Vergnügungsverbot an Feiertagen Petition für Öffnung der Bremer Osterwiese an Karfreitag

Der Bremer Maurice Mäschig hat eine Petition eingereicht, die unter anderem die Öffnung der Osterwiese am Karfreitag erreichen soll. Das Wirtschaftsressort sieht keinen Diskussionsbedarf.
16.03.2018, 19:12
Lesedauer: 3 Min
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Petition für Öffnung der Bremer Osterwiese an Karfreitag
Von Nina Willborn

Bald blinkt, brummt und kreiselt es wieder auf der Bürgerweide. Ab Freitag, 23. März, bis Sonntag, 8. April, "ischa" 17 Tage Osterwiese. Genau genommen sind es aber nur 16 Tage, an denen Bremer und ihre Gäste den Karussell- und Buden-Spaß genießen können. Am Karfreitag (30. März) bleibt die Osterwiese still und alles dicht.

So ist es seit Jahren, und so ist es auch in der neuesten Fassung des Bremischen Feiertagsgesetzes vom 14. November 2017 geregelt: Am Karfreitag, Volkstrauertrag und Totensonntag sind alle öffentlichen Veranstaltungen verboten, die in irgendeiner Form mit Unterhaltung zu tun haben, sofern, so lautet der Gesetzestext, "bei ihnen nicht der ernste Charakter des jeweiligen Feiertages gewahrt wird".

Damit will sich Maurice Mäschig nicht abfinden. Seit Jahren kämpft der Bremer für die Aufhebung der Vergnügungsverbote an kirchlichen Feiertagen, und deshalb nimmt er jetzt einen neuen Anlauf. Mäschig hat unter dem Titel "Feiertage für alle – Vergnügungsverbote aufheben" eine Petition eingereicht . Die Zeichnungsfrist endet am 26. April.

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Seit Donnerstag ist sie online, am Freitagnachmittag hatte sie bereits 70 "Mitzeichner". In der Petition enthalten ist auch die Forderung nach einer Öffnung der Osterwiese am Karfreitag. "Ich darf an Feiertagen nicht das machen, was ich möchte. Es ist aber nicht Aufgabe des Staates, seinen Bürgern vorzuschreiben, wie sie ihre Freizeit gestalten", sagt Mäschig.

"Am Karfreitag rennen die Menschen ja dann nicht in die Kirche, nur weil alles zu ist. Sie bleiben zu Hause und gucken Netflix. Die Feiertage im Bundesland Bremen sollten für alle Menschen zur individuellen Freizeitgestaltung nutzbar sein." Dazu zählt er das Recht auf einen Besuch der Osterwiese mit der Familie oder Freunden genauso wie das Recht, einen Feiertag still und vielleicht im Gebet zu begehen.

"Wir halten die Begründung für schlüssig"

Schon 2011 hatte Mäschig mit einer Petition zur Aufhebung des Tanzverbotes eine Debatte angestoßen, als deren Folge die Verbotszeiten aufgeweicht wurden. Seit 2013 gilt die Ruheregelung zum Beispiel am Karfreitag nur zwischen 6 und 21 Uhr. Irgendwann werden die Vergnügungsverbote ganz fallen, da ist sich Mäschig sicher.

"Es ist eine Frage der Zeit, denn sie sind langfristig nicht mehr zu halten", sagt er. Bremen hat wie auch Hamburg und Berlin und im Gegensatz etwa zu Bayern übrigens bereits sehr liberale Regelungen. Die Arbeitsgemeinschaft der Bremer Märkte, die auch die Interessen der Schausteller vertritt, findet die Petition selbstredend sinnvoll. Wolfgang Ahrens, Geschäftsführer des Schaustellerverbands, sagt: "Wir halten die Begründung für schlüssig. Wir hoffen, dass sich viele Menschen an der Petition beteiligen, um die Politik zum Umdenken anzuregen."

Er verweist auf die einzige Ausnahme, die es bei einem Osterwiesen-Karfreitag in den vergangenen Jahren gab: 2015 war das Wetter so schlecht, dass der Senat den Schaustellern den Feier- als Ausgleichstag gewährte. "So voll wie damals habe ich die Osterwiese in 35 Jahren nicht erlebt", sagt Ahrens. Beim Senator für Wirtschaft hält sich die Begeisterung über die Kombination der Worte "Petition", "Feiertag" und "Vergnügungsverbote" in engen Grenzen.

Kirchen wollen Ruhe einkehren lassen

Die Forderungen seien nicht neu, sagt Tim Cordßen, Sprecher von Senator Martin Günthner (SPD). "Aber an der Haltung unseres Ressorts und einer Mehrheit der Bürgerschaft hat sich innerhalb der vergangenen drei Monate nichts geändert. Bei der Bedeutung des Karfreitags als stiller Feiertag haben wir uns klar positioniert. Dass wir uns in Sondersituationen Flexibilität bewahren wollen, ändert nichts an der grundsätzlichen Entscheidung."

Ähnlich wenig Diskussionsbedarf gibt es bei diesem Thema naturgemäß auch bei den Kirchen. "Wir sind bei dem Kompromiss, den wir jetzt haben, schon sehr weit gegangen", sagt Renke Brahms, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche. "Zu mehr sind wir nicht bereit. Und das würden wir gegebenenfalls auch gegenüber dem Senat deutlich machen. Ich denke, man sollte jetzt erst mal Ruhe einkehren lassen."

A propos Ruhe: Die staatlich angesetzte müsse man ja gar nicht ausschließlich mit religiöser Einkehr verbringen. "Für mich ist Karfreitag auch ein Tag der Besinnung, an dem man sich angesichts unserer Weltlage mit Kriegen und Konflikten auch einmal mit dem auseinandersetzen kann, was um uns herum passiert", sagt Brahms.

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