Wegen Volksverhetzung

Staatsanwaltschaft Bremen erhebt Anklage gegen Pastor Latzel

Die Bremer Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Volksverhetzung gegen den umstrittenen Pastor der St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel, erhoben. Hintergrund sind Äußerungen gegen Homosexuelle bei einem Seminar.
02.07.2020, 15:02
Lesedauer: 2 Min
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Staatsanwaltschaft Bremen erhebt Anklage gegen Pastor Latzel
Von Jan-Felix Jasch
Staatsanwaltschaft Bremen erhebt Anklage gegen Pastor Latzel

Gegen Pastor Olaf Latzel läuft bereits ein Disziplinarverfahren (Archivbild).

Frank Thomas Koch

Die Staatsanwaltschaft Bremen hat Anklage gegen den umstrittenen Pastor der St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel, erhoben. Sie wirft dem Geistlichen Volksverhetzung vor. Er soll bei einem Eheseminar im Oktober 2019 Homosexuelle pauschal als Verbrecher und Homosexualität als „Degenerationsform der Gesellschaft“ bezeichnet haben, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Aufnahmen seiner Äußerungen habe er später auch bei Youtube hochgeladen. Latzel selbst wies zuletzt alle Vorwürfe zurück und fühlte sich missverstanden. Es gibt eine Audiodatei von dem Seminar. Bis vor Kurzem war sie auf dem Youtube-Kanal des Pastors für jedermann frei zugänglich. Inzwischen wurde die Datei jedoch entfernt.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Bremen sind Teile von Latzels Äußerungen volksverhetzend, da sie den öffentlichen Frieden störten und zu Hass gegen einen Teil der Bevölkerung aufgrund sexueller Orientierung anstachelten. Zudem liege ein Angriff auf die Menschenwürde vor. Latzel bezeichnete sie als „Genderdreck“ und als „Angriff auf die göttliche Schöpfungsordnung“.

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Der Fall Latzel sorgt bereits seit längerem bundesweit für Aufsehen. So haben sowohl Gegner als auch Befürworter im Internet Petitionen gestartet. Im Fokus der Latzel-Anhänger steht außerdem weiterhin die Bremische Evangelische Landeskirche (BEK). Die spricht in einer Videobotschaft auf Youtube von massiven Beschimpfungen und sogar Drohungen gegen die Kirchenleitung. Der Kirchenausschuss hatte in einer Sitzung im Mai einstimmig beschlossen ein Disziplinarverfahren gegen Latzel einzuleiten. Die Kirchenleitung habe Latzel für diesen Freitag zu einem weiteren Dienstgespräch eingeladen, teilte eine Sprecherin mit. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die BEK eine einstweilige Verfügung gegen Latzel erwirkt hat, die ihm untersagt eine für kommende Woche geplante Bibelstunde abzuhalten.

Die Partei die Linke begrüßte das eröffnete Verfahren. Maja Tegeler, queerpolitische Sprecherin teilte mit: „Dass die Staatsanwaltschaft nun zumindest einen Tatverdacht der Volksverhetzung erkennt, ist ein wichtiges Zeichen für die Menschen, die durch Latzels Äußerungen diskriminiert und in ihrer Würde verletzt werden." Sie forderte weiter, dass endlich Konsequenzen folgten müssten.

++ Der Artikel wurde um 15.02 Uhr aktualisiert ++

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