmal anfangen.“

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