1860-Präsident im Interview Peter Scheuer:"Fokus auf eigene Sportanlagen legen!"

Statt Sportstätten zu mieten und so von der Politik abhängig zu sein, ist Bremen 1860 Herr in seinen eigenen Hallen. Timo Sczuplinski sprach mit Präsident Peter Scheuer darüber, was andere Bremer Vereine sich von 1860 abschauen könnten.
31.03.2015, 00:00
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Peter Scheuer:
Von Timo Sczuplinski

Statt Sportstätten zu mieten und so von der Politik abhängig zu sein, ist Bremen 1860 Herr in seinen eigenen Hallen. Timo Sczuplinski sprach mit Präsident Peter Scheuer darüber, was andere Bremer Vereine sich von 1860 abschauen könnten.

Herr Scheuer, Vereine leiden fast überall in Bremen unter maroden Hallen. Bei 1860 ist Ihnen so etwas fremd. Wie kommt‘s?

Peter Scheuer: Wir haben fast ausschließlich vereinseigene Sportstätten. Elf sind es mittlerweile – mit den unterschiedlichsten Anforderungsprofilen. Das löst uns natürlich von dieser Problematik. Das ist aber auch Fluch und Segen zugleich.

Warum?

Einerseits sind wir dadurch unabhängig. Wir können machen, was wir für richtig halten. Wir können mit der Vermietung von Hallen selbst Einnahmen erzielen. Aber: Wir tragen auch die Betriebs- und Modernisierungskosten alleine. Alles, was da mit dranhängt, haben wir an der Backe. Wir haben die alten Hallen bereits vor vielen Jahren energetisch für viele Hunderttausend Euro saniert. Das allermeiste haben wir selbst bezahlt. Wir kriegen zwar auch kleine Förderungen für bauliche Dinge. Aber das ist zunehmend weniger geworden.

Wie finanzieren Sie das?

Wir sind sicherlich der Sportverein in Bremen mit den höchsten Beitragssätzen. Dafür können sich die Mitglieder bei uns aber auch darauf verlassen, dass sie Sportstätten in einem erstklassigen Zustand vorfinden.

Ist das ein Weg, den sich nur ein Großverein wie 1860 leisten kann?

Das will ich so nicht sagen. Auch mehrere kleine oder mittelgroße Vereine haben die Möglichkeiten zu kooperieren; gemeinsam ein Projekt zu entwickeln, mit dem sie sich unabhängiger machen können. Man darf das aber nicht gleich mit Fusionen verwechseln. Kein Verein soll seine Identität aufgeben. Vereine sollten aber insgesamt viel stärker den Fokus auf eigene Sportanlagen legen! Da muss man dann auch über neue Standorte nachdenken.

Das dürfte vielen schwerfallen.

Wichtig ist doch dabei, nicht immer nur das Risiko zu sehen, sondern auch die Chancen. Eine gemeinsame Nutzung von Hallen macht alles rentabler, man kann die Kosten besser umlegen. Vereine sollten wegkommen von der Abhängigkeit, selbst nur Mieter zu sein. Das geht nur über Kooperationen. Das wird leider noch von vielen meiner Amtskollegen anders gesehen.

Woher kommt diese Zurückhaltung?

Jeder Schritt dorthin ist Neuland. Und die Vereine werden beim Thema Sportstätten von der Politik auch alleinegelassen, das muss man so klar sagen. Die Politik sollte Kooperationen und gemeinsame Projekte von Vereinen viel stärker fordern und fördern. Doch da fehlt es auf ganzer Linie.

Wie könnte so ein neuer Weg für Vereine konkret aussehen?

Es muss ja nicht immer gleich die riesige, neue Sporthalle sein, über die nachgedacht werden muss. Es reicht bei vielen Sportangeboten oft auch eine kleine Gymnastikhalle, die wesentlich kostengünstiger ist. Bei uns im Verein haben wir zum Beispiel eine alte Tennisgaststätte in zwei kleine, aber sehr feine Sporthallen umgebaut. Das war gar nicht so teuer oder kompliziert. Man muss auch mal um die Ecke denken, neue Möglichkeiten sehen.

Ist es für Vereine nicht viel angenehmer, Hallen einfach zu mieten, statt als Eigentümer selbst in der Verantwortung zu stehen?

Klar ist es angenehmer, für ein paar Euro eine Schulsporthalle zu mieten. Das ist ja auch alles okay. Aber wir wissen ja, wie die Sportstätten im Großen und Ganzen aussehen. Und auf lange Sicht müssen wir da andere Wege gehen. Und da können wir die Politik nur auffordern: Helft uns, begleitet uns!

Bleibt den Vereinen überhaupt etwas anderes übrig als neue Wege zu gehen?

Der richtige Zeitpunkt für die Sanierung wurde bei vielen Sportstätten längst verpasst. Bei manchen Objekten muss man sicherlich auch überlegen: Lohnt sich eine Sanierung überhaupt noch? Es gibt da leider keinen Königsweg. Die Bezirkssportanlagen sind zum Beispiel vergleichsweise gut in Schuss. Das große Manko liegt in den Schulsporthallen. Doch statt selbst Mieter einer Schulhalle zu sein, ist es für einen Verein doch viel reizvoller, eine Schule als Ankermieter in eine eigene Halle zu holen.

So wie Sie es in Kooperation mit der Grundschule am Baumschulenweg machen?

Wir haben nur Vorteile dadurch. Über diesen Weg sind bei uns auch die Hallenzeiten am Vormittag belegt, zu denen die Hallen sonst leer stünden. Ein anderes Beispiel ist derzeit das Ferienbetreuungsprogramm, durch das wir die Hallen auch in den Ferien ökonomisch sinnvoll nutzen. Wir sind diesen Weg der Unabhängigkeit von Anfang an gegangen und sind mit dem Modell sehr erfolgreich. Diesen Weg würde ich mir in Bremen gern häufiger wünschen.

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