Suche nach Wohnbauflächen in Bremen Osterholzer Feldmark kein Tabu

Die Einwohnerzahl in Bremen wächst, es werden Gebiete für neue Wohnungen gebraucht – da darf es aus Sicht des SPD-Abgeordneten Jürgen Pohlmann kein Tabu sein, auch über eine Bebauung von Flächen in der Osterholzer Feldmark nachzudenken.
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Osterholzer Feldmark kein Tabu
Von Wigbert Gerling

Die Einwohnerzahl in Bremen wächst, es werden Gebiete für neue Wohnungen gebraucht – da darf es aus Sicht des SPD-Abgeordneten Jürgen Pohlmann kein Tabu sein, auch über eine Bebauung von Flächen in der Osterholzer Feldmark nachzudenken. Dies erklärte er am Mittwoch im Parlament. Die Nutzung der Feldmark war lange Zeit strittig, bis das Vorhaben vor einigen Jahren zu den Akten gelegt wurde.

Die Bürgerschaft war nicht angetreten, um Beschlüsse zu fassen. Grundlage der Debatte am Mittwoch war eine aktuelle Stunde, die die Fraktion der Linken beantragt hatte: „Woher nehmen? Verstärkte Wohnungsnot trotz Wohnbauprogramm.“ Allein für die Formulierung des Themas bekam die Oppositionsfraktion mehrfach Gegenwind. Der grüne Bausenator Joachim Lohse beispielsweise wandte ein, es gebe „keine Wohnungsnot in Deutschland und erst recht nicht in Bremen.“ Die Lage sei zwar angespannter als früher, aber der Senat steuere erfolgreich mit seinem Wohnungsbauprogramm dagegen und sorge auch für sozialverträgliche Angebote.

Der SPD-Abgeordnete Jürgen Pohlmann, Sprecher der Baudeputation, hob die Bedeutung insbesondere auch von sozial gefördertem Wohnungsbau für die Stadt hervor. Bremen entwickle sich günstig, es gebe mehr Arbeitsplätze – und Gutachter sagten auch mit Blick auf die fernere Zukunft eine stetig wachsende Einwohnerzahl voraus. Wenn bis 2030 mit immer mehr Bremerinnen und Bremern zu rechnen sei, dürfe auch die Frage nicht ausgeklammert werden, ob es dann auch weiter „genügend Flächen für den Wohnungsbau“ gebe. Für ihn sei es kein Tabu, darüber nachzudenken, ob sich das Gebiet rund um den Mahndorfer Bahnhof unter Einschluss von Teilen der Osterholzer Feldmark eigne. Die SPD sei bereit, darüber zu beraten. Und auch über einen Wohnungsbau in Brokhuchting dürfe diskutiert werden.

Stadtplaner hatten vor einiger Zeit angeregt, am Rande der Osterholzer Feldmark nahe des Mahndorfer Bahnhofs die Möglichkeit für eine Wohnbebauung offen zu halten. Pohlmann unterstützt dies und machte am Mittwoch keinen Hehl daraus, dass die SPD dazu bisher keine Übereinstimmung mit Kritikern beim grünen Regierungspartner erzielt habe.

Eine Bebauung der Osterholzer Feldmark hatte die Politik über Jahrzehnte beschäftigt. Vor Ort hatte sich Widerstand formiert, der bis in die 1990er-Jahre zurückreichte. Im Frühjahr 2010 hieß es dann, ein Verein, bei dem in den Zeiten des Protestes viele Fäden zusammengelaufen waren, habe „nach fast zwei Jahrzehnten „seine Auflösung bekannt gegeben“.

Gestern, in der aktuellen Stunde der Bürgerschaft, stand nach Jürgen Pohlmann der grüne Parlamentarier Carsten Werner am Rednerpult. Wie der Sozialdemokrat so unterstrich auch er, dass die rot-grüne Koalition mit ihrer Baupolitik auf einem richtigen Weg sei. Und ebenso wie Senator Lohse wies er die Sichtweise der Linken zurück, wonach es in Bremen eine „verstärkte Wohnungsnot“ gibt. In der Hansestadt, so Carsten Werner, sei die Situation „nicht dramatisch.“ Und er kreidete der Linksfraktion an, sie rede „den Bremer Wohnungsmarkt schlecht“. Allerdings sei es notwendig, Ausschau nach zusätzlichen Flächen zu halten. Werner schlug unter anderem vor, dass mit dem Wirtschaftsressort ausgelotet wird, ob nicht benötigte Gewerbeflächen für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden könnten.

Für die Linke erklärte deren Abgeordnete Claudia Bernhard, es hapere mit dem Bauprogramm der Landesregierung. Die Zahl der Sozialwohnungen in Bremen sei rückläufig, das Niveau der Mieten gehe in die Höhe. „Der Senat hat kein Konzept, wie in absehbarer Zeit mehr bezahlbarer Wohnraum in Bremen geschaffen werden kann“, so Claudia Bernhard. Es sei auch kein Instrument erkennbar, mit dem die Mietpreissteigerungen eingedämmt werden könnten.

Silvia Neumeyer (CDU) warf dem Regierungsbündnis aus SPD und Grünen vor, es habe Versprechungen in der Baupolitik nicht eingelöst. So sei beispielsweise aus dem angekündigten Studentenwohnheim am Waller Wied nichts geworden. Als Grund sei der Lärmschutz genannt worden. Die Christdemokratin: „Lächerlich.“

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