Weihnachtsbaum-Verkauf in Bremen Perfekt soll die Nordmanntanne sein

Die Bremer sind in diesen Tagen wieder auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum. Zwei Verkäufer erzählen von ihren Erfahrungen.
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Perfekt soll die Nordmanntanne sein
Von Nina Willborn

„Der Trend geht zum Zweitbaum.“ Das sagt Alexander Wichmann, und er muss es wissen, denn er lässt seit sieben Jahren immer im Dezember seinen Job als Mediengestalter ruhen und beschäftigt sich stattdessen mit den Weihnachtsbaumwünschen der Bremer. Für den Forsthof Prüser aus Hellwege verkauft Wichmann Tannen und Fichten am Hulsberg in Hastedt, eigentlich aber hauptsächlich Nordmanntannen. „95 Prozent inzwischen, Fichten kaufen die Bremer nur noch vereinzelt“, schätzt er.

Und sie kaufen eben oft zwei Bäume, einen für draußen und einen für drinnen. „Im Dezember haben die meisten zusätzlich das Weihnachtsgeld auf dem Konto, da sitzen die Euros ein bisschen lockerer“, sagt Wichmann, für den der Job eine Herzensangelegenheit ist. „Mein Vater hat lange Jahre als Weihnachtsmann gearbeitet, ich mache die Bäume. Weihnachten liegt uns als Familie irgendwie im Blut.“

Zwei Phasen des Kaufes

Seiner Erfahrung nach gibt es zwei Gruppen von Käufern: Die einen, „eher die Generation 60 plus mit ihren großen Häusern“, schleppt gerne große, repräsentative Bäume in eben jene, junge Familien dagegen entscheiden sich oft für die kleinere Version. Die älteren kämen eher morgens, die jüngeren eher am späten Nachmittag – klar, wegen der Arbeitszeiten.

Und so wie es zwei Käufer-Gruppen gibt, beobachtet Wichmann auch zwei Phasen des Kaufes: In der ersten Woche kommen viele an seinen Stand, begutachten das Angebot, informieren sich über die Preise – und gehen dann weiter. Erst in der zweiten Woche, meistens um den dritten Advent herum, kommen sie wieder und kaufen. Dann wird „durchgenetzt“, so nennt es Wichmann, wenn er einen Baum nach dem anderen durch den Trichter schiebt, mit dessen Hilfe das Transportnetz über das Geäst gestülpt wird. „Da ist es dann oft schon 17 Uhr, wenn ich das erste Mal auf die Uhr gucke“, sagt Wichmann.

Viele Bremer bleiben „ihrem“ Weihnachtsbaumstand treu, und so sieht Wichmann Winter für Winter Familien, deren Bäume parallel zum Alter der Kinder mitwachsen. Überhaupt, die Kinder und ihr Staunen, wenn er ihnen erklärt, dass der „Tannebaum“ – als stolzer Tagebaren vernuschelt Wichmann gerne mal den einen oder anderen Buchstaben – vor dem sie stehen, doppelt so alt ist wie sie selbst. Meistens um die acht bis zehn Jahre. „Dann verstehen auch viele Erwachsene, warum ein Baum eben kostet, was er kostet.“

Knapp 20 Euro muss man für einen Meter eines Prüser-Baums ausgeben, ein zwei Meter hoher Baum liegt also bei rund 40 Euro. Bäume im Topf sind auch im Sortiment. Aber vor allem bei den Nordmanntannen gehe das spätere Umpflanzen in den Garten daneben, sagt der Experte. Der Grund: Ihr Wurzelwerk reicht in der Natur bis tief in den Boden, das der Topftannen ist meistens schon zu stark gestutzt. „Bei Fichten ist das anders, das sind Flachwurzler. Da kann es in bis zu 40 Prozent gut gehen“, sagt Wichmann.

Meistens setzen sich die Frauen durch

Knapp zwei Kilometer westlich am Ostertorsteinweg springt die Kettensäge von Nils-Ferdinand Lütje erst im vierten Versuch an. Aber dann geht's zack, zack. Ein Schwung nach rechts, ein Schwung nach links, schon ist der Stamm der stattlichen Nordmanntanne so zurecht gesägt, dass sie in den Christbaumständer passt. Auch am Stand der Ottersberger Baumschule Haase Böschen stehen überwiegend Exemplare der in Deutschland mit Abstand beliebtesten Weihnachtsbaum-Art.

Lütje hat auch vier Meter hohe Vertreter im Angebot, gerne genommen von den Bewohnern der repräsentativen Altbauwohnungen rundherum. Die Dame, die er eben bedient hat, wollte lieber einen kleineren Baum, „so um die zwei Meter, aber bitte schlank“. Der Entscheidungsprozess brauchte dann seine Zeit – lieber den mit mehr Ästen, aber dafür schiefer Spitze oder den mit gerader Spitze, aber einer kleinen Unwucht im unteren Teil?

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„Die meisten Kunden wollen, dass alles optimal verzweigt ist“, erzählt Lütje. Hingegen hätten es „naturnahe“ Bäume oft ein bisschen schwerer, die Herzen der Baumsucher zu erreichen. „Wir bieten auch Bäume aus dem Wald an. Da muss man dann aber Mut zur Lücke mitbringen.“ Zu groß, zu klein, zu schief, zu durchsichtig, zu pieksig: Darf der perfekte Baum alles nicht sein. Meistens, da sind sich Lütje und Wichmann einig, setzen sich bei Paaren die Frauen durch. „Und wenn bei Familien ein Kind sagt ,Der isses!', dann isses der auch“, sagt Alexander Wichmann.

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