Versammlung der Jägerschaft

Otte-Kinast will Jagdrecht ändern

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast will sich für eine Änderung des Jagdrechts einsetzen. Was die Afrikanische Schweinepest damit zu tun hat...
18.03.2018, 19:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Otte-Kinast will Jagdrecht ändern

Trophäenschau bei der Jahreshauptversammlung der Kreisjägerschaft in der Schützenhalle Schwanewede.

Christian Kosak

Schwanewede. Wer die mit Fotos und Texten bestückten Stellwände in der großen Schützenhalle in Schwanewede abschritt, hatte den Überblick über das, was die Jägerschaft im Landkreis Osterholz derzeit bewegt: die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die Sorge wegen des Wolfes und Befürchtungen wegen Nutrias, auch Biberratten genannt, die sich enorm ausbreiten sollen und die Deiche zu unterhöhlen drohten. Die Bejagung dieser Tiere war das Hauptthema während des Kreisjägertags in Schwanewede. So kündigte die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast an, sich für eine Novellierung des Jagdrechts einsetzen zu wollen.

Der Kreisjägertag in Schwanewede brachte Trophäenschau und Jahreshauptversammlung der Jägerschaft Osterholz zusammen. Mächtige Geweihe von Rot- oder Damhirschen und die bescheidenen Spieße von Rehen hängen an den Wänden, doch bei diesen Arten hat sich nicht viel getan. Die "Sorgenkinder" der Jägerschaft sind eher Wolf, Nutria und Wildschwein, und fast alle Redner gingen auf diese Tierarten ein.

Martin Kai Köpke, Zweiter Vorsitzender der Jägerschaft Osterholz, freute sich besonders, dass die neue niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) gekommen war. Sie wurde gleich zu Beginn ihrer Rede mit viel Beifall bedacht: „Die Jäger sind die wahren Grünen, denn sie erhalten die Kulturlandschaft wie sie ist.“ Auch wenn sie selbst keinen Jagdschein habe, stehe sie dem Jagdwesen doch nahe. Die Ministerin nahm zunächst die Nutria ins ­Visier, ein großes Nagetier, das dem Biber ähnlich sieht und aus Südamerika stammt.

Die Abschussliste des Landkreises Osterholz nennt in der Jagdstrecke für 2013/2014 nur ein einziges Tier, 2016/2017 schon 282 Tiere und in der Jagdsaison 2017/2018 bereits 400 Exemplare – ein explosionsartiger Anstieg, der vor allem Sorgen bereitet, weil die Tiere gern unter Deichen ihre Bauten anlegen und damit die Deichsicherheit gefährden. Die Ministerin appellierte an die Verantwortlichen, die Erlaubnis zu erteilen, Nutrias künftig mit Fallen zu bekämpfen.

Gesprochen wurde auch über das Wildschwein, das bei der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest eine Rolle spielen soll. „Jüngst gab es einen Ausbruch der Seuche bei Warschau, wobei weggeworfene Speisereste wohl eine große Rolle für die Verbreitung des Virus gespielt haben“, sagte Barbara Otte-­Kinast und regte an, das Jagdrecht in Bezug auf Schwarzwild anzupassen, indem zum Beispiel jagende Hunde erlaubt sein sollten. Auch Verbraucher könnten ihren Beitrag leisten: „Esst mehr Wildschweinbraten“, forderte sie und fasste zusammen: „Wir werden das Jagdrecht novellieren, denn Afrikanische Schweinepest und Nutria zwingen zu einer Modifizierung.“

In ihrer Rede befasste sich die Ministerin auch mit dem Wolf, der als streng geschützte Art eigentlich nicht in Otte-Kinasts Ressort fällt, sondern in die Zuständigkeit des Umweltministeriums. Unter starkem Beifall der Teilnehmer schlug die Agrarministerin eine härtere Gangart vor: „Der Wolf hat in bestimmten Regionen Niedersachsens nichts zu suchen, und wir können den Wolf nur erziehen, wenn wir einzelne Tiere herausschießen. Wir müssen dem Wolf die Rote Karte zeigen.“

Heike Schumacher, Erste Kreisrätin des Landkreises Osterholz, nahm in ihrem Grußwort Bezug auf die Afrikanische Schweinepest: „Noch ist sie 300 Kilometer entfernt, aber sie kann morgen schon hier sein.“ Die Schonzeit für Wildschweine sei deshalb ganzjährig aufgehoben worden, geschont würden derzeit nur noch Weibchen, die Frischlinge mit Streifen führen. Man wolle auch auf die Gebühren für die Untersuchung von Wildschweinen auf Fadenwürmer, ­sogenannte Trichinen, verzichten, um die Jägerschaft zu ermuntern, tote Wildschweine vom Tierarzt untersuchen zu lassen.

Andreas Mattfeldt, Mitglied des Bundestages, sah bei einer stärkeren Bejagung des Wildschweins eine schwierige Aufgabe auf die Jäger zukommen. Mattfeldt sagte: „Noch ist der Mais niedrig, doch wenn er hoch aufwächst, wird die Jagd auf die Tiere ein großes Problem.“

Mit 305 Wildschweinen sei die Abschussliste im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen, bilanzierte Kreisjägermeister Heiko Ehing. Es sei im Hinblick auf die Schweinepest wichtig, die Bestände auf einem niedrigen Niveau zu halten. Für die nicht-heimische Tierart Nutria forderte Heiko Ehing, eine ganzjährige Bejagung aller Tiere zu erlauben.

Probleme sieht Heiko Ehing auch im Zusammenhang mit dem Bestand des Marderhunds. Der Bestand habe zugenommen. 47 Tiere wurden demnach im Landkreis 2017/2018 erlegt, in der Saison 2014/2015 waren es noch vier. Und da der Marderhund gern die Gelege von ­bodenbrütenden Vögeln fresse, seien insbesondere bedrohte Wiesenbrüter wie der Kiebitz gefährdet, meinte Kreisjägermeister Heiko Ehing.

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