Fachkräftemangel an Schulen in Bremen

Pensionierter Lehrer klagt über geringen Stundenlohn

Immer wieder beschweren sich pensionierte Lehrer über den geringen Stundenlohn, den sie bei der Bremer Bildungsbehörde bekommen. Nun legt einer von ihnen seinen Gehaltszettel vor.
03.07.2018, 06:09
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Pensionierter Lehrer klagt über geringen Stundenlohn
Von Kristin Hermann
Pensionierter Lehrer klagt über geringen Stundenlohn

Pensionierte Lehrer könnten stundenweise aus ihrem Ruhestand zurückkehren, um an ihren alten Schulen auszuhelfen. Doch für viele lohnt sich der finanzielle Ausgleich nicht.

dpa

Eigentlich müsste der 73-Jährige schon seit acht Jahren nicht mehr arbeiten. Als verbeamteter Lehrer bezieht er eine Pension, mit der er gut auskommen kann. Doch das Unterrichten bereitet ihm Freude und seine Schule bedeutet ihm etwas, sagt er. Weil dort Personal dringend benötigt wird, unterrichtet er nach wie vor 16 Stunden in der Woche – unter anderem Deutsch, Mathematik, Gesellschaft und Politik. Eines ärgert den 73-Jährigen bei all dem Enthusiasmus für seinen Beruf dann aber doch: Der geringe Stundenlohn, den er von der Bildungsbehörde bezahlt bekommt. Dieser liegt nämlich weit unter dem, was er vor seinem Renteneintritt als Lehrer verdient hat.

Wie viele andere Lehrer, die sich in Bremen über einen Sachverhalt beschweren, will der Pensionär seinen Namen nicht in der Zeitung lesen – aus Angst, ihm selbst oder seiner Schule könnte durch die öffentliche Beschwerde ein Nachteil entstehen. Pro Stunde bekommt er laut der offiziellen Abrechnung der Behörde 13,29 Euro brutto die Stunde, netto bleiben ihm nach eigenen Angaben zwischen zehn und elf Euro. „Das ist ein Witz. Für diesen Stundenlohn werden nicht viele Lehrer in den Dienst zurückkehren“, sagt der 73-Jährige.

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Damit spielt er auf die aktuellen Probleme der Behörde von Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) an, die händeringend nach Fachkräften sucht. Wie berichtet, fehlen nach den Sommerferien etwa 100 Stellen, die nun voraussichtlich mit Versetzungen ausgeglichen werden müssen. Zu den Maßnahmen gegen den Lehrermangel gehören auch spezielle Programme für Senioren. Wer sich schon vor seiner Pensionierung dafür entscheidet, weiter zu arbeiten, bezieht nach Angaben des Bildungsressorts weiterhin sein reguläres ­Gehalt.

Magerer Rücklauf

Vor einigen Wochen hat die Behörde zudem etwa 550 pensionierte Lehrkräfte angeschrieben und sie darum gebeten, an ihre alten Schulen zurückzukehren und sie zu unterstützen. Bisher ist der Rücklauf jedoch mager. Bis Ende April hatten sich nur neun Lehrkräfte zurückgemeldet. Der 73-Jährige glaubt, dass die wenigen Rückmeldungen auch etwas mit der Bezahlung zu tun haben könnten. Er hat deshalb vor wenigen Wochen selbst Kontakt zu der Behörde aufgenommen und den Austausch über das Problem gesucht.

Ein Vertreter des Ressorts stimmt dem Pensionär sogar zu: „Ich gebe Ihnen Recht, dass diese Beträge – gerade auch vor dem Hintergrund des aktuellen Lehrermangels – sehr gering anmuten“, schreibt ein leitender Mitarbeiter in seiner Antwort, die dem WESER-KURIER vorliegt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Lehrer im Ruhestand über den geringen Stundenlohn bei dieser Zeitung ­beschweren.

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Die Pressestelle der Bildungsbehörde reagiert auf die Kritik zurückhaltend und lässt einige Fragen auch nach mehreren Tagen Bearbeitungszeit unbeantwortet. „Bei den Pensionären handelt sich um Personal, das volle Ruhestandsgehälter von Bremen bekommt. Deswegen ist bisher der regelhafte Zuverdienst sehr niedrig“, räumt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde, ein. Jedoch weißt sie daraufhin, dass der Stundensatz auf 15,79 Euro angehoben wurde.

Keine baldige Verbesserung in Sicht

Bei dem 73-Jährigen ist diese Veränderung auf dem Gehaltszettel bisher jedoch noch nicht angekommen, sagt er. Auch bei dem leitenden Mitarbeiter, der ihm im Mai auf die Beschwerde des Deutschlehrers antwortete, klingt es nicht danach, als sei eine baldige Verbesserung in Sicht: „Ich gehe nicht davon aus, dass sich das derzeitige Honorar kurzfristig spürbar erhöhen wird“, schreibt er.

Was den Bremer Lehrer am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass Angestellte bei dem Verein Stadtteilschule, dem größten Personaldienstleister für die Bildungsbehörde, deutlich mehr verdienen. Sie werden nach dem gängigen Tarif bezahlt. Bei der Stadtteilschule arbeiten nach Angaben der Behörde bereits knapp 80 Pensionäre. Hinzu kommen 15 weitere Lehrkräfte, die ihren Vertrag bei der senatorischen Behörde für Kinder und Bildung verlängert haben.

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