Kita-Studie von Bertelsmann Personalsituation in Bremer Kitas wird schlechter

In Kitas fehlt Personal. Einer Bertelsmann-Studie zufolge braucht Deutschland 106.500 zusätzliche Erzieher. Bremen liegt im bundesweiten Ranking im Personalschlüssel auf Platz fünf.
26.09.2019, 05:05
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Personalsituation in Bremer Kitas wird schlechter
Von Lisa-Maria Röhling

Die Personalsituation in Bremer Kitas hat sich zwischen 2013 und 2018 verschärft: Sowohl in Krippen als auch in Kitas müssen einzelne Erzieher mehr Kinder betreuen als fünf Jahre zuvor. In Bremen musste sich 2018 eine Betreuerin um 3,5 Krippenkinder kümmern, in der Kita waren es 8,3. Zum Vergleich: Fünf Jahre zuvor lag die Quote bei den Krippen bei 3,2 Kindern pro Fachkraft, bei den Drei- bis Sechsjährigen waren es 7,7. „Die Personalschlüssel in Bremen haben sich verschlechtert und sind nicht mehr kindgerecht“, sagt Kathrin Bock-Famulla, eine der Autorinnen der Studie „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann-Stiftung.

Zwar landet Bremen im Vergleich mit anderen Bundesländern auf dem fünften Platz. Das bedeutet: Die Quote, wie viele Kinder auf eine Fachkraft fallen, ist niedriger als andernorts. Allerdings ist die Hansestadt das einzige Bundesland, in dem sich diese Zahl verschlechtert hat. Welche Konsequenzen das kleinste Bundesland daraus ziehen müsste, machen die Autoren deutlich: Demnach benötigen Kitas und Krippen in Bremen rechnerisch 240 zusätzliche Vollzeitstellen, um eine kindgerechte Betreuung gewährleisten zu können. Bundesweit fehlen demnach 106 500 Fachkräfte.

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Gleichzeitig besuchen in Bremen verhältnismäßig wenig Kinder unter drei Jahren eine Krippe: Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurde im März – also vor Start des aktuellen Kita-Jahres – etwas mehr als jedes vierte Kind (28,4 Prozent) in einer Einrichtung betreut. Nur in Nordrhein-Westfalen war die Betreuungsquote mit 28,2 Prozent noch niedriger. In Niedersachsen besuchte dagegen knapp jedes dritte Kind (32,1 Prozent) eine Krippe. Damit liegt Niedersachsen knapp unter dem Bundesschnitt: Der lag bei 34,4 Prozent.

Dagegen steht Niedersachsen beim Personalschlüssel schlechter da als Bremen: In Krippengruppen war dort laut Bertelsmann-Stiftung eine Fachkraft für 3,8 Kinder zuständig, bei den Drei- bis Sechsjährigen waren es 7,9. Damit hat sich Niedersachsen – im Gegensatz zu Bremen – im Vergleich zu 2013 deutlich verbessert: In Krippengruppen hatte fünf Jahre zuvor noch eine Erzieherin 4,2 Kinder in ihrer Obhut, in den Kitas waren es sogar 8,7 Kinder.

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Den von Bertelsmann als kindgerecht empfohlenen Personalschlüssel erreichen beide Länder nicht: Der liegt für Kinder unter drei Jahren bei einer Betreuerin für drei Kinder, bei den Drei- bis Sechsjährigen bei einer Betreuerin für 7,5 Kinder. Zudem, sagt Studienautorin Bock-Famulla, sei der Betreuungsschlüssel im Alltag wesentlich schlechter. Demnach verbringen Fachkräfte ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit nicht pädagogischen Aufgaben wie Elterngesprächen und Bildungsdokumentationen. Längere Ausfallzeiten durch Krankheiten oder Fortbildungen verschlechterten die Betreuungssituation weiter, vor allem, wenn kein Vertretungspersonal zur Verfügung stehe. In Bremen zeigte sich der Personalengpass zuletzt in der Grippezeit, als zahlreiche Gruppen und ganze Einrichtungen schließen mussten.

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Wegen dieser Faktoren unterscheiden die Studienmacher zwischen einem Personalschlüssel und einer Fachkraft-Kind-Relation: Während der Personalschlüssel ein rechnerischer Wert ist, beschreibt die Fachkraft-­Kind-Relation die tatsächliche pädagogische Arbeitszeit. Nach der Einschätzung der Macher sind die bereinigten Zahlen in Bremen schlechter: In Krippengruppen muss sich eine Erzieherin um 5,3 Kinder kümmern, in der Kita um 12,3 Kinder. In Niedersachsen sind es in der Krippe 5,6 Kinder, in der Kita 11,8. Einen deutlichen Unterschied bei der bereinigten Quote gibt es zwischen den Bundesländern in Ost und West: In den zehn westdeutschen Bundesländern zusammengenommen ist eine Kraft für 12,2 Kinder zuständig, im Osten sind es hingegen 17,7 Kinder.

Im Bertelsmann-Ranking steht Baden-­Württemberg beim rechnerischen Personalschlüssel am besten da, gefolgt von Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Bayern. Am schwächsten sei die Personallage im Osten. Ähnlich wie in Bremen hat sich auch in Thüringen die Personallage verschlechtert. Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder Hamburg hätten sich klar verbessert, Mecklenburg-Vorpommern bleibt trotz eins Qualitätssprunges das Schlusslicht.

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