Nach umstrittener Predigt Pastor Latzel und Landeskirche entschuldigen sich

Ein Bremer Pastor beleidigt in einer Predigt andere Religionen - und bringt die evangelische Landeskirche gegen sich auf. Jetzt entschuldigt er sich für einige Äußerungen - und die Landeskirche gleich mit.
03.02.2015, 19:24
Lesedauer: 2 Min
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Pastor Latzel und Landeskirche entschuldigen sich
Von André Fesser

Olaf Latzel hat sich entschuldigt. Nach der heftigen Kritik an seiner Predigt rudert der Pastor der evangelischen Gemeinde St. Martini nun offenbar zurück. Wie die Bremische Evangelische Kirche (BEK) am Dienstagabend mitteilte, haben sich Vertreter des Kirchenausschusses der BEK sowie Vertreter der Gemeinde gestern getroffen, um über Latzels umstrittene Aussagen vom 18. Januar zu sprechen.

Nach dem Gespräch erklärte die Landeskirche, Latzel habe sich „für alle Äußerungen, mit denen er Menschen anderer Religionen und Konfessionen diskriminiert und beleidigt hat, entschuldigt“. Die Martini-Gemeinde wolle außerdem im Rahmen des Gottesdienstes am kommenden Sonntag eine Erklärung abgeben.

Der als konservativ geltende Latzel hatte in seiner Predigt vor zweieinhalb Wochen das islamische Zuckerfest als „Blödsinn“, Buddha als „dicken, fetten Herrn“ und die Lehre der katholischen Kirche als „großen Mist“ bezeichnet. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Reliquien der katholischen Kirche beschimpfte er als „Dreck“. Kritik wies der 47-Jährige zurück: Er sei ausschließlich gegen eine Vermischung der Religionen.

Nach Bekanntwerden der Äußerungen war die Landeskirche auf Distanz gegangen, eine Haltung die BEK-Präsidentin Edda Bosse und Schriftführer Renke Brahms gestern noch einmal bekräftigten: Man entschuldige sich ausdrücklich gegenüber den muslimischen, buddhistischen und katholischen Gesprächspartnern sowie allen Bremern, die durch Latzel diskriminiert und beleidigt wurden, teilten die beiden mit.

Rund um die Martinikirche gehen die Meinungen in der Latzel-Affäre hingegen auseinander. Bei aller Kritik findet der Pastor vielfach auch Zustimmung – vor allem im Internet: So werden dort Unterschriften für eine Petition gesammelt, die an die Staatsanwaltschaft Bremen weitergegeben werden soll. Wie berichtet, prüft die Ermittlungsbehörde, ob die Predigt Latzels den Anfangsverdacht einer Straftat wie Volksverhetzung oder Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft erfüllt.

Im Netz solidarisieren sich die Anhänger unter dem Motto „Wir sind Olaf“. Die Kritik an der Predigt wird mit Begriffen wie „Rufmordkampagne“ und „Christenverfolgung“ in Verbindung gebracht. Bei Facebook hatten am Dienstagabend mehr als 4300 Unterstützer für den St.-Martini-Prediger „Gefällt mir“ angeklickt.

Dagegen haben sich Pastoren und andere kirchliche Mitarbeiter von Latzel distanziert. Theologen wollen am Mittwoch um 11.45 Uhr auf den Treppen des Doms „zusammenstehen“, um ihren Protest auszudrücken.

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