Vermüllte Grünflächen ärgern Bürger

Das stinkt zum Himmel

Verpackungen, Glasscherben, Hundekot: Vermüllte Grünflächen ärgern viele Bremerinnen und Bremer. Auch Vandalismus ist ein Problem. Aber es gibt auch positive Beispiele: freiwilliges Müllsammeln macht Schule.
06.05.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Britta Kluth
Das stinkt zum Himmel

Freiwilliges Engagement: Maren Kotzyba (von links), Henna Virtanen und Mandy Nowak mit Kian Luis haben sich zum Müllsammeln getroffen.

PETRA STUBBE

Nachmittags in der Pauliner Marsch. Eine Frau entsorgt ihren Pappbecher im Mülleimer. Alles richtig gemacht – wenn der Abfallbehälter unten nur nicht offen wäre. Die Frau guckt kurz überrascht, als der Becher auf den Erdboden rauscht, dort bleibt er dann auch liegen. „Kein Einzelfall“, sagt Hubert Marsollek vom Bremer Umweltbetrieb, „einmal kräftig mit dem Fuß dagegen getreten und die Klappen zum Leeren hängen herunter. Das passiert leider regelmäßig.“ Die Behälter haben zwar einen Abschließmechanismus, der schütze aber nicht vor Gewalteinwirkung. Über den Vandalismus und all die verstreuten Hinterlassenschaften auf der grünen Wiese kann Marsollek nur den Kopf schütteln. „Das nimmt jedes Jahr mehr Überhand“, hat er beobachtet. „Da können wir noch so viele Behälter aufstellen, die Menschen müssen ihren Müll auch dort entsorgen.“ Es sei unglaublich, wie rücksichtslos sich manche verhalten. Erwische man jemanden auf frischer Tat und spreche ihn darauf an, bekomme man oft Beleidigungen oder gar Drohungen als Antwort, wie er selbst schon hat erfahren müssen.

Freiwillige sammel Müll

Henna Virtanen, Maren Kotzyba und Mandy Nowak mit Sohnemann Kian Luis hat das Müllproblem dermaßen gestunken, dass sie zur Tat geschritten sind. Ausgerüstet mit Handschuhen und Müllsäcken sammeln sie auf den Grünflächen rund um das Weserstadion alles, was andere achtlos weggeworfen haben. Freiwillig in ihrer Freizeit. Schnell füllen sich ihre Tüten mit Plastikflaschen, To-go-Verpackungen, Essensresten, Getränkedosen und anderem Unrat. Auch der kleine Kian Luis packt fleißig mit an. „Ich habe bewusst meinen Sohn mitgenommen. So lernt er, aktiv etwas für die Umwelt zu tun“, sagt Mandy Nowak. Die Freundinnen haben sich zum ersten Mal zum Müllsammeln verabredet. „Bei mir hat ein Vogelnest im Vorgarten das Fass zum Überlaufen gebracht“, erzählt Henna Virtanen. „Es bestand zu 50 Prozent aus Plastikresten. Da dachte ich, anstatt nur spazieren zu gehen, kann ich dabei gleich etwas Sinnvolles tun.“ Maren Kotzyba hat schon einmal an einer ähnlichen Aktion am Werdersee teilgenommen. „In zwei Sunden haben wir allein über 400 Zigarettenstummel gefunden“, erinnert sie sich. „Vielen ist gar nicht bewusst, wie viel Gift in so einer Zigarettenkippe steckt.“ Eines steht fest, die drei wollen sich in Zukunft wieder zum gemeinsamen Saubermachen verabreden.

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Auch Jan Möller sieht die Müllberge an der Weser von Jahr zu Jahr wachsen. Mit seinem Hund Max ist er fast täglich am Fluss zwischen Ambiente und Wehrschleuse unterwegs. Die Hundehaufen entfernt er selbstverständlich, das stellt er gleich klar, so wie viele andere es ebenfalls tun würden. „Die meisten machen es weg. Aber unter den Hundebesitzern finden sich halt genauso Ignoranten.“ Der Hastedter ärgert sich vor allem über die zahlreichen Glasscherben, die nicht nur für Hundepfoten gefährlich seien, sondern eben auch für Kinder, Barfußläufer und Fahrradreifen. Besonders am Wochenende liegen vielerorts kaputte Flaschen herum. Er kenne so einige Hundebesitzer, darunter er selbst, die auf ihren Gassigängen regelmäßig Glasscherben einsammeln. Ihm graue jetzt schon vor den wärmeren Temperaturen, wenn es noch mehr Menschen an die Weser zieht.

Stadtreinigung erhöht Anzahl der Tonnen

Die Bremer Stadtreinigung hat sich darauf eingestellt. Zumindest so gut es geht. „Wir erhöhen jedes Jahr die Zahl der Saisongefäße“, sagt Pressesprecherin Lena Endelmann. „Zwischen Osterdeich und Weserwehr haben wir 30 zusätzliche 120-Liter-Tonnen geplant, einige davon stehen schon. Außerdem werden vom ersten Mai bis Ende Oktober die Wochenendreinigungen der Grünflächen vorgezogen und jeden Samstag und Sonntag gesäubert.“ Damit sei ein hoher Personaleinsatz verbunden, anders könne man das Problem aber nicht in den Griff kriegen. „Bei gutem Wetter versuchen wir, die Behälter täglich zu leeren, zum Teil sogar mehrmals. Irgendwann stoßen wir aber einfach an unsere Grenzen“, sagt Endelmann. „Wir müssen weiterhin versuchen, die Menschen dahingehend zu bewegen, sorgsamer mit der eigenen Umwelt umzugehen.“ Sie weiß, dass sich gerade an der Weser viele Bremerinnen und Bremer größere Abfalleimer wünschen oder welche mit Deckel, damit Krähen sich nicht den Müll stibitzen und in der Gegend verstreuen können. „Leider sind die Anforderungen an die Behälter wegen der Hochwassergefahr streng. Uns sind da vielfach die Hände gebunden.“

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Mit Kontrollteams rückt die Bremer Stadtreinigung Sündern schon seit Längerem zu Leibe. Die suchen buchstäblich im Müll nach Hinweisen und werden auch immer wieder fündig. „Außerdem gibt es Abfallberater für jeden Stadtteil, die mit den Menschen draußen ins Gespräch gehen, aber ebenso Schulklassen besuchen oder mit Infoständen auf Plätzen und Märkten präsent sind. Momentan macht uns da allerdings Corona einen Stich durch die Rechnung. Wir mussten die meisten Aktionen absagen, weil sie gegen die Pandemie-Maßnahmen verstoßen hätten.“ Der Pressesprecherin liegt vor allem die Arbeit mit den Schulen am Herzen. Die habe eine enorm wichtige Funktion für die Zukunft. In außerschulischen Aktionen wie die „Tour Global“ und die „Tour de Müll" werden die Kinder und Jugendlichen spielerisch an das Thema herangeführt. Wer von klein auf lerne, Müll richtig zu trennen oder gar zu vermeiden und ihn korrekt zu entsorgen, gehe auch als Erwachsener achtsam und verantwortungsbewusst damit um. Aber, betont Endelmann, natürlich sei es in keinem Alter zu spät, ein verändertes Verhalten zu entwickeln.

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Vandalismus bleibt ein Problem

Für die Bremer Stadtreinigung bleibt zudem der Vandalismus ein großes Problem. „Wir müssen regelmäßig die Behälter reparieren oder neu anschaffen. Das sind enorme Kosten. Die 120-Liter-Tonnen haben wir jetzt angekettet, damit sie nicht irgendwann in der Weser schwimmen.“ Es wäre schön, wenn alle Menschen die Grünflächen so hinterlassen, dass auch die Nachfolgenden ihren Spaß haben, wünscht sich die Pressesprecherin. Schließlich seien die Wiesen für alle Bremerinnen und Bremer gedacht.

Info

Zur Sache

Unterstützung bei der Ausstattung

Wer freiwillig Müll sammeln will, den unterstützt die Bremer Stadtreinigung mit Equipment wie Müllsäcke, Handschuhe, Greifer oder Bollerwagen. Informationen und Anmeldung auf www.die-bremer-stadtreinigung.de unter „Stadtsauberkeit“ und „Gemeinsam für ein sauberes Bremen“.

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