Bremer Ärzte skeptisch Patienten schneller zum Facharzt

Bremen. SPD und CDU wollen die Wartezeit für Termine beim Facharzt begrenzen. Ärztevertreter in Bremen und Niedersachsen halten nichts davon.
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Patienten schneller zum Facharzt
Von Alexander Tietz

Berlin/Bremen. Bis zu sechs Monate warten Patienten auf einen Termin beim Facharzt. Nach einem Vorschlag von Union und SPD soll das Geduldspiel eine Ende haben. Die künftigen Regierungsparteien wollen die Wartezeit auf vier Wochen begrenzen. Ärztevertreter in Bremen und Niedersachsen halten nichts davon.

Union und SPD wollen Patienten vor langen Wartezeiten beim Facharzt bewahren. In Berlin haben die Koalitionspartner in spe verabredet, dass gesetzlich Krankenversicherte innerhalb von vier Wochen einen Termin bekommen sollen. Wie die Gesundheitsverhandlungsführer Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) mitteilen, soll die Kassenärztliche Vereinigung (KV) innerhalb von vier Wochen einen verbindlichen Termin vergeben und Patienten an einen Facharzt vermitteln. Kommt innerhalb dieses Zeitraums kein Termin zustande, sollen Patienten das Recht erhalten, die Untersuchung ambulant in einem Krankenhaus vornehmen zu lassen.

Der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Jens Schmidt, hält die Begrenzung der Wartezeit für „ein effektives Mittel“. Zwar seien Krankenhäuser und Fachärzte ausgelastet, aber die Kassenärztliche Vereinigung werde nicht tatenlos zusehen und die Patienten weitervermitteln. Zudem hätten Fachärzte ein Interesse, kranke Menschen selbst zu behandeln. „Jeder Patient, den man an ein Krankenhaus verliert, ist eine verlorene Einnahme.“

Führende Vertreter des Gesundheitswesens reagieren mit Unverständnis. Jörg Hermann, Chef der KV Bremen, bezeichnet die Befristung der Terminvergabe als „vollkommen abwegig.“ Ähnlich sieht es die Präsidentin der Bremer Ärztekammer, Heidrun Gitter. Es mache keinen Unterschied, ob Patienten von einem ausgebuchten Facharzt zum nächsten geschickt werden oder ob sie im Anschluss an ein Krankenhaus verwiesen werden, das selbst mit der „ambulanten Versorgung der Patienten“ zu kämpfen hat. Am medizinischen Engpass ändere der Vorschlag von Union und SPD nichts. Der Vorstandsvorsitzende der KV Niedersachsen, Mark Barjenbruch, sieht ebenso wenig Bedarf für eine Neuregelung. „Das System ist ohnehin schon reichlich überreguliert.“

In Bremen praktizieren nach Angaben der KV Bremen etwa 670 Fachärzte und 330 Psychotherapeuten. In Krankenhäusern sind 77 Fachärzte angestellt. In Niedersachsen gibt es etwa 5500 Fachärzte. Für beide Länder ist nicht bekannt, wie lange Patienten auf einen Termin warten müssen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wartet jedoch jeder zehnte Befragte bundesweit mehr als drei Wochen auf einen Behandlungstermin. In Bremen komme es vor, dass Patienten bis zu sechs Monate keinen Termin erhalten, berichtet Anette Drewes-Kirchhoff, Leiterin der Unabhängigen Patientenberatung. Drewes-Kirchhoff begrüßt die Pläne der künftigen Bundesregierung, äußert jedoch Vorbehalte. „Für Patienten, denen egal ist, von welchem Arzt sie behandelt werden, ist es ein Gewinn. Für andere nicht.“

Bei den Bremer Krankenhäusern bleibt man unterdessen gelassen. Sie befürchten keinen Ansturm auf ihre Einrichtungen. „Ich glaube nicht, dass Tausende Patienten vor unseren Häusern stehen werden“, sagt Daniel Goerke, Sprecher beim Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord. Wenn der Wille von SPD und Union durchgesetzt werde, würde man die Aufgabe übernehmen, ohne den Vorschlag jedoch zu befürworten.

Nach Ansicht des Bremer KV-Chefs Jörg Hermann bleibe weiterhin unklar, inwiefern das Versorgungsproblem gelöst werde. Ärzte könnten – selbst wenn sie wollten – nicht mehr Patienten behandeln. Seit Einführung der Budgetierung im Jahr 1993 werden Fachärzte für ihre Leistungen nur solange bezahlt, wie es das Budget der Kassenärztlichen Vereinigung ermöglicht. In diesem Jahr stehen der KV Bremen etwa 230 Millionen Euro zur Verfügung. Die KV Niedersachsen hat ein Budget von etwa 3,1 Milliarden Euro.

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