Die einen wollen den Wiesenschulausbau jetzt, die anderen abwarten / Dreienkamp-Schule soll Kitaräume nutzen Pattsituation im Schulausschuss

Schwanewede. Moderne Unterrichtsformen, verlässliche Grundschule, Ganztagsbetreuung und Inklusion – das sind Stichwörter für die Veränderungen, die Schulen meistern müssen. Die neuen Aufgaben stellen die Bildungsstätten nicht nur vor pädagogische Herausforderungen, sondern auch vor räumliche Probleme.
13.11.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Moderne Unterrichtsformen, verlässliche Grundschule, Ganztagsbetreuung und Inklusion – das sind Stichwörter für die Veränderungen, die Schulen meistern müssen. Die neuen Aufgaben stellen die Bildungsstätten nicht nur vor pädagogische Herausforderungen, sondern auch vor räumliche Probleme. An manchen Schulen wird es eng, wie zwei Beispiele von Grundschulen in der Gemeinde Schwanewede zeigen.

Die Wiesenschule in Beckedorf und die Dreienkamp-Schule in Schwanewede klagen über Platznot. Die Beckedorfer haben bei der Gemeinde einen Anbau beantragt. 300 Quadratmeter, verteilt auf zwei Geschosse, sollen Platz schaffen für drei zusätzliche Räume. Im Schulausschuss, der sich bereits im September mit dem Anliegern der Beckedorfer beschäftigte, hat die Schule jetzt das von der Politik geforderte Konzept über die derzeitige und die künftig mit dem Anbau geplante Nutzung der Räumlichkeiten vorgelegt. Bei einem Rundgang durch die Schule konnten sich die Ausschussmitglieder am vergangenen Mittwoch mit eigenen Augen ein Bild von der Lage machen.

Derzeit verteilen sich die acht Klassen der zweizügigen Grundschule mit ihren 154 Schülern auf jeweils vier Klassenräume im Erd- und Obergeschoss. In jedem Stockwerk gibt es außerdem zwei Gruppenräume, die sich jeweils zwei Klassen teilen. Hier soll in leistungsdifferenzierten Teilgruppen gearbeitet werden. Auch der Deutsch- und Mathe-Förderunterricht soll hier erfolgen. Die Praxis sieht laut Schulleitung anders aus: Ein Gruppenraum für zwei Klassen sei zu wenig. Eine Klasse und eine Fördergruppe müssten regelmäßig in die Aula oder auf den Flur ausweichen.

„In der Aula finden manchmal drei verschiedene Unterrichtsangebote zur selben Zeit statt.“ Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf würden in der Aula unterrichtet, weil Differenzierungsräume fehlen würden. Auch der Musikunterricht und unterrichtsergänzende Veranstaltungen wie das „Leseeltern-Projekt“ spielen sich aus Platzmangel in der Pausenhalle ab. Durch die Aula bewege sich der gesamte Publikumsverkehr der Schule, ein ungestörter Unterricht sei nicht möglich.

Auch ein Raum für den Computer-Unterricht fehlt in Beckedorf. Derzeit werde ein Kellerraum genutzt. „Der ist aus sicherheitstechnischer und gesundheitlicher Sicht aber für den Unterricht nicht geeignet.“ Mit einer Notlösung behelfe man sich für die Schulbücherei. Der derzeit genutzte Raum sei zu klein. Bücherarbeit mit einer Lerngruppe etwa sei dort nicht möglich.

Der Anbau an der Giebelseite des Klassentraktes soll Abhilfe schaffen. Die Pläne der Schule: Im Erdgeschoss soll ein großer Raum für den Musikunterricht und verschiedene Arbeitsgruppen entstehen und im Obergeschoss zwei Klassenräume und ein Gruppenraum. Zwei Klassen aus dem Altbau sollen in den Neubau wechseln. Die frei werdenden Räume im Altbau sollen als Schulbücherei und Computerraum genutzt werden. Bei Bedarf könnten sie auch als Differenzierungsräume oder für den Förderunterricht genutzt werden. Der jetzige Bücherei-Raum könne als Zimmer für Elterngespräche dienen, die derzeit im Lehrerzimmer oder Schulleiter-Büro geführt werden müssen.

Dass die Wiesenschule mehr Räume nötig hätte, darin waren sich grundsätzlich alle Fraktionen im Ausschuss einig. Die Verwaltung hatte dem Ausschuss eine Übersicht über die pädagogisch genutzten Räume an allen Grundschulen vorgelegt. Im Vergleich mit anderen Grundschulen sei die Zahl der Fach- und Gruppenräume in Beckedorf knapp bemessen, hieß es vonseiten des Ausschusses. CDU und Wählergemeinschaft beantragten, dem Wunsch der Schule für einen Anbau nachzukommen. Auch die SPD-Fraktion sah das Platzproblem, scheute aber die prognostizierte Kosten von 595 000 Euro für den Anbau. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei das derzeit nicht finanzierbar. In eineinhalb Jahren solle die Schule ihr Anliegen noch mal vorbringen, beantragte die SPD. Am Ende gab es eine Pattsituation: Beide Anträge fanden eine Mehrheit. Verwaltungsausschuss und Rat müssen nun entscheiden.

Mehr Platz braucht die Dreienkamp-Schule in Schwanewede. Die Schulleitung möchte den Kindergartentrakt im Schulgebäude als Klassenräume nutzen. Die Kindergarten-Räume stehen bis auf eine Regelgruppe leer. Zwei Regelgruppen sind bereits in den Kindergarten-Neubau am Dreienkamp umgezogen, eine Krippengruppe ist nach den Sommerferien in die Räume der früheren Dammschule gewechselt.

Nach Ansicht der Schulleitung ist der Kindergartentrakt ideal für Klassenräume mit direkt angeschlossenen, einsehbaren Gruppenräumen. Die Nebenräume brauche die Schule als Rückzugsmöglichkeit für Inklusions- und Förderkinder. Derzeit gebe es an der Schule nur zwei Klassenräume mit einem entsprechenden Nebenraum. In einem Fall werde der Gruppenraum noch von einer Nachbarklasse mitgenutzt. Im Kindergarten-Bereich möchte die Schule zwei dritte Klassen mit mehreren Förderkindern unterbringen.

Die durch den Umzug frei werdenden Unterrichtsräume könnten von anderen Klassen für Gruppenarbeiten genutzt werden. Laut Schulleiter Tigges wird sich der Raumbedarf an der Dreienkamp-Schule im kommenden Jahr erhöhen. Zum 1. Februar soll eine Sprachlernklasse für Flüchtlingskinder starten. Außerdem rechne er angesichts steigender Schülerzahlen zum kommenden Schuljahr mit der Einrichtung einer zusätzlichen elften Klasse. Die Schule soll die Kita-Räume bekommen, waren sich der Schulausschuss und der Ausschuss für außerschulische Kinderbetreuung in gemeinsamer Sitzung einig. Die Gemeinde soll Möglichkeiten prüfen, in der Ortschaft Schwanewede andernorts neue Kindergarten-Gruppen einzurichten.

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