Beirat fordert: Café Abseits und Recyclingbörse erhalten Osterholz stellt sich hinter Einrichtungen

Tenever. Die Nachricht über das drohende Aus für das Café Abseits und die Recyclingbörse in Tenever schlägt weiterhin hohe Wellen: Der Nachbesserungsausschuss des Beirats Osterholz und die Stadtteilgruppe Tenever fordern nun das Sozialressort auf, die Einrichtungen zu erhalten und die dafür notwendigen Personalstellen zu genehmigen.
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Von Melanie Öhlenbach

Tenever. Die Nachricht über das drohende Aus für das Café Abseits und die Recyclingbörse in Tenever schlägt weiterhin hohe Wellen: Der Nachbesserungsausschuss des Beirats Osterholz und die Stadtteilgruppe Tenever fordern nun das Sozialressort auf, die Einrichtungen zu erhalten und die dafür notwendigen Personalstellen zu genehmigen.

Gerade einmal ein Jahr ist es her, dass der Träger Comeback GmbH das Café Abseits von der Interkulturellen Werkstatt übernommen hat. 'Wir haben die Besucherzahl und das Angebot erhalten können', sagte Geschäftsführer Alfred Liebig. 'Das Café ist hier sehr beliebt und auch die Mitarbeiter arbeiten hier gerne.'

Doch mit dem Treffpunkt für Suchtabhängige und suchtgefährdete Menschen aus ganz Osterholz könnte nun zum Jahresende Schluss sein. Wie im Stadtteil-Kurier berichtet, hat der Träger des Café Abseits - wie auch der der Recyclingbörsen, der Verein für Recycling und Umweltschutz Bremen-West - bei der Ausschreibung um neue Stellen aus dem arbeitsmarktpolitischen Programm 'Öffentliche Beschäftigung und soziale Stadtentwicklung' von der Bremer Arbeit GmbH (bag) keine Empfehlung für eine Förderung bekommen.

Die Gründe dafür legte Karin Jahn im Ausschuss noch einmal dar: Unter anderem hätten die Angebote 'die Qualitätskriterien nicht erfüllt', sagte die Bereichsleiterin für Beschäftigungsförderung bei der bag. 'Die arbeitspolitische Ausrichtung ist nicht ausreichend deutlich gemacht worden.' Letztlich wird aber erst die Deputation am 25. November entscheiden.

Auch Drogenhilfe muss sparen

Sollte diese der Empfehlung der bag folgen, fehlen der Comeback GmbH 53000 Euro, um eine Anleiterstelle für die Mitarbeiter des Café Abseits zu finanzieren. 'Wir wollen, dass es weiterläuft, aber als kleiner Träger können wir die Stelle nicht aus eigener Tasche finanzieren', sagte Alfred Liebig. Auch die Drogenhilfe kann bei einer so großen Lücke nicht einspringen, sagte Anton Bartling. 'Auch wir müssen Jahr für Jahr Einsparungen vornehmen', sagte der Landeskoordinator für Suchtfragen. Er könne zwar die arbeitsmarktpolitische Entscheidung der bag nachvollziehen. Gesellschaftspolitisch sei sie allerdings nicht sinnvoll. 'Wir müssen alles daran setzen, damit dieses wichtige Angebot im Stadtteil erhalten bleibt.'

Eine Meinung, die viele andere auf der Sitzung teilten. 'Hier wird eine wichtige sozialpolitische gesellschaftliche Aufgabe geleistet', sagte Sarah Lott vom Mütterzentrum. 'Wenn das Abseits geschlossen wird - wer macht das dann?' Auch Beiratssprecher Walter Wilkens zielte in die gleiche Richtung: 'Das Café Abseits ist unabdinglich', sagte der Sozialdemokrat. 'Wo werden wir die Menschen wiederfinden, wenn es diese Einrichtung nicht mehr gibt?'

Fragen wie diese sollten auch die Landesregierung interessieren, meinte Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. Der Senat dürfe sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen, betonte er mit Blick auf die soziale Lage in Tenever. 'Man kann hier nicht am 31. Dezember den Schlüssel umdrehen und sagen: Die Maßnahme ist ausgelaufen. Wenn hier das Licht ausgeht, dann werden die Ärmsten der Armen keinen Anlaufpunkt mehr haben.'

Männer brauchen Beschäftigung

Auch für die Recyclingbörse brachen die Anwesenden noch einmal eine Lanze. Die Einrichtung werde im Stadtteil dringend gebraucht, sagte Ortsamtsleiter Schlüter. 'Es gibt in Tenever viele Einrichtungen, in denen Frauen arbeiten können. Aber es ist genauso wichtig, dass auch Männer und Familienväter eine sinnvolle Beschäftigung haben.'

Der Nachbesserungsausschuss fordert daher einstimmig die Senatorin für Arbeit auf, 'auf die Entscheidung der bag Einfluss zu nehmen und den Wegfall der Stellen zu verhindern'. Mit der Schließung der Recyclingbörse und des Café Abseits würde sich die Situation der Menschen, die dort arbeiteten und die Angebote nutzten, sowie die Lage des gesamten Quartiers verschlechtern, das gerade fertig saniert und beginnend stabilisiert sei, heißt es im Beschluss weiter.

Gleicher Meinung ist auch das Quartiersmanagement, das im Namen der Stadtteilgruppe einen Brief an die entscheidenden Stellen geschrieben hat. 'Wir appellieren an Sie, egal ob aus dem bestehenden oder anderen arbeitsmarktpolitischen Programmen oder Maßnahmen oder weiteren Alternativen, Tenever zu helfen', heißt es in dem Schreiben.

Eine Möglichkeit, mit der beide Einrichtungen für den Stadtteil erhalten bleiben könnten, zeigte Karin Jahn bereits bei der Sitzung des Nachbesserungsausschusses auf: Sie legte den Trägern nahe, sich um In-Job-Stellen aus einem anderen Förderungsprogramm zu bewerben, das allerdings erst im März 2011 anläuft. 'Dort hätten sie gute Chancen, sich zu platzieren', meinte sie.

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