Sorgerechtsstreit

Papa ohne Sorgerecht

Als nicht ehelicher Vater hat Torsten Schröter kein Sorgerecht für seine zweijährige Tochter. Er überlegt, vor Gericht zu ziehen und die gemeinsame Sorge einzuklagen. Der Kinderschutzbund in Bremen plädiert für eine Stärkung lediger Väter – damit ein solches Verfahren, das auch die Kinder belastet, erst gar nicht geführt werden muss.
02.12.2013, 00:00
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Papa ohne Sorgerecht
Von Alexander Tietz
Papa ohne Sorgerecht

Vater und Tochter zusammen, davon träumt Torsten Schröter. Er möchte sich das Sorgerecht mit der Mutter teilen.

Friso Gentsch, dpa

Als nicht ehelicher Vater hat Torsten Schröter kein Sorgerecht für seine zweijährige Tochter. Er überlegt, vor Gericht zu ziehen und die gemeinsame Sorge einzuklagen. Der Kinderschutzbund in Bremen plädiert für eine Stärkung lediger Väter – damit ein solches Verfahren, das auch die Kinder belastet, erst gar nicht geführt werden muss.

Torsten Schröter will ein guter Vater sein. Der 32-Jährige aus Bremerhaven, der seinen wirklichen Namen nicht nennen möchte, will für seine Tochter da sein. Er will „einen guten Draht zu ihr aufbauen“, wie er sagt. Das Gesetz und die Mutter des Kindes machen es ihm schwer, diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Als seine Tochter vor etwa zweieinhalb Jahren auf die Welt kommt, ist Torsten Schröter nicht mit der Mutter verheiratet. Das macht ihn zu einem nicht ehelichen Vater – ohne Sorgerecht für sein Kind. Er darf weder entscheiden, auf welche Schule seine Tochter geht, welche medizinische Behandlung ihr zugute kommt oder wo sie wohnt. Er zahlt 225 Euro Kindergeld im Monat und darf die Zweijährige nach dem Umgangsrecht zwar sehen, aber nicht über ihr Leben mitbestimmen.

Um für seine Vaterrolle zu kämpfen, reichte der 32-Jährige Mitte dieses Jahres einen Antrag auf gemeinsames Sorgerecht beim Jugendamt ein. Die Mutter widersprach dem Anliegen. Torsten Schröter bleibt jetzt nur der Weg zum Gericht. Noch weiß er nicht, ob er juristisch für sein Ziel kämpfen will. Er fürchtet, seine Tochter könne durch einen Prozess leiden.

Eigentlich sind die Rechte nicht ehelicher Väter im Sommer durch den Bundestag gestärkt worden. Zwar bekommen sie im Vergleich zu verheirateten Vätern das Sorgerecht nicht automatisch zugesprochen. Dennoch können sie – nachdem die Mutter Widerspruch beim Jugendamt eingelegt hat – bei Gericht einen Antrag auf gemeinsame Sorge stellen, ohne dass die Richter den Willen der Mutter berücksichtigen müssen. Entscheidend ist allein das Kindeswohl. Die Mütter müssen gute Gründe hervorbringen, warum das Wohl des Kindes durch das Sorgerecht des Vaters beeinträchtigt wird.

Wie gut die Chancen für Torsten Schröter bei einem Prozess wären, können weder das Amtsgericht in Bremerhaven noch das Amtsgericht in Bremen sagen. Vertreter beider Behörden teilen auf Nachfrage mit, dass keinerlei Erfolgsquoten über Sorgerechtsverfahren dieser Art vorliegen. In Bremen ist zumindest bekannt, dass im vergangenen Jahr etwa 23 Verfahren geführt wurden, bei denen Väter wie Torsten Schröter ihr Sorgerecht auf dem Gerichtsweg einklagen wollten. Im Jahr davor kam es zu 48 Verhandlungen, in 2010 waren es 35 Prozesse. In der Regel dauert ein Verfahren ein halbes Jahr.

Die Bandbreite der Prozesskosten ist nach Angaben des Bremerhavener Amtsgerichts groß. Verliert der Vater das Verfahren unter Zuziehung eines Anwalts, entstehen Kosten in Höhe von etwa 3500 Euro. Steht dem Kind ein Verfahrensbeistand wie ein Pädagoge oder ein Sozialarbeiter zu, müssen Väter etwa 550 Euro zuzahlen. Kommt ein Gutachten über das Kindeswohl hinzu, können bis zu 5000 Euro Mehrkosten entstehen.

Jan Richard Großmann ist Fachanwalt für Familienrecht in Bremen. Er ermutigt Väter trotz finanzieller Risiken zu einem gerichtlichen Verfahren. Die Chancen stünden nicht schlecht, sagt er. In diesem Jahr habe er drei Väter vertreten, die das gleiche Problem wie Torsten Schröter haben. Ein Fall sei bereits abgeschlossen, ohne je verhandelt worden zu seien.

Einer seiner Mandanten leitete ein Verfahren beim Bremer Amtsgericht ein. Nachdem die Mutter die Vorladung erhielt, sprach sie dem Vater das gemeinsame Sorgerecht zu. „Manchmal hilft die gerichtliche Autorität“, sagt Großmann. Kommt es dennoch zu einem Verfahren, sieht Großmann wenig Gründe, dem Vater das Sorgerecht nicht zuzusprechen. Erfahrungswerte gibt es laut Großmann aber nicht, da die ersten Verfahren dieser Art noch im Gange seien.

Andreas Bröcher, Vorsitzender des Kinderschutzbundes in Bremen meint, es führe kein Weg daran vorbei, Vätern – ganz gleich ob sie zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet waren oder nicht – das gemeinsame Sorgerecht automatisch zuzusprechen. Der Status, den die Beziehung zwischen Mutter und Vater einmal gehabt habe, sage nichts darüber aus, wie gut ein Vater für sein Kind sorgen könne. Bei jedem Prozess würden Kinder leiden. Insofern könne eine Gleichstellung aller Väter gerichtliche Verfahren wie diese vermeiden.

Die Landesvorsitzende des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter in Bremen sieht das anders. Vera Klusmann glaubt, die Gesetzeslage müsse nicht geändert werden. Männer und Frauen, die sich getrennt haben, würden eine „konfliktbehaftete Elterngruppe“ bilden. Menschen, die aus guten Gründen nicht mehr zusammen seien, könnten kaum gemeinsam für das Wohl eines Kindes sorgen. Die Konflikte seien bei getrennten Paaren mit gemeinsamem Sorgerecht aus ihrer Erfahrung größer, als wenn die Mutter allein für das Kind sorge.

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