Auslandsstudium in Corona-Zeiten Extremsituation für ausländische Studierende

Für Wissenschaftler und Studierende aus dem Ausland ist die aktuelle Situation extrem. Sie werden von vielen Sorgen und Nöten begleitet. Das International Office will ihnen helfen, sich trotzdem einzugewöhnen.
13.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Extremsituation für ausländische Studierende
Von Rebecca Sawicki

Die aktuelle Situation ist wohl für jeden hart. Für manche allerdings ist sie noch etwas härter. Gerade die internationalen Studierenden und Wissenschaftler befinden sich derzeit in einer angespannten Lage. Um ihnen den Start zu erleichtern, hat das International Office der Universität Bremen digitale Angebote geschaffen. Außerdem bietet es in diesem Jahr einen Free-Market an, der auch unter Pandemiebedingen sicher ist.

Das International Office der Universität Bremen besteht aus dem Projekt Kompass und dem Welcome Center. Kompass, dem Jutta Paal und Laura Biallas angehören, greift vor allem den Studierenden unter die Arme; das Welcome Center, mit Julia Holz und Pauline von Oehsen, hilft jenen, die forschen. Unterstützt wird das International Office von den Senior Citizens der Akademie für Weiterbildung, also einer Gruppe Senioren, die noch einmal studieren.

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Beim Free-Market werden Dinge wie Bettdecken oder Geschirr kostenlos an internationale Studierende weitergegeben. Die Idee stamme aus Großbritannien, erklärt Julia Holz. „Die Studierendenwohnheime sind nur teilmöbliert. Bei uns können sich die internationalen Studierenden mit dem eindecken, was ihnen fehlt“, sagt Holz. Diese Möglichkeit gebe es nun seit sieben Jahren, bisher immer Form eines Flohmarktes. In diesem Jahr sieht das Konzept allerdings anders aus: „Die Studierenden müssen sich online Zeit-Slots buchen, zu denen sie kommen können“, sagt Pauline von Oehsen. Das Angebot gebe es seit Anfang November. Aktuell sei alles ausgebucht, ab Januar gebe es freie Kapazitäten.

„Die Lage der internationalen Studierenden und Forschenden ist sehr angespannt“, erklärt Jutta Paal und erläutert: „Die erste Sorge ist immer das Finanzielle. Durch Corona fallen aktuell sehr viele Jobs weg.“ Abgesehen vom internationalen Büro der Universität Bremen hilft auch der Verein Xenos den Studierenden. Xenos finanziert sein Wirken mit Spenden, die aus der Bevölkerung kommen.

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Zu den finanziellen Nöten käme die Sorge, um die Familien daheim, die fehlenden Kontaktmöglichkeiten und Heimweh. „Auch die Online-Formate in der Lehre sind für Nicht-Muttersprachler schwierig“, sagt Paal. Weil viele der Studierenden außerdem die verschiedenen Corona-Beschränkungen in Deutschland nicht verstünden, versucht das Office, über die sozialen Medien Informationen verständlich zu streuen.

Eine große Herausforderung sei auch die mentale Gesundheit der Studierenden und der Forschenden, erklärt Julia Holz. „Wir versuchen, die Internationalen mit Online-Formaten zu motivieren“, sagt sie. So gebe es beispielsweise einmal in der Woche einen digitalen Stammtisch. „Die Senior Citizens unterstützen uns dabei. Sie haben oft auch die Kapazitäten, mit den Studierenden und Forschenden spazieren zu gehen“, sagt Holz. Außerdem gebe es aktuell die Idee, Podcasts unter anderem zu den Themen Zeitmanagement und Stressbewältigung auf Englisch aufzunehmen. „Das würden wir zusammen mit der psychologischen Beratungsstelle der Uni machen. Aktuell ist das Projekt aber noch nicht angelaufen“, sagt Paal.

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Obwohl in diesem Jahr weniger internationale Studierende an die Uni Bremen gekommen seien, hätte das Büro fast mehr zu tun als in anderen Jahren. „Der Weg an eine deutsche Uni teilt sich in zwei Schritte. Zunächst müssen die Studierenden sich bewerben. Sind sie angenommen, müssen sie in ihrem jeweiligen Land zur deutschen Botschaft und ein Visum beantragen“, sagt Paal. Und genau darin läge die Problematik, ergänzt Holz. „Viele Botschaften waren dieses Jahr nur online geöffnet. Zwar kann das Visum digital beantragt werden, allerdings können die benötigten Fingerabdrücke nicht auf diese Weise abgegeben werden“, sagt sie.

Die Folge: Manche der Studierenden sitzen in ihrem Heimatland und versuchen den Vorlesungen und Seminaren online zu folgen. „Das ist natürlich schwierig. Zum einen, wegen des oftmals schlechten Internets und zum anderen, wegen der Zeitverschiebung“, sagt Paal.

Das Office kümmere sich vermehrt um solche Einzelfälle. Um verunsicherte Studierende, die nicht wissen ob es sich lohne nach Bremen zu kommen. Und um Forschende, die entweder wegen des Lockdowns trotz Ende ihrer Forschung nicht zurück nach Hause, oder nach Feldstudien in anderen Ländern nicht zurück nach Bremen können. Das International Office versuche, in solchen Fällen begleitend zu helfen und zu vermitteln. „Das ist aber natürlich insgesamt eine schwierige Situation“, sagt Paal.

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