Kirche in Corona-Zeiten

Bremer Katholiken und Protestanten wollen Ostern digital feiern

Phantasie ist gefragt: Evangelische Kirche und katholische Gemeinden nutzen digitale Möglichkeiten, um Ostern zu feiern. Die katholischen Gemeinden fürchten einen deutliche Rückgang der Palmsonntags-Kollekte.
04.04.2020, 19:48
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Katholiken und Protestanten wollen Ostern digital feiern
Von Frank Hethey
Bremer Katholiken und Protestanten wollen Ostern digital feiern

Die St. Petri- Domgemeinde will 4000 Osterkarten mit Teelichtern verteilen, die an Ostern an die Fenster gestellt werden sollen.

Daniel Chatard

Schon länger hat man sich in der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) den Kopf zerbrochen, wie ohne Gottesdienste das Osterfest begangen werden kann. Nun hat die Landeskirche klar gemacht, wie sie unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie das für Christen wichtigste Fest feiern will. „Wir legen unsere ganze Energie in Online-Möglichkeiten“, sagt BEK-Sprecherin Sabine Hatscher. Neben zwei Web-Gottesdiensten sollen am Karfreitag (10. April) und Ostersonntag (12. April) auch zwei Radiogottesdienste auf Sendung gehen. Ein besonderes Zeichen setzt das Evangelische Posaunenwerk am Ostersonntag mit einem Auferstehungs-Flashmob auf Distanz. Auch die Katholiken wollen digitale Möglichkeiten nutzen, um die Gläubigen zu erreichen, allerdings auf einem bescheideneren Level. Gottesdienste werden nicht aus Bremen, sondern aus dem Osnabrücker Dom übertragen.

Alle sollen mitmachen

Der „Flashmob auf Sicherheitsabstand“ soll am Ostermorgen um 10.15 Uhr beginnen. „Geplant ist ein Startsignal am Ende des ZDF-Fernsehgottesdienstes“, sagt Hatscher über die Initiative des Posaunenwerks Hannover. Dann wird der Trompeter Andreas Wokurka in der Kirche Oberneuland den Choral „Christ ist erstanden“ anstimmen. Weil das Posaunenwerk aber nicht als große Gruppe spielen kann, sind alle Sänger und Sängerinnen, Posaunenchorbläser und Organisten aufgerufen, sich einzeln zu beteiligen. Ein Aufruf, der sich an alle Menschen in Bremen richtet. „Mitmachen kann man zuhause am Fenster, auf dem Balkon, im Garten, im Wald, auf dem Hof oder auf der Straße.“ Gleichzeitig wird Wokurka auch online zu sehen und zu hören sein. „Wer nicht singen oder spielen kann, der starte einfach bei weit geöffnetem Fenster das Video“, sagt Hatscher.

Die vorösterliche Karwoche beginnt an diesem Palmsonntag mit einen Online-Gottesdienst zur Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Danach folgt am Gründonnerstag das Gedenken an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern vor der Nacht, in der er verraten wurde. Als Ersatz für das gemeinsame Abendmahl sollen um 19.30 Uhr die Glocken läuten. Ebenso ist vorgesehen, am Karfreitag zur Sterbestunde Jesu um 15 Uhr die Glocken zu läuten und wie an jedem Tag in diesen Wochen am Ostersonntag um 12 Uhr. Zusätzlich hat die St. Petri-Domgemeinde 4000 Osterkarten mit Teelichtern verteilt. Ostern sollen die Kerzen in die Fenster gestellt werden, um laut Hatscher „mit vielen anderen in Bremen Verbundenheit, Hoffnung und Zuversicht zu symbolisieren“.

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Die fünf Pfarreien des katholischen Gemeindeverbands werden ebenfalls im Internet präsent sein. In der Regel aber nicht mit Live-Streaming-Angeboten von Gottesdiensten. Vielmehr seien Texte, Videos oder Audio-Botschaften wie auch Anleitungen für Aktionen oder Gebete zuhause im Kreis der Familie vorgesehen, sagt Propst Bernhard Stecker. „Zum Beispiel eine Anleitung zum Palmstock-Basteln oder Gedanken zum Gründonnerstag.“ Die katholische Propsteigemeinde St. Johann hat ein „Gemeindeleben online“ eingerichtet. Auf drei Ebenen finden sich unterschiedliche liturgische Anregungen und geistliche Impulse sowie Verweise auf weitere liturgische Angebote, die digital genutzt werden können.

Einige Kirchen bleiben geöffnet

Für das persönliche Gebet bleiben die katholischen Kirchen laut Stecker auch zu Ostern geöffnet. Ähnlich halten es die evangelischen Kirchen. „Einzelne Kirchen, wo die Gemeinde den Hygieneschutz sicherstellen kann, gewähren einen individuellen Zugang“, sagt Hatscher unter Hinweis auf die weitgehende Autonomie der Gemeinden. Im Dom finden sich ihres Wissens täglich rund 20 Menschen ein. Aus Verantwortungsgefühl heraus wolle die BEK die individuellen Andachtsmöglichkeiten aber nicht an die große Glocke hängen.

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Keinerlei Sorgen macht sich die BEK um ausbleibende Spenden. „Dieses Problem haben wir nicht, unsere Projekte sind durch die Kirchensteuer finanziert“, so Hatscher. Anders sieht es bei den Katholiken aus. Für die Kollekten gebe es inzwischen auch digitale Angebote, sagt Propst Stecker. „Aber ich gehe davon aus, dass die Eingänge deutlich niedriger sein werden als in den vergangenen Jahren.“ Das tue vor allem bei der schon ausgefallenen Misereor-Kollekte weh, aber auch bei der Palmsonntags-Kollekte, die für die Christen im Heiligen Land bestimmt sei, die durch den kompletten Ausfall des Tourismus ohnehin schon sehr leiden müssten. „Und ausgerechnet jetzt fällt sie weg: die Palmsonntags-Kollekte“, klagt Pfarrer Dirk Meyer von der Propsteigemeinde St. Johann. Seine drastische Einschätzung: „Dieser Ausfall gefährdet die gesamte Arbeit des Deutschen Vereins vom Heilige Lande! Jetzt und in Zukunft!“

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