Zahlen der Arbeitnehmerkammer

72 Prozent der Pendler nach Bremen nutzen Autos

Laut einer Studie der Arbeitnehmerkammer nutzen die meisten Pendler Privat- oder Dienstwagen, um zu ihren Arbeitsplätzen in Bremen oder Bremerhaven zu kommen.
05.08.2020, 05:11
Lesedauer: 2 Min
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72 Prozent der Pendler nach Bremen nutzen Autos
Von Nina Willborn
72 Prozent der Pendler nach Bremen nutzen Autos

Stockender Berufsverkehr: ein gewohntes Leid für Pendler.

Rolf Vennenbernd

Wer nicht in Bremen wohnt, aber hier arbeitet, setzt sich für den Weg meistens ins Auto: Laut dem aktuellen Pendler-Bericht der Arbeitnehmerkammer nutzen 72 Prozent private Autos oder Dienstwagen. Bei den Einpendlern, die in Bremerhaven arbeiten, sind es sogar 86 Prozent. Bei den Nicht-Pendlern in Bremen liegt die Auto-Quote bei 44 Prozent, 28 Prozent nutzen das Fahrrad und 23 Prozent Bus oder Straßenbahnen. Laut Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, spiegeln die hohen Zahlen eine fehlende Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs wider.

„Oft fehlen die Alternativen, um aus dem Umland in angemessener Zeit in die Städte zu kommen“, sagt Schierenbeck „Nicht nur die Verbindungen zwischen Bremen und Bremerhaven und in das Umland müssen sich verbessern, auch innerstädtisch muss sich der Nahverkehr weiterentwickeln.“ In Bremen müssten laut dem Hauptgeschäftsführer vor allem Gewerbegebiete wie Hansalinie oder das Güterverkehrszentrum einfacher auch mit Bus oder Bahn erreichbar sein.

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Viele Pendler aus der Autobranche

Die Zahlen der Einpendler sind im Jahr 2019 laut dem Papier leicht zurückgegangen. Ihre Quote lag mit 42,7 Prozent unter der des Vorjahres (43 Prozent). Insgesamt betrug die Zahl der Menschen, die aus Jobgründen regelmäßig nach Bremen oder Bremerhaven fahren, rund 142 700 – etwa vier von zehn Beschäftigten.

Die Anzahl der Menschen, die den umgekehrten Weg nimmt, also von der Wohnung in Bremen oder Bremerhaven zur Arbeitsstelle in einer anderen Stadt, lag 2019 bei knapp 58 300 (23,3 Prozent), laut Arbeitnehmerkammer ein kleines Plus von zwei Prozent. Als Gründe nennt die Kammer die schon vor Corona abgeschwächte Konjunktur sowie Verlagerungen von Betrieben ins Umland.

Mit 58,3 Prozent die meisten Einpendler arbeiten laut der Kammer-Statistik, die auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit basiert, in der Automobilbranche. Aber bei den Finanzdienstleistungen oder in der IT-Branche ist der Einpendleranteil mit 50 Prozent beziehungsweise 45 Prozent sehr hoch, heißt es in der Studie. Bei den Auspendlern arbeiten mit 41,7 Prozent viele in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie oder im Großhandel (35,5 Prozent).

Was laut der Arbeitnehmerkammer vor allem bei Bremerhaven auffällig ist, ist der mit 60 bis 80 Prozent sehr hohe Anteil an gut qualifizierten „Wissensarbeitern“, die aus der Seestadt zu ihren Jobs in Architekturbüros oder IT-Firmen in anderen Orten pendeln. Schierenbeck: „Unser Ziel muss es sein, dass diese gut qualifizierten Wissensarbeiter auch in Bremen und Bremerhaven entsprechende Jobs vorfinden.“

Homeoffice als Entlastung

Insgesamt wohnt der größte Teil der Pendler in einem Umkreis von weniger als 30 Kilometern um Bremen oder Bremerhaven. Wer weiter entfernt wohnt, also etwa in Oldenburg oder Cuxhaven, gilt laut der Arbeitnehmerkammer als Fernpendler. Fast 7500 Arbeitnehmer pendeln aus Hamburg (2721), Berlin (1062) oder München (297). Vor allem Pendler mit sehr langen Arbeitswegen leiden häufig unter gesundheitlichen Beschwerden wie Rücken- und Nackenproblemen sowie Erschöpfung und erhöhter Reizbarkeit.

Letztere betrifft vor allem Männer. Einer Studie der Techniker-Krankenkasse zufolge scheint langes Pendeln häufiger mit einer ungesunden Ernährung und gesteigertem Konsum von Suchtmitteln und Medien zusammenzuhängen. Laut einer Umfrage von Yougov und Statista, die die Kammer zitiert, ist die Möglichkeit des Homeoffice, das im Moment viele Betriebe ermöglichen, für Pendler ein besonderer Gewinn. „Deshalb sollte jetzt auch ein Anspruch auf Homeoffice geschaffen werden“, sagt Schierenbeck.

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